Dar­um ist die Zahl 11 so wich­tig

Nar­ren le­ben nach ih­ren ei­ge­nen Ge­set­zen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Fast­nachts­fans ha­ben ei­ne er­klär­te Lieb­lings­zahl, die Elf. Sie steht für Nar­ren­frei­heit und Gleich­be­rech­ti­gung al­ler Men­schen. Je­der, der ein Häs trägt, kann sich dar­auf be­ru­fen. Das hat mit der bi­bli­schen Be­deu­tung der Zahl zu tun: 10 + 1 er­gibt 11. Wer sich nicht an die zehn Ge­bo­te hielt, in der Bi­bel sind sie die ge­setz­li­che Grund­la­ge mensch­li­chen Zu­sam­men­le­bens, brach Re­geln und galt als Narr, schlimms­ten­falls so­gar als Teu­fel. Die­ses Recht, ei­ni­ge Ta­ge lang nach ih­ren ei­ge­nen Ge­set­zen le­ben zu dür­fen, be­an­spru­chen Kar­ne­vals­ver­ei­ne und Nar­ren­zünf­te wäh­rend der Fast­nacht. Da­für schaf­fen sie Tat­sa­chen: Am Sch­mot­zi­gen Don­ners­tag – oder: Wei­ber-

Vie­le Um­zü­ge be­gin­nen um 13.11 oder 14.11 Uhr

fast­nacht, wie der Tag im Rhein­land heißt – um 11.11 Uhr stür­men Nar­ren in die Rat­häu­ser und über­neh­men die Macht. Das war auch vor drei Ta­gen wie­der so. Bis Ascher­mitt­woch wur­de der Bür­ger­meis­ter ab­ge­setzt. Sym­bo­lisch reich­te er den Ver­tre­tern der Zünf­te sei­nen Stadt­schlüs­sel, den die Ver­ei­ne beim Um­zug stolz vor­zei­gen. Viel­fach prä­sen­tiert ihn der El­fer­rat, noch ein Hin­weis, wie wich­tig die Zahl 11 ist. Vie­le Um­zü­ge be­gin­nen elf Mi­nu­ten nach der vol­len St­un­de. An Fast­nacht er­in­nern die Nar­ren dar­an, dass das Volk nicht schlech­ter ge­stellt sein darf als das Stadt­ober­haupt. Auch dar­auf geht die Zahl 11 ein, in­dem sie zwei Ein­sen gleich­be­rech­tigt ne­ben­ein­an­der­stellt. Im rhei­ni­schen Kar­ne­val be­ginnt die Fast­nacht am 11. No­vem­ber, dem Mar­tins­tag. Bis vor 200 Jah­ren war das un­ge­fähr die Zeit, in der die Bau­ern ih­re Fel­der win­ter­fest ge­macht hat­ten und das Jahr ab­schlos­sen. Da­zu ge­hör­te, dass sie ih­re an­ge­stell­ten Knech­te und Mäg­de be­zahl­ten, die das Da­tum zum An­lass nah­men, ein Fest zu fei­ern. Ver­mut­lich füg­te sich die­ser Brauch naht­los ein in die Be­liebt­heit des 11. No­vem­bers. In Köln tritt am 11. 11. das Drei­ge­stirn vor das Volk, so hei­ßen die drei wich­tigs­ten Kar­ne­vals-Fi­gu­ren: Prinz, Bau­er und Jungfrau. Der Prinz steht für die Herr­schaft der Nar­ren, die Jungfrau sym­bo­li­siert die Be­schüt­ze­rin der Stadt, Co­lo­nia, der Bau­er ver­kör­pert die Wehr­haf­tig­keit Kölns. In den Ko­s­tü­men, die „Or­na­te“(Amt­s­trach­ten) ge­nannt wer­den, ste­cken drei Män­ner, die sich in ei­nem der vie­len Köl­ner Fast­nachts­ver­ei­ne en­ga­gie­ren. Auch die Jungfrau spielt ein Mann, der sich da­für gut ra­sie­ren muss. An­ders läuft es beim Kin­derDrei­ge­stirn, das den Nar­ren­nach­wuchs re­giert: Des­sen Jungfrau darf ein Mäd­chen sein! Num­mer eins der Köl­ner Nar­ren ist al­ler­dings Prinz Pol­di, der Fuß­bal­ler Lu­kas Po­dol­ski, der aus Köln stammt und selbst be­ken­nen­der Fa­schings­fan ist. Mit ei­ner Elf, sei­ner Mann­schaft, hat er im Sta­di­on zu tun. Kölns Nar­ren­ruf „Köl­le Alaaf!“geht üb­ri­gens auf ei­nen 400 Jah­re al­ten Trink­spruch zu­rück: Da­mals pros­te­te man sich zu und sag­te „Cöl­len al aff!“, was so viel heißt wie „Köln vor al­lem an­de­ren“. Das „Nar­ri Nar­ro“in der schwä­bisch-ale­man­ni­schen Fast­nacht dien­te in­des der ein­fa­chen Kenn­zeich­nung von Nar­ren. Nar­ro ist ein alt­hoch­deut­sches Wort für je­man­den, der sich när­risch ver­hält, Strei­che spielt und es mit Re­geln nicht so ge­nau nimmt.

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