Im Auf­trag Ih­rer Ma­jes­tät

Win­ter­hal­ter-Aus­stel­lung in Frei­burg

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Mt/bo

Vom ein­fa­chen Schwarz­wäl­der Bau­ern­sohn aus dem Schwarz­wald zum ba­di­schen Hof­ma­ler und ge­frag­tes­ten Por­trai­tis­ten der High So­cie­ty: Die Kar­rie­re von Franz Xa­ver Win­ter­hal­ter (1805–1873) sucht ih­res­glei­chen. Sein ma­le­ri­sches Ta­lent, sei­ne ge­konn­te und schnel­le Pin­sel­füh­rung und sein Ge­spür für das rich­ti­ge Ar­ran­ge­ment wa­ren ein Er­folgs­ga­rant. Der welt­ge­wand­te Künst­ler griff ak­tu­el­le Mo­de­trends auf, schuf Sti­li­ko­nen und setz­te Maß­stä­be für gu­ten Ge­schmack. Ei­nen Ein­druck von sei­nem Kön­nen prä­sen­tiert der- zeit das Au­gus­ti­ner­mu­se­um in Frei­burg: Bis zum 20. März ist dort die in­ter­na­tio­na­le Werk­schau „Franz Xa­ver Win­ter­hal­ter. Ma­ler im Auf­trag Ih­rer Ma­jes­tät“zu se­hen. An­schlie­ßend wird die Aus­stel­lung im Mu­se­um of Fi­ne Arts in Hous­ton/Te­xas und im Pa­lais de Com­pièg­ne bei Pa­ris ge­zeigt. Der 1805 in Men­zen­schwand na­he St. Bla­si­en ge­bo­re­ne Win­ter­hal­ter wur­de in Frei­burg zum Li­tho­gra­fen und in Mün­chen zum Ma­ler aus­ge­bil­det. 1828 sie­del­te er nach Karls­ru­he über, wo er der spä­te­ren Groß­her­zo­gin So­phie Zei­chen­un­ter­richt er­teil­te. Nach ei­nem län­ge­ren Rom-Auf­ent­halt, der durch ein Sti­pen­di­um er­mög­licht wor­den

In Karls­ru­he zum Hof­ma­ler er­nannt

war, kehr­te Win­ter­hal­ter nach Karls­ru­he zu­rück, wo er zum ba­di­schen Hof­ma­ler er­nannt wur­de. Er zog je­doch schon bald nach Pa­ris um, wo sei­ne Ar­bei­ten den Bei­fall des „Bür­ger­kö­nigs“Lou­is Phlip­pe und spä­ter von Na­po­le­on III. fan­den. Für zahl­rei­che Aris­to­kra­ten und ge­krön­te Häup­ter au­ßer­halb Frank­reichs schwang er den Pin­sel. Win­ter­hal­ter fing per­sön­li­che Ei­gen­hei­ten ge­schickt ein und ent­warf trotz­dem an­mu­ti­ge Bil­der, die der ein­fluss­rei­chen Kund­schaft schmei­chel­ten. Sei­ne Por­traits schmück­ten Re­prä­sen­ta­ti­ons­räu­me und pri­va­te Ge­mä­cher von Lis­s­a­bon bis Mos­kau. Nach der Ab­dan­kung Na­po­le­ons III. kehr­te Win­ter­hal­ter als ver­mö­gen­der Man­nin die ba­di­sche Re­si­denz­stadt zu­rück; er er­lag al­ler­dings schon we­ni­ge Jah­re spä­ter in Frank­furt ei­ner Ty­phuser­kran­kung. Ob­wohl sein Ruhm nach sei­nem Tod ver­blass­te, prä­gen sei­ne Bil­der bis heu­te un­se­re Vor­stel­lung von pro­mi­nen­ten Per­sön­lich­kei­ten des 19. Jahr­hun­derts. Von Win­ter­hal­ter stammt et­wa das welt­be­rühm­te Ge­mäl­de der Kai­se­rin „Si­si“mit Ster­nen im Haar. Win­ter­hal­ter hielt zeit­le­bens die Ver­bin­dung in den Schwarz­wald auf­recht. Er un­ter­stütz­te sei­ne El­tern, acht Ge­schwis­ter und sein Hei­mat­dorf Men­zen­schwand. „Wir freu­en uns des­halb be­son­ders, dass wir sei­ne Wer­ke nun hier in der Re­gi­on erst­mals um­fas­send in Deutsch­land zei­gen kön­nen“, sagt der Frei­bur­ger Mu­se­ums­di­rek­tor Til­mann von Stock­hau­sen. Zu­letzt fei­er­ten 1987/88 gro- ße Aus­stel­lun­gen in Pa­ris und Lon­don das Aus­nah­me­ta­lent. Die Frei­bur­ger Schau ver­sam­melt be­deu­ten­de Leih­ga­ben, un­ter an­de­rem aus Lon­don, Pa­ris, Ver­sailles, Wi­en, War­schau und Ber­lin. Ins­ge­samt sind über 100 Ob­jek­te, über­wie­gend groß­for­ma­ti­ge Ge­mäl­de, aber auch et­li­che Gra­fi­ken und ei­ni­ge Ori­gi­nal-Ko­s­tü­me zu se­hen.

„Die Brief­le­se­rin“heißt das um 1860/65 ent­stan­de­ne Bild von Franz Xa­ver Win­ter­hal­ter, das in der Frei­bur­ger Aus­stel­lung zu se­hen ist. Fo­to: © Au­gus­ti­ner­mu­se­um, Städ­ti­sche Mu­se­en Frei­burg/Fo­to: Hans-Pe­ter Vie­ser

Die be­rühm­te Kai­se­rin Si­si. (Ko­pie nach Win­ter­hal­ter, 1867, Hof­burg Inns­bruck, © Burg­haupt­mann­schaft Ös­ter­reich). Fo­to: Bun­ge (Fir­ma Nau­bau­er)

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