Wil­der Wes­ten – Na­her Os­ten

Was das Ba­di­sche Lan­des­mu­se­um und die Kunst­hal­le 2016 zei­gen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher Das Wort zum Sonn­tag von Pfar­re­rin Ki­ra Busch-Wagner, evan­ge­li­sche Pau­lus­ge­mein­de Ett­lin­gen

Wir wer­den Cow­boy und In­dia­ner“lau­tet das Mot­to ei­ner Fa­mi­li­en­aus­stel­lung im Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um (BLM). Ab 19. März will das Mu­se­um im Karls­ru­her Schloss Klein und Groß in je­nen Wil­den Wes­ten füh­ren, wie er in Deutsch­land seit 150 Jah­ren in­sze­niert wird. Beim Be­such ei­ner Wes­tern­stadt, dem Aus­flug in Wüs­ten­land­schaf­ten oder in In­dia­ner-Ti­pis kann ge­tes­tet wer­den, wie weit noch heu­te Kin­der am Cow­boy-und-In­dia­ner-Spiel in­ter­es­siert sind und wel­che Er­in­ne­run­gen an Karl May, Win­ne­tou oder die Schick­sa­le der In­dia­ner­stäm­me Er­wach­se­ne ha­ben. In kei­nem an­de­ren Land, ab­ge­se­hen von den USA, ist der „Wil­de Wes­ten“so zum My­thos ge­wor­den wie in Deutsch­land. Die Ge­schich­ten von Bleich­ge­sich­tern und Rot­häu­ten ha­ben Ge­ne­ra­tio­nen fas­zi­niert. Das Lan­des­mu­se­um zeigt, wie seit 1890 in al­len po­li­ti­schen Sys­te­men Deutsch­lands mit Kli­schees und Wirk­lich­keit von „drü­ben“um­ge­gan­gen wur­de. „Erst­mals wa­gen wir uns an das For­mat ei­ner Fa­mi­li­en­aus­stel­lung, sie soll zum Aben­teu­er für jedermann wer­den“, freut sich BLM-Di­rek­tor Eck­art Köh­ne. Selbst­ver­ständ­lich darf Buf­fa­lo Bills Wil­dwest-Show in Karls­ru­he 1891 nicht feh­len, die blei­ben­de Spu­ren und die Süd­stadt-In­dia­ner hin­ter­las­sen hat. Das Stadt­mu­se­um Karls­ru­he wird mit lo­ka­len Aspek­ten „Cow­boy & In­dia­ner - Ma­de in Ger­ma­ny“er­gän­zen. Die­se BLM-Schau, ku­ra­tiert von Andre­as Seim, läuft den gan­zen Som­mer über bis Ok­to­ber. Auch das Mu­se­ums­fest am 4. und 5. Ju­ni steht dann im Zei­chen von Pr­ä­rie, Sa­loon und den gu­ten wie bö­sen Ty­pen im Wil­den Wes­ten. In den Na­hen Os­ten führt das BLM zum Jah­res­en­de. Ei­ne Son­der­aus­stel­lung wid­met sich ei­nem Herr­scher des al­ten Ägyp­tens. Er re­gier­te 66 Jah­re und führ­te das Land am Nil zu ei­ner Blü­te: Ram­ses II. und die Zeit des „gött­li­chen Herr­schers“wird ab 17. De­zem­ber erst­mals in Deutsch­land nä­her be­trach­tet. Das le­gen­dä­re Le­ben des Pha­ra­os mit 100 Kin­dern, sei­ne Ver­wal­tung, Au­ßen­po­li­tik und sei­ne re­kon­stru­ier­te Haupt­stadt Pi-Ra­mes­se sol­len in 250 Ex­po­na­ten na­he­ge­bracht wer­den. Da­zu kom­men Ko­los­sal­sta­tu­en nach Karls­ru­he und vie­le Stü­cke aus den gro­ßen eu­ro­päi­schen Mu­se­en für ägyp­ti­sche Kunst. Lars Pe­ter­sen be­treut die Schau um Ram­ses II., der im 13. Jahr­hun­dert vor Chris­tus leb­te, 90 Jah­re alt wur­de und mög­li­cher­wei­se je­ner Pha­rao war, der mit den Is­rae­li­ten un­ter Mo­ses in Ver­bin­dung ge­bracht wird. Ei­nen ba­di­schen Ak­zent setzt das BLM ab 29. April, wenn es an Kunst und Künst­ler der Ma­jo­li­ka Ma­nu­fak­tur er­in­nert. In ei­ner Ver­kaufs­aus­stel­lung im Mu­se­um am Markt wer­den Klas­si­ker und ak­tu­el­les Schaf­fen aus den -Werk­stät­ten ge­zeigt - un­ter dem Ti­tel „Ei­ne Zu­kunft für die Tra­di­ti­on“. In der Staat­li­chen Kunst­hal­le Karls­ru­he geht heu­te die Aus­stel­lung „Ich bin hier! Von Rem­brandt zum Sel­fie“zu En­de. Die nächs­te