Wahl­wei­se weib­lich?

Check­heft zur Chan­cen­gleich­heit bei der Land­tags­wahl

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Ba­den-Würt­tem­berg ist Schluss­licht – zu­min­dest was den An­teil von Frau­en im Land­tag an­geht: Der­zeit sind le­dig­lich 20,3 Pro­zent der Ab­ge­ord­ne­ten weib­lich, so we­nig, wie in kei­nem an­de­ren Lan­des­par­la­ment. Dass der Frau­en­an­teil durch die Land­tags­wahl am 13. März si­gni­fi­kant in die Hö­he schnellt, ist nicht zu er­war­ten: Fach­leu­te füh­ren den chro­nisch ma­ge­ren Frau­en­an­teil auf das Land­tags­wahl­recht in Ba­denWürt­tem­berg zu­rück: Die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler ha­ben nur ei­ne Stim­me, sie kön­nen nur ei­ne Per­son, nicht aber – wie in den an­de­ren Bun­des­län­dern – auch ei­ne Lis­te wäh­len. Und un­ter den Kan­di­da­ten, die in den ein­zel­nen Wahl­krei­sen auf Par­tei­ver­samm­lun­gen no­mi­niert wur­den, sind Frau­en auch dies­mal deut­lich in der Min­der­heit. In 14 von ins­ge­samt 70 Wahl­krei­sen in Ba­den-Würt­tem­berg ste­hen so­gar aus­schließ­lich Män­ner zur Wahl, mo­niert der Lan­des­frau­en­rat. Ob­wohl dem­nach auch der künf­ti­ge Stutt­gar­ter Land­tag ab­seh­bar stark män­ner­do­mi­niert sein wird, hat der Lan­des­frau­en­rat Ba­denWürt­tem­berg, der seit Jah­ren auf ei­ne Än­de­rung des Wahl­rechts pocht, zu­sam­men mit der Lan­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung (LpB) ein „Check­heft Chan­cen­gleich­heit“zur Land­tags­wahl vor­ge­legt. Po­li­tisch In­ter­es­sier­ten soll es da­mit er­mög­licht wer­den, die Kan­di­da­ten in ih­rem Wahl­kreis – männ­li­che wie weib­li­che – auf ih­re Po­si­tio­nen zu Gleich­stel­lungs­fra­gen hin zu „prü­fen“. In der Bro­schü­re fin­den sich ne­ben „In­for­ma­tio­nen zur Lan­des­po­li­tik aus Frau­en­sicht“auch Vor­schlä­ge für Fra­gen, mit de­nen man den Kan­di­da­ten und ih­ren Par­tei­en bei Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen auf den Zahn füh­len kann. Das Check­heft hat ein hand­ta­schen­taug­li­ches For­mat, so dass man es mit­neh­men kann und bei Be­darf je­der­zeit griff­be­reit hat – sei es bei ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on oder am In­fo-Stand ei­ner Par­tei auf dem Wo­chen­markt. Es ent­hält zu­dem Platz für ei­ge­ne Be­mer­kun­gen und Notizen. Die Bro­schü­re rich­tet das Au­gen­merk auf die Fra­gen: Was muss ge­tan wer­den, da­mit künf­tig mehr Frau­en in den Par­la­men­ten mit­ge­stal­ten kön­nen? Wie steht’s um die Chan­cen­gleich­heit vor Ort, im Land Ba­den-Würt­tem­berg und am Ar­beits­markt? Wie kön­nen Er- werbs­tä­tig­keit und Fa­mi­lie bes­ser ver­ein­bart wer­den? Und: Wie kann man die Si­tua­ti­on von Flücht­lings­frau­en ver­bes­sern? Sehr hilf­reich für al­le, die im Po­li­ti­ker(in­nen)jar­gon (noch) nicht ganz sat­tel­fest sind, ist zu­dem das Glos­sar, das häu­fig ver­wen­de­te Fach­be­grif­fe er­läu­tert.

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