Al­le stau­nen über Tris­tan

Im Na­tur­kun­de­mu­se­um Ber­lin steht jetzt der zweit­größ­te T-Rex der Welt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Im Ber­li­ner Mu­se­um für Na­tur­kun­de tref­fen seit Kur­zem drei Di­no­sau­ri­er auf­ein­an­der, die sich in Wirk­lich­keit nie be­geg­net sind. Im Sau­rier­saal ste­hen die Ske­let­te ei­nes Bra­chio­sau­rus und ei­nes Di­plo­do­cus. Ei­ni­ge Schrit­te wei­ter er­war­tet T-Rex Tris­tan die Be­su­cher. Seit Mit­te De­zem­ber zeigt das Mu­se­um das Ske­lett des Ty­ran­no­sau­rus Rex, es ist der welt­weit zweit­größ­te Fos­si­li­en­fund des be­rühm­ten Fleisch­fres­sers. Mehr als die Hälf­te sei­ner 300 Kno­chen sind ver­stei­ner­te Ori­gi­na­le! Grö­ßer und bes­ser er­hal­ten ist nur noch der T-Rex des Chi­ca­go­er Na­tur­kun­de­mu­se­ums na­mens Sue. Ber­lins Tris­tan leb­te vor 67 Mil­lio­nen Jah­ren, die pflan­zen­fres­sen­den Art­ge­nos­sen im Mu­se­um, Bra­chio­sau­ri­er und