Son­der­schau ab 20. Fe­bru­ar wid­met sich ein­mal nicht Ge­mäl­den oder Plas­ti­ken, son­dern prä­sen­tiert Fo­to­gra­fi­en von El­ger Es­ser. Der 1967 in Stutt­gart ge­bo­re­ne Meis­ter-Schü­ler von Bernd Be­cher in­ter­pre­tiert Fo­to­gra­fie als freie schöp­fe­ri­sche Kunst. Tra­di­tio­nen der Ma­le­rei und des Pik­to­riali­mus, al­so dem frü­hen Be­mü­hen um ei­gen­stän­di­ge fo­to­gra­fi­sche Äs­t­he­tik, kenn­zeich­nen sei­ne Auf­nah­men. Im Zy­klus „Zei­ti­gen“sind häu­fig Land­schaf­ten oder Ge­bäu­de in Frank­reich An­lass für sei­ne Ar­bei­ten, die mit viel­fäl­ti­gen Tech­ni­ken und As­so­zia­tio­nen ar­bei­ten. Es­ser er­hält in die­sem Jahr den Os­kar-Schlem­mer-Preis des Lan­des Ba­denWürt­tem­berg, sei­ne Fo­tos sind bis 10. Ju­li zu se­hen. Wenn vom 15. April bis 1. Ju­li die ex­pres­sio­nis­ti­sche Druck­gra­fik der kürz­lich er­wor­be­nen Samm­lung Hay­mann ge­zeigt wird, dann wür­digt die Kunst­hal­le auch das Schick­sal von Her­mann Hay­mann aus Ba­den­wei­ler und das der Ju­den in Ba­den-Würt­tem­berg all­ge­mein. Kunst nach 1945 un­ter dem Ti­tel „form­los“zeigt die Jun­ge Kunst­hal­le ab 19. März und ver­mit­telt da­bei viel vom Mal­pro­zess. Schließ­lich stößt man 2016 in der Kunst­hal­le auf ei­ne neue Hän­gung der groß­ar­ti­gen nie­der­län­di­schen Samm­lung, ein­schließ­lich des im Vor­jahr be­son­ders ge­wür­dig­ten „Mah­le­rey-Cabinet“der Ka­ro­li­ne Lui­se von Ba­den. Ju­gend­li­che kön­nen so selbst­stän­dig und un­ab­hän­gig sein, dass ei­nem der Atem weg­bleibt. Und manch­mal so an­häng­lich, dass man sich nur wun­dert. Manch­mal so ein­sich­tig, dass man froh wä­re, es gä­be mehr Men­schen von der Sor­te. Manch­mal so stur und ei­gen­wil­lig, dass es über­haupt kei­nen Sinn hat, dem et­was ent­ge­gen zu set­zen. Manch­mal so ver­schlos­sen und rät­sel­haft, dass man nur hof­fen kann, dass al­les ein gu­tes En­de nimmt. Wer auch im­mer zu bi­bli­schen Zei­ten sich ent­schlos­sen hat, die Ge­schich­te vom zwölf­jäh­ri­gen Je­sus ins Evan­ge­li­um auf­zu­neh­men, moch­te da­mit viel­leicht auch ge­stress- ten El­tern und Lehr­kräf­ten ein biss­chen Trost spen­den. Wich­ti­ger noch: an­er­kennt ei­nen Ju­gend­li­chen in sei­nen Ent­schei­dun­gen und in sei­nen Fra­gen. Und: lädt ein zum Ver­trau­en. Er­in­nern Sie sich noch an die­se Ge­schich­te? Je­sus macht mit sei­nen El­tern zu­sam­men ei­ne Wall­fahrt nach Je­ru­sa­lem. Man kann das nicht mit ei­nem heu­ti­gen Fa­mi­li­en­ur­laub ver­glei­chen. Trotz­dem: noch ist die gan­ze Fa­mi­lie ein­träch­tig bei­sam­men., das Kind mit da­bei. Nicht aber auf dem Rück­weg. Ma­ria und Jo­sef be­ru­hi­gen sich: Der Sohn mag in der Grup­pe der Ver­wand­ten wan­dern. Als sie mer­ken, dass das nicht der Fall ist, keh­ren sie um, su­chen. Und fin­den ihn im Tem­pelare­al in ei­ner Lern- und Ar­beits­grup­pe. Auf­merk­sam. In­ter­es­siert. Vol­ler Fra­gen. Und of­fen­bar hat er sich schon rich­tig An­er­ken­nung ver­schafft. Die El­tern sind ver­stört. Was macht er da? Ih­ren Vor­hal­tun­gen be­geg­net der Sohn mit ei­ner un­ver­ständ­li­chen Ant­wort. Er geht dann mit ih­nen nach Hau­se. Trotz­dem ist et­was an­ders. Ma­ria bleibt das im Her­zen. Gera­de noch ein Kind. Auf ein­mal fremd und er­wach­sen. Gott be­foh­len!

Von den In­dia­nern zu den Pha­rao­nen

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