„Emo­tio­nal sehr na­he dran“

Heu­ber­ger trai­nier­te vie­le EM-Hel­den

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Die Hel­den von Kra­kau sind im Dau­er­stress. Nach dem Tri­umph im Fi­na­le der Hand­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ge­gen Spa­ni­en jagt ein Ter­min den nächs­ten. Am Frei­tag­abend stand das All-Star-Ga­me in Nürn­berg auf dem prall ge­füll­ten Ter­min­ka­len­der von Andre­as Wolff und Co, ges­tern ging es für die frisch­ge­ba­cke­nen Eu­ro­pa­meis- ter zum Ball des Sports in Wies­ba­den. Ge­gen die Aus­wahl der bes­ten Bun­des­li­ga-Le­gio­nä­re gab es vor­ges­tern ein 36:36-Un­ent­schie­den in der aus­ver­kauf­ten Nürn­ber­ger Are­na. Kei­ne Fra­ge, die neue deut­sche Hand­bal­lerGe­ne­ra­ti­on hat mit ih­rem Tri­umph in Po­len ei­ne re­gel­rech­te Eu­pho­rie aus­ge­löst. In­ner- halb we­ni­ger Ta­ge sind Spie­ler zu Sym­pa­thie­trä­gern ge­wor­den, die vor­her kaum im Ram­pen­licht stan­den. Und ge­führt wer­den sie von ei­nem Mann, den man mit gu­tem Ge­wis­sen als Va­ter des Er­fol­ges be­zeich­nen kann: Da­gur Si­gurds­son. Der Is­län­der, ehe­ma­li­ger Bun­des­li­ga­trai­ner bei den Füch­sen Ber­lin, hat ein Team ge­formt, das trotz ge­wal­ti­ger Ver­let­zungs­sor­gen vie­le Ex­per­ten über­rasch­te. Nicht ganz so über­ra­schend wa­ren die gu­ten Auf­trit­te für ei­nen, der jah­re­lang ganz na­he dran war an Fäth, Häf­ner, Reich­mann und Co: Mar­tin Heu­ber­ger. Vor­gän­ger von Si­gurds­son als Bun­des­trai­ner und As­sis­tent von Hei­ner Brand beim WM-Tri­umph 2007. Der Mann aus Schut­ter­wald kennt ei­nen Groß­teil der neu­en Eu­ro­pa­meis­ter aus dem Ju­nio­ren­be­reich, an­de­re be­ka­men bei ihm ih­re ers­ten Chan­cen im A-Na­tio­nal­team. Als ver­ant­wort­li­cher Chef­coach hol­te Heu­ber­ger un­ter an­de­rem 2009 und 2011 den WM-Ti­tel bei den Ju­nio­ren. Beim ers­ten Mal ge­hör­ten Spie­ler wie Stef­fen Fäth, Kai Häf­ner oder der bei der EM ver­letz­te Patrick Gro­etz­ki zum Ka­der, zwei Jah­re spä­ter ka­men Christian Dis­sin­ger, Hen­drik Pe­keler und Jo­han­nes Sel­lin zum Ein­satz. Und als Heu­ber­ger 2006 für den Ge­winn der Ju­nio­ren-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, misch­ten be­reits Ak­teu­re wie Mar­tin Stro­bel, Stef­fen Wein­hold oder der ver­letz­te Na­tio­nal­team-Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer mit. Ins­ge­samt acht ak­tu­el­le Eu­ro­pa­meis­ter be­treu­te der Schut­ter­wäl­der bei den Ju­nio­ren, an­de­re ka­men spä­ter im A-Team zu in­ter­na­tio­na­len Ein­sät­zen. „Der An­dy Wolff bei­spiels­wei­se fei­er­te bei mir sein De­büt im Na­tio­nal­tri­kot“, sagt Mar­tin Heu­ber­ger, der sich aber en­er­gisch da­ge­gen wehrt, wenn man ihm des­we­gen ei­nen An­teil

Ex-Bun­des­trai­ner lobt in­ten­si­ve Ta­l­ent­schu­lung

am Er­folg zu­schrei­ben will. „Ganz klar: Mich freut es für die Jungs. Und ganz si­cher bin ich emo­tio­nal sehr na­he dran am Team, weil ich ja fast je­den per­sön­lich ken­ne und trai­niert ha­be. Aber mit dem EM-Ti­tel ha­be ich de­fi­ni­tiv nichts zu tun.“Be­schei­den­heit, die ty­pisch für Heu­ber­ger ist, der nach dem En­de sei­ner Bun­des­trai­nerLauf­bahn wie­der ins „nor­ma­le“Le­ben zu­rück­ge­kehrt ist. Er ist wie­der bei sei­nem Ar­beit­ge­ber, dem Land­rats­amt Of­fen­burg. Dort ar­bei­tet er jetzt im Per­so­nal­we­sen. Ent­spre­chend viel Ab­stand zum ak­tu­el­len Hand­ball­ge­sche­hen hat er mo­men­tan. Was er nicht be­reut. „Im Mo­ment füh­le ich mich wohl. Aber man soll­te nie­mals nie sa­gen, wenn es um ei­nen in­ter­es­san­ten Job im Hand­ball geht