Karl Wilhelm – der Film

Ben Be­cker leiht dem Grün­der Karls­ru­hes sei­ne Stim­me

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Fak­ten, nichts als Fak­ten? Wer dar­auf setzt ist falsch im neu­en Film über Mark­graf Karl Wilhelm. Der greift bes­ser auf den Ka­ta­log zu­rück, der im ver­gan­ge­nen Jahr zur gro­ßen Lan­des­aus­stel­lung über den Grün­der Karls­ru­hes er­schien. Das Fil­m­er­leb­nis „Ich, Karl Wilhelm! Die Le­gen­de mei­ner Stadt“, das ab so­fort an al­len Öff­nungs­ta­gen des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums im Turm­zim­mer des Karls­ru­her Schlos­ses prä­sen­tiert wird, hat an­de­re Qua­li­tä­ten: Es ap­pel­liert we­ni­ger an den Kopf als ans Ge­fühl und ver­mit­telt dem Be­su­cher so ei­ne Vor­stel­lung von der Sin­nen­lust des Ba­rock. Schon die mär­chen­haft an­mu­ten­de Sil­hou­et­te des Stadt­grün- ders, die die Hand­schrift des Gra­fik-Künst­lers Olaf Ha­jek trägt, spricht Bän­de: Karl Wil­helms Gestalt ist col­la­gen­ar­tig aus den At­tri­bu­ten sei­ner Lei­den­schaf­ten dar­ge­stellt, den Blu­men et­wa, der Mu­sik, aber auch der Ar­chi­tek­tur sei­nes Schlos­ses. Sei­ne kraft­vol­le Stim­me, die eben über die Grün­dung Karls­ru­hes rä­so­niert, dann pol­ternd ei­ni­ge Mit­glie­der sei­nes Hof­staats in den Sen­kel stellt, ver­dankt der Mark­graf dem Schau­spie­ler Ben Be­cker – auch da­von ver­spricht sich das Mu­se­um ei­ni­ge Auf­merk­sam­keit für das neue An­ge­bot. His­to­ri­sche Fak­ten und von Karl Wilhelm über­lie­fer­te Sprü­che, aber auch Zi­ta­te aus der ba­ro­cken Ly­rik und der Li­te­ra­tur wer­den im Film fan­ta­sie­voll zu ei­ner Ge­schich­te ver­knüpft, die aus der Lie­be des Mark­gra­fen zur Bo­ta­nik, zu den Frau­en und zur Al­che­mie schöpft. Doch mehr als die Sto­ry über­zeu­gen die Bil­der: His­to­ri­sche Stadt­an­sich­ten, al­te Schrift­stü­cke und an­de­re Mu­se­ums­stü­cke ent­wi­ckeln im Film ein Ei­gen­le­ben. Und wenn die ge­mal­ten Pflan­zen, die man aus Karl Wil­helms be­rühm­ten Tul­pen­bü­chern kennt, auf der der 18,5 Me­ter brei­ten und drei Me­ter ho­hen Pro­jek­ti­ons­flä­che zu ei­nem Blu­men­meer zu­sam­men­wach­sen, ver­langt kei­ner mehr nach Fak­ten. Dann sind nur noch die Sin­ne ge­fragt.

Ge­schich­te und Fan­ta­sie ge­hen im Fil­m­er­leb­nis „Ich, Karl Wilhelm! Die Le­gen­de mei­ner Stadt“ei­ne eben­so stim­mungs­vol­le wie un­ter­halt­sa­me Ver­bin­dung ein: Dass hier nicht die rei­ne his­to­ri­sche Wahr­heit nach­ge­stellt wird, zeigt schon die Sil­hou­et­te des Stadt­grün­ders: Der Gra­fik-Künst­ler Olaf Ha­jek schuf ihn als mär­chen­haf­te Col­la­ge sei­ner Lei­den­schaf­ten. Fo­to: © Ba­di­sches Lan­des­mu­se­um Karls­ru­he/Tam­schick Me­dia+Space Gm­bH

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