Niels Niel­sen be­nann­te ihn nach sei­nem Sohn

Di­plo­do­cus, be­reits vor 145 Mil­lio­nen Jah­ren. Wä­re Tris­tan ih­nen leib­haf­tig be­geg­net, hät­te er sie ver­mut­lich auf­grund ih­rer Grö­ße trotz­dem nicht ge­jagt. Auf sei­nem Spei­se­plan stan­den klei­ne­re Beu­te­tie­re. Dass Tris­tan in Ber­lin auf­taucht, ist ein glück­li­cher Zu­fall, denn sein Ske­lett ge­hört nicht dem Mu­se­um, son­dern Di­no-Fan Niels Niel­sen. Weil der kein Wis­sen­schaft­ler ist, aber fand, dass Ex­per­ten den Sau­ri­er un­ter­su­chen soll­ten, griff der 39 Jah­re al­te Niel­sen ei­nes Ta­ges zum Te­le­fon und rief im Na­tur­kun­de­mu­se­um an: „Hal­lo! Wol­len Sie ei­nen T-Rex ha­ben?“, frag­te er Di­rek­tor Jo­han­nes Vo­gel. Dem fehl­ten die Wor­te. So­bald er die Spra­che wie­der­ge­fun­den hat­te, sag­te er „Ja“. Niels Niel­sen stammt aus Dä­ne­mark, aber lebt mit sei­ner Fa­mi­lie in Lon­don. Dort ge­hö­ren ihm meh­re­re Ho­tels. Er hat ein gro­ßes Ver­mö­gen. Von dem Geld ein Sau­rier­ske­lett zu kau­fen, auf die Idee kommt aber nicht je­der. Wie­so er? „Weil ich schon als Kind Di­no-Fan war. Wir ha­ben Fos­si­li­en in der Schu­le be­han­delt, von dem Mo­ment an war ich fas­zi­niert. Mei­ne El­tern nah­men mich mit ins Na­tur­kun­de­mu­se­um Ko­pen­ha­gen, um die Sau­ri­er dort an­zu­schau­en. Da­mals war ich sechs Jah­re alt.“Niels Niel­sens zwei Jah­re äl­te­rer Bru­der Jon war auch da­bei, und im De­zem­ber kam er mit zur Er­öff­nung der Tris­tan-Aus­stel­lung nach Ber­lin. Er ver­rät: „Ich moch­te Di­no­sau­ri­er auch, al­le Kin­der, vor al­lem Jungs ha­ben ja ir­gend­wann ei­ne Di­no-Pha­se. Aber so be­geis­tert wie mein Bru­der war ich nicht.“Er hät­te sich auch nie ei­nen T-Rex ge­kauft, sagt Jon. Niels schon. Vor drei Jah­ren ging er zu ei­ner Ver­stei­ge­rung und er­stei­ger­te den fos­si­len Zahn ei­nes Ty­ran­no­sau­rus. Im In­ter­net ver­such­te er an­schlie­ßend, so viel wie mög­lich über des­sen Fund­ort im Nord­wes­ten der USA her­aus­zu­fin­den und stieß da­bei auf an­de­re pri­va­te Samm­ler. „Ei­nes Ta­ges im Jahr 2012 be­rich­te­te mir ei­ner, ein Freund von ihm ha­be Kno­chen in ei­nem Tal in Bun­des­staat Mon­ta­na ge­fun­den, die von ei­nem Di­no stamm­ten.“So­fort zeig­te Niels Niel­sen In­ter­es­se, den Fund zu kau­fen. Dass die Kno­chen ei­nem T-Rex ge­hör­ten, wuss­te er da noch nicht. Um­so grö­ßer ist nun sein Stolz. Dass Tris­tan, den er nach sei­nem sechs­jäh­ri­gem Sohn be­nannt hat, nun im Ber­li­ner Mu­se­um steht, freut auch sei­ne Frau. „ Als ich sag­te, ich kau­fe ei­nen T-Rex, dach­te sie, ich sei über­ge­schnappt“, er­in­nert sich der Sau­rier­fan. Ty­ran­no­sau­rus Tris­tan war vier Me­ter hoch, zwölf Me­ter lang und wog sechs Ton­nen. Als ei­ne der we­ni­gen Sau­rier­ar­ten ging der T-Rex auf­recht auf sei­nen Hin­ter­bei­nen. Den 180 Ki­lo­gramm schwe­ren Kopf ba­lan­cier­te er durch ei­nen kräf­ti­gen Schwanz aus. Die For­scher des Na­tur­kun­de­mu­se­ums, die das Ske­lett zu­sam­men­puz­zel­ten, ha­ben statt des ori­gi­na­len Schä­dels trotz­dem lie­ber ei­ne leich­te­re Nach­bil­dung als Kopf mon­tiert. Das ech­te Fos­sil mit sei­nen bis zu 15 Zen­ti­me­ter lan­gen, spit­zen Zäh­nen, liegt in ei­ner Vi­tri­ne. Als Tris­tan vor 67 Mil­lio­nen Jah­ren starb, war das Tal, in dem er ge­fun­den wur­de, ei­ne Fluss­land­schaft. Im einst sump­fi­gen Un­ter­grund ha­ben sich sei­ne Kno­chen so lan­ge so gut er­hal­ten. Woran der Sau­ri­er, der bei sei­nem Tod 20 Jah­re alt war, ge­nau ver­en­de­te, müs­sen For­scher noch raus­krie­gen. An den Kno­chen ha­ben sie Ve­rän­de­run­gen fest­ge­stellt, die auf Ent­zün­dun­gen oder Ver­let­zun­gen hin­wei­sen. Mög­li­cher­wei­se konn­te Tris­tan nach ei­nem Kampf nicht mehr auf­ste­hen. Klä­ren wol­len die Ber­li­ner au­ßer­dem, ob Tris­tan ein männ­li­cher oder ein weib­li­cher Sau­ri­er war. Das Ske­lett der Weib­chen ent­hielt mehr Cal­ci­um, das für die Eier ge­braucht wur­de, die ei­ne Sau­rier­da­me leg­te und aus de­nen Ba­by-Di­nos schlüpf­ten. Soll­te Tris­tan gar kein Sau­ri­er-Mann ge­we­sen sein, hat sein „Herr­chen“Niels Niel­sen schon Plä­ne: „Dann nen­ne ich den T-Rex nach mei­ner Toch­ter, Au­drey. Oder Tris­ta­li­na.“

Niels Niel­sen ist Tris­tans „Herr­chen“. Er hat­te das Ske­lett 2012 in den USA ge­kauft. Tris­tan heißt der Sau­ri­er, weil Niels Niel­sens Sohn so heißt. Fo­to: Ca­ro­la Rad­ke/Na­tur­kun­de­mu­se­um Ber­lin

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