DHB-Aus­wahl im Fi­nal-Fie­ber

Ti­tel­wunsch im Her­zen, Gold-Plan im Kopf: Die Spa­nier kön­nen kom­men

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Mar­tin Kloth

Die deut­schen Hand­bal­ler grei­fen nach den Ster­nen. Im EM-Fi­na­le um 17.30 Uhr ge­gen Spa­ni­en will sich die Mann­schaft von Bun­des­trai­ner Da­gur Si­gurds­son für die Vor­run­den­nie­der­la­ge re­van­chie­ren, den ers­ten Ti­tel ei­ner Na­tio­nal­mann­schaft seit WM-Gold 2007 ho­len und sich für Olym­pia in Rio qua­li­fi­zie­ren.

Der Bun­des­trai­ner hat den Gold-Plan im Kopf, die Spie­ler tra­gen den Ti­tel­wunsch im Her­zen: Mit ei­ner ge­hö­ri­gen Por­ti­on Selbst­ver­trau­en und gro­ßer Lust auf ihr ers­tes EM-Fi­na­le fie­bern Da­gur Si­gurds­son und sei­ne Youngs­ter dem Hö­he­punkt der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ent­ge­gen. Vor dem End­spiel heu­te (17.30 Uhr/ARD) in Kra­kau er­klär­ten die deut­schen Hand­bal­ler, die zu­gleich die Teil­nah­me an der nächs­ten WM 2017 in Frank­reich si­cher­ten, Geg­ner Spa­ni­en zwar zum Fa­vo­ri­ten, sind aber von ih­rer Sieg­chan­ce über­zeugt. „Je­der will sei­nen Traum ver­wirk­li­chen. Jetzt ist man nah da­vor, jetzt kann man den Ti­tel ho­len und sich für Olym­pia qua­li­fi­zie­ren. Das sind al­les Sa­chen, von de­nen man träumt“, sag­te Tor­wart-Rou­ti­nier Cars­ten Licht­lein. Und Kai Häf­ner, der am Vor­tag das ent­schei­den­de Tor zum 34:33-Sieg nach Ver­län­ge- rung im Halb­fi­na­le ge­gen Nor­we­gen mar­kiert hat­te, ver­kün­de­te forsch: „Das ist ein Fi­na­le, das wol­len wir ge­win­nen. So geht man in die­ses Spiel rein.“Sechs Sie­ge in Se­rie ha­ben die deut­schen Hand­bal­ler ge­fei­ert – und nun noch ei­ne Rech­nung mit den Spa­ni­ern of­fen, ge­gen die sie zum EM-Auf­takt mit 29:32 die ein­zi­ge Nie­der­la­ge kas­sier­ten. „Wir ha­ben das ers­te Spiel ver­lo­ren we­gen der man­geln­den Er­fah­rung, die wir auf­zu­wei­sen hat­ten. Na­tür­lich ha­ben wir die nicht kom­plett auf­ge­holt. Aber wir wis­sen jetzt auch, wie man ei­ne Euro spielt“, sag­te Schluss­mann Andre­as Wolff. Da­gur Si­gurds­son hat­te un­ter­des­sen be­reits sei­nen Mas­ter­plan für das Fi­na­le aus­ge­tüf­telt. „Die Tak­tik von un­se­rer Sei­te ist klar. Aber die wer­de ich jetzt nicht ver­ra­ten“, er­klär­te der Bun­des­trai­ner mit ei­nem Schmun­zeln. Wie ge­wohnt warn­te er vor der Er­fah­rung und Rou­ti­ne der Ibe­rer, die Feh­ler gna­den­los be­stra­fen wür­den. Doch ist er über­zeugt, dass sei­ne Mann­schaft aus der Auf­takt­nie­der­la­ge ge­lernt hat und des­we­gen auch ge­win­nen kann. „Ich ha­be ein gu­tes Ge­fühl. Es ist auch die­se Leich­tig­keit, dass man das En­de sieht“, mein­te Si­gurds­son. Die Spa­nier sind mit ei­nem Al­ters­schnitt von 29,2 Jah­ren fast fünf Jah­re äl­ter als die Deut­schen. Sie kom­men als jüngs­tes Team der EM auf ei­nen Schnitt von 24,6 Jah­ren. „Jetzt kön­nen wir mit brei­ter Brust auf­tre­ten und das Spiel mit hof­fent­lich mehr Kraft­re­ser­ven und der neu ge­won­ne­nen Er­fah­rung zu un­se­ren Guns­ten ent­schei­den“, mein­te Wolff mit der glei­chen Kühn­heit, die die deut­sche Mann­schaft von Sieg zu Sieg ge­tra­gen hat. Da­bei hing der Er­folg im Halb­fi­na­le am sei­de­nen Fa­den. Nor­we­gen hat­te ge­gen das 34:33 (27:27, 14:13) Pro­test ein­ge­legt, weil we­ni­ge Se­kun­den vor En­de zu vie­le Deut­sche auf dem Par­kett wa­ren. Erst zwölf St­un­den nach der Par­tie stand der Sieg zwei­fels­frei fest, weil die Nor­we­ger ih­ren Ein­spruch zu­rück­zo­gen. „Ich bin froh, dass der Un­sinn ein En­de hat. Jetzt freu­en wir uns nur noch auf das Fi­na­le ge­gen Spa­ni­en. Deutsch­land wird heu­te wie­der Hand­ball-Lei­den­schaft er­le­ben“, sag­te Bob Han­ning, Vi­ze­prä­si­dent Leis­tungs­sport im Deut­schen Hand­ball Bund (DHB). Nach dem ver­krampf­ten Halb­fi­nal-Auf­tritt sei­ner Sie­ben ver­sprach Bun­des­trai­ner Si­gurds­son, dass die Mann­schaft im End­spiel wie­der ge­lös­ter und so un­be­küm­mert wie in der Grup­pen­pha­se agie­ren wird.

„Deutsch­land wird Lei­den­schaft er­le­ben“

Macht es Jungs: Deutsch­lands Hand­bal­ler, hier der star­ke To­bi­as Reich­mann, kön­nen das EM-Fi­na­le heu­te ge­gen Spa­ni­en kaum er­war­ten. Es geht um die Re­van­che für die Auf­takt-Nie­der­la­ge (29:32), vor al­lem aber um den ers­ten gro­ßen Ti­tel seit dem WM-Sieg 2007 im ei­ge­nen Land und den zwei­ten EM-Ti­tel nach 2004. Fo­to: AFP

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