Mit Spreng­stoff TNT

Wie scharf ge­macht war die Hand­gra­na­te von Vil­lin­gen?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Avs/SO

Die gro­ße Son­der­kom­mis­si­on „Con­tai­ner“hat ih­re Er­mitt­lun­gen zum Hand­gra­na­ten­an­schlag auf ei­ne Flücht­lings­un­ter­kunft in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen (Schwarz­wald-Baar-Kreis) fort­ge­setzt. Die Po­li­zei in Tuttlingen nann­te wei­te­re De­tails zum Ge­schoss. Dem­nach sei die ju­go­sla­wi­sche Gra­na­te des Typs M52 mit 100 Gramm des Spreng­stoffs TNT ge­füllt ge­we­sen. Die Be­am­ten er­mit­tel­ten wei­ter mit Nach­druck in al­le Rich­tun­gen. Un­klar ist, ob die Gra­na­te mit ei­nem Zün­der aus­ge­stat­tet und da­mit scharf war. Be­fra­gun­gen in der Nach­bar­schaft hät­ten den ei­nen oder an­de­ren Hin­weis er­bracht, hieß es. Ei­nen kon­kre­ten Ver­dacht oder ei­ne Spur zu den Tä­tern ha­ben die Er­mitt­ler nicht. Die Po­li­zei schließt we­der ei­nen aus­län­der­feind­li­chen An­schlag aus, noch ei­ne Atta­cke auf die Mit­ar­bei­ter des Si­cher­heits­diens­tes. Die Gra­na­te war di­rekt ne­ben ei­nem Con­tai­ner ge­lan­det, in der sich Mit­ar­bei­ter des Wach­diens­tes auf­hiel­ten. Ex­per­ten spreng­ten sie spä­ter. Der An­griff ist laut Bun­des­kri­mi­nal­amt bun­des­weit der ers­te Fall, bei dem Spreng­stoff zum Ein­satz kam. Bei spon­ta­nen De­mons­tra­tio­nen nach dem Hand­gra­na­ten­an­schlag auf die Be­darfs­ori­en­tier­te Erst­auf­nah­me­stel­le (BEA) in Vil­lin­gen ist es ges­tern in der Dop­pel­stadt zu Hand­greif­lich­kei­ten ge­kom­men. Un­ter an­de­rem in der In­nen­stadt von Schwen­nin­gen auf dem Markt­platz ver­sam­mel­ten sich et­wa 80 Per­so- nen des rech­ten Spek­trums und rund 150 De­mons­tran­ten des „Of­fe­nen an­ti­fa­schis­ti­schen Tref­fens“so­wie Flücht­lin­ge. Am Bahn­hof kam es zwi­schen et­wa zehn Men­schen zu Hand­greif­lich­kei­ten. Der Fund der nicht ex­plo­dier­ten Hand­gra­na­te hat­te bun­des­weit für Em­pö­rung ge­sorgt. CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber ver­ur­teil­te die Tat als wi­der­wär­tig und er­schre­ckend. „Das ist ver­such­ter Mord“, sag­te er der Zei­tung „Die Welt“. Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) hat da­zu auf­ge­ru­fen, die Flücht­lings­de­bat­te zu ent­schär­fen. Al­le De­mo­kra­ten sei­en ge­for­dert, der ge­sell­schaft­li­chen Po­la­ri­sie­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken, er­klär­te er.

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