„Wir sind kei­ne He­xen“

Die Nar­ren­zunft Bet­tel­wie­ber gibt es seit 22 Jah­ren

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - In­ter­view: Tan­ja Ka­sisch­ke

Oh­ne die Zahl 11 gä­be es die Nar­ren­zunft Bet­tel­wie­ber aus Burg­berg im Schwarz­wald nicht: Elf Grün­dungs­mit­glie­der hat der seit 22 Jah­ren be­ste­hen­de Ver­ein. 22 Jah­re alt war da­mals auch Zunft­meis­ter Kay Zwick, der kein Pro­blem hat, Fast­nacht im Rock zu ver­brin­gen, wie er dem SONN­TAG ver­riet.

Elf Freun­de gibt es im Fuß­ball – wie sind Sie auf die Idee ge­kom­men, mit Ih­rer „Mann­schaft“ei­ne Nar­ren­zunft zu grün­den?

Kay Zwick: Wir kann­ten uns al­le gut, wohn­ten aber in ver­schie­de­nen Or­ten und wa­ren in an­de­ren Ver­ei­nen ak­tiv. Bis wir merk­ten, dass wir am liebs­ten zu­sam­men Fast­nacht ma­chen wür­den. Aus der Idee wur­de der Ver­ein.

Fast­nacht im Frau­en­häs, stand das bei der Grün­dung schon fest, dass es ei­ne weib­li­che Fi­gur ge­ben wür­de?

Kay Zwick: Ja, das er­gab sich aus der Wei­ber­zahn­sa­ge von Burg­berg. So heißt die Rui­ne ei­ner Burg, die es frü­her hier gab. Der Sa­ge nach klopf­te ei­nes Nachts ein ar­mes Wei­b­lein beim Burg­her­ren an und bat um ei­nen Schlaf­platz. Er lehn­te ab und schick­te sie weg. Ehe die Al­te wie­der im Wald ver­schwand, dreh­te sie sich noch ein­mal zur Burg um und ver­fluch­te sie, „auf dass nicht mehr da­von üb­rig blei­ben soll als ein Hau­fen St­ei­ne von der Grö­ße mei­nes Zahns“. So kam es. Des­halb hat die Mas­ke un­se­rer Bet­tel­wie­ber ei­nen auf­fäl­li­gen Zahn im Mund.

Ist das Bet­tel­wieb ei­ne He­xe?

Kay Zwick: Nein, das war uns wich­tig, He­xen­zünf­te gibt es im Schwarz­wald schon vie­le. Wir sind Wei­ber. Wir ha­ben kei­ne Be­sen und tra­gen kei­ne ge­rüsch­ten lan­gen Un­ter­ho­sen un­term Rock.

Was dann?

Kay Zwick: Schwar­ze ge­strick­te Stul­pen, die bis über die Schu­he rei­chen. Das hat den Vor­teil, dass die Schu­he ver­deckt sind und man nicht so­fort sieht, ob es Her­ren­stie­fel sind oder Da­men­stie­fel. Bei der Grö­ße lässt sich lei­der schlech­ter schum­meln, sie ver­rät meist, ob ein Mann oder ei­ne Frau im Häs steckt. Ich ha­be Schuh­grö­ße 46, ich kann mei­ne Stim­me gut ver­stel­len und wie ei­ne al­te Frau klin­gen, aber Um­zugs­be­su­chern glaub­haft zu ma­chen, dass es Frau­en mit Schuh­grö­ße 46 gibt, ist dann doch schwie­rig.

Ei­nen Rock zu tra­gen, ist das auch schwie­rig?

Kay Zwick: Ich fin­de es un­pro­ble­ma­tisch, ab­ge­se­hen da­von, dass ich manch­mal auf den Saum tre­te. In ei­ni­gen Zünf­ten und Ver­ei­nen lau­fen Zunft­meis­ter und El­fer­rat nicht im Häs mit, son- dern tra­gen schi­cke Män­tel mit vie­len Or­den. Bei uns nicht. Wir sind al­le im Häs. Wenn der Vor­stand be­schlos­sen hät­te, das zu än­dern, wä­re ich so­fort aus der Zunft aus­ge­tre­ten.

War­um ha­ben Sie vor ei­nem Jahr dann Ihr Amt als Zunft­meis­ter ab­ge­ge­ben?

Kay Zwick: Weil mir auf­fiel, dass ich mein hal­bes Le­ben lang Zunft­meis­ter bin. Und ich fand: Jetzt sind mal an­de­re dran! Ich bin aber wei­ter­hin Mit­glied.

Das „Bet­tel­wieb“ist die Nar­ren­fi­gur der „Burg­berger Bet­tel­wie­ber“. Fo­tos: pri­vat Auch Kay Zwick ist wäh­rend der när­ri­schen Ta­ge als „Bet­tel­wieb“un­ter­wegs.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.