Olym­pia hat kei­ne Prio­ri­tät

Di­no Pfeif­fer kon­zen­triert sich nach sei­nem vier­ten deut­schen Ti­tel nun auf die Ju­do-EM

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - In­ter­view: Harald Lin­der

Die Ta­ge nach dem Ge­winn der deut­schen Meis­ter­schaft in Ham­burg, wo sich Di­no Pfeif­fer am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de zum vier­ten Mal den Ti­tel in der Ka­te­go­rie bis 100 Ki­lo­gramm hol­te, ver­brach­te der Ju­do­ka aus Bühl fern­ab der Ju­do­mat­te. Pfeif­fer saß in der Hoch­schu­le für Tech­nik in Ber­lin über den Bü­chern und büf­fel­te „Mess­tech­nik“und „Strö­mungs­leh­re 2“für die Klau­su­ren, die der 27-Jäh­ri­ge, der Ver­fah­rens- und Um­welt­tech­nik stu­diert, auf dem Weg zum Ba­che­lor bald schrei­ben muss. „Da­nach wird aber wie­der Ju­do im Mit­tel­punkt ste­hen“, sag­te Pfeif­fer im In­ter­view mit dem SONN­TAG. Da­bei sprach der Kämp­fer des Bun­des­li­gis­ten JC Ett­lin­gen auch über sei­ne nächs­ten sport­li­chen Zie­le, zum Bei­spiel die EM vom 21. bis 24. April in Russ­land.

Glückwunsch zum vier­ten deut­schen Meis­ter­ti­tel nach 2011, 2012, 2013. Nach drei Jah­ren wie­der auf dem obers­ten Trepp­chen bei der Ein­zel-DM. Ein gu­tes Ge­fühl?

Di­no Pfeif­fer: Ein sehr gu­tes Ge­fühl, aber auch ein Er­geb­nis, das ich von mir er­war­tet ha­be.

Auch des­halb, weil mit Di­mi­tri Pe­ters und Karl-Richard Frey ih­re stärks­ten Kon­kur­ren­ten nicht am Start wa­ren?

Pfeif­fer: Ge­nau, Pe­ters und Frey kämpf­ten beim Grand Prix in Ha­van­na. Und die­se bei­den lie­gen zur­zeit in Deutsch­land vor mir. Aber ich woll­te zei­gen, dass ich da­nach der­je­ni­ge bin, der in der 100-Ki­lo-Ka­te­go­rie do­mi­niert, ob­wohl die Kon­kur­renz bei die­sen Meis­ter­schaf­ten be­stimmt nicht schlecht war. Mein Fi­nal­geg­ner Do­me­nik Schö­ne­feldt ist ein sehr gu­ter Ju­do­ka. Aber ich ha­be ihn ge­schla­gen und das Ziel, das ich mir für die­se Meis­ter­schaf­ten ge­setzt ha­be, er­reicht. Das ist et­was, was mich für die Zu­kunft zu­ver­sicht­lich stimmt und mich an­spornt, wei­ter­zu­ma­chen.

Trotz der zwei schwä­che­ren Jah­re, die hin­ter Ih­nen lie­gen?

Pfeif­fer: Gera­de we­gen der zwei schwä­che­ren Jah­re, die ich hat­te. Da lief nicht al­les so, wie ich es mir vor­ge­stellt ha­be. Ob­wohl ich auch da nicht er­folg­los war, wenn mir auch der ganz gro­ße Wurf nicht ge­glückt ist. Aber die Kon­kur­renz, gera­de in mei­ner Ge­wichts­klas­se, mit zwei wei­te­ren Welt­klas­se-Ath­le­ten ist enorm stark.

Pfeif­fer: Nein, die­ses Ge­fühl hat­te und ha­be ich nicht. Ich traue mir zu, da zu­künf­tig auch noch mit­zu­mi­schen. Nach all dem Schweiß, dem Schmerz und all der An­stren­gung, die ich in mei­nen Sport in­ves­tiert ha­be, weiß ich, dass das noch nicht al­les ge­we­sen sein kann, was ich noch er­rei­chen möch­te. Ham­burg war da ein gu­ter Schritt und ei­ne gu­te Er­fah­rung, auch mit der Ein­schrän­kung, dass Pe­ters und Frey nicht da wa­ren. Aber auch die ha­be ich schon ge­schla­gen, auch wenn sie zur­zeit vor mir ste­hen.

Das klingt an­griffs­lus­tig. Viel­leicht so­gar noch in Rich­tung Olym­pi­sche Spie­le in Rio?

Pfeif­fer: Rio ist un­rea­lis­tisch. Das ist nicht drin. Das sind Pe­ters und Frey vor mir. Auch was die Welt­rang­lis­ten­punk­te an­be­langt, ist die­ses Ziel nicht zu er­rei­chen. Ich ha­be mir für die­ses Jahr an­de­re Prio­ri­tä­ten ge­setzt. Mein Ziel sind die Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten im April in Ka­zan in Russ­land. Pe­ters und Frey wer­den da ver­mut­lich nicht an­tre­ten, weil sie schon ge­nug Welt­rang­lis­ten­punk­te ge­sam­melt ha­ben, und ich wer­de für Deutsch­land an den Start ge­hen. Und in Ka­zan will ich mög­lichst ei­ne Me­dail­le ho­len. Zu­vor gibt es noch den Heim-Grand-Prix vom 19. bis 21. Fe­bru­ar in Düs­sel­dorf. Da muss man ein­fach da­bei sein, um sich mit den Bes­ten zu mes­sen.

Jetzt sind Sie aber nicht nur Ju­do­ka. Sie stu­die­ren Ver­fah­rens- und Um­welt­tech­nik. Wie weit sind Sie denn da?

Pfeif­fer: Da lie­ge ich so­zu­sa­gen in den letz­ten Zü­gen zum Ba­che­lor. Des­halb ha­be ich nach den deut­schen Meis­ter­schaf­ten das Ju­do­trai­ning et­was zu­rück­ge­fah­ren, um mich auf ei­ni­ge Klau­su­ren zu den The­men Mess­tech­nik und Strö­mungs­leh­re vor­zu­be­rei­ten. Ich ha­be auch vor, noch den Mas­ter zu ma­chen. Dann wird aber Ju­do für mich wie­der im Mit­tel­punkt mei­nes Le­bens ste­hen.

Gilt die­se Aus­sa­ge dann auch un­ein­ge­schränkt für die Bun­des­li­ga?

Pfeif­fer: Ja, dies gilt na­tür­lich auch für die Bun­des­li­ga. Ich wer­de dort wei­ter für den JC Ett­lin­gen kämp­fen und ver­su­chen, mit un­se­rer Mann­schaft wie­der in die End­run­de um die deut­sche Ju­do-Meis­ter­schaft zu kom­men.

Ei­nen Start bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio hält Di­no Pfeif­fer für un­rea­lis­tisch – da­zu sei­en sei­ne bei­den na­tio­na­len Kon­kur­ren­ten in der 100-Ki­lo-Klas­se mo­men­tan zu stark. Fo­to: GES

Ist sie mög­li­cher­wei­se so stark, dass Sie das Ge­fühl hat­ten, da nicht mehr mit­zu­hal­ten zu kön­nen?

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