Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Als Kind fand ich Af­fen aus­ge­spro­chen fas­zi­nie­rend. Mei­ne Fa­vo­ri­tin war Ju­dy, die Schim­pan­sin aus des Fern­seh­se­rie „Dak­ta­ri“, die den schie­len­den Lö­wen Cla­rence mei­ner Mei­nung nach glatt an die Wand spiel­te. Auch Herr Nils­son, Pip­pi Langs­trumpfs Me­er­kat­ze, die sich bei der Ver­fil­mung der Bü­cher von As­trid Lind­gren in ein To­ten­kop­fäff­chen ver­wan­del­te, war ein Sym­pa­thie­trä­ger und fes­ter Be­stand­teil mei­ner Kind­heit. Heu­te ist mein All­tag al­ler­dings weit­ge­hend af­fen­frei – nur bei ge­le­gent­li­chen Zoo­be­su­chen flammt die al­te Lie­be wie­der auf. Auch nach Chi­na, wie­wohl es sich um ein fas­zi­nie­ren­des Land han­delt, kom­me ich nur sel­ten. Des­halb nahm ich es ge­las­sen, als ich las, dass dort in der Nacht zum mor­gi­gen Mon­tag das „Jahr des Af­fen“be­ginnt. Klar, für die Leu­te in Chi­na ist der Af­fe, der im chi­ne­si­schen Tier­kreis auf das häu­fig et­was glück­lo­se Schaf folgt, ein ganz be­son­de­res We­sen: Der Volks­mund sagt, er brin­ge Be­we­gung in die Din­ge. Der in­tel­li­gen­te und er­fin­de­ri­sche Af­fe lö­se Pro­ble­me mit leich­ter Hand. Wirt­schaft­lich soll es wie­der auf­wärts ge­hen: Et­li­che Wahr­sa­ger pro­phe­zei­en ei­ne Be­le­bung der Fi­nanz- und Im­mo­bi­li­en­märk­te – dem Af­fen sei Dank. Ho­ro­sko­pe und Wahr­sa­ge­rei sind nicht je­der­manns Sa­che und zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen läuft so et­was bei mir auch eher un­ter der Ru­brik „ Af­fen­thea­ter“. Doch et­li­che mei­ner Be­kann­ten ha­ben sich of­fen­bar sehr in­ten­siv mit dem Jahr des Af­fen aus­ein­an­der­ge­setzt. Sie be­lehr­ten mich dar­über, dass Men­schen, die im Jahr des Af­fen ge­bo­ren sind, aus­ge­spro­chen lie­bens­wert sei­en und ak­tiv, au­ßer­dem spie­le­risch, hu­mor­voll und oft sehr er­folg­reich. Und das gilt dann für die Jahr­gän­ge 1944, 1956, 1968, 1980, 1992, 2004. So er­fuhr ich ganz ne­ben­bei, dass ich min­des­tens ei­nen Af­fen in der Fa­mi­lie ha­be. Aber das ist kein Grund, gleich in Ju­bel aus­zu­bre­chen – denn manch­mal sol­len Af­fen auch ziem­lich über­heb­lich, ego­is­tisch und ru­he­los sein. Na­tür­lich stütz­ten die Ex­per­ten un­ter mei­nen Be­kann­ten ih­re The­sen, in­dem sie je­de Men­ge Af­fen auf­zähl­ten, die es zu Welt­ruhm ge­bracht ha­ben: Leo­nar­do da Vin­ci bei­spiels­wei­se und Ju­li­us Cä­sar, aber auch der Star-Wars-Er­fin­der Ge­or­ge Lu­cas, die Schau­spie­ler Liz Tay­lor und Will Smith so­wie der Mu­si­ker Joe Co­cker. Ich aber denk’, mich laust der Af­fe – und hof­fe nur, es han­delt sich nicht um Rod Ste­ward. Der wur­de näm­lich auch als Af­fe ge­bo­ren.

Af­fen und an­de­re Men­schen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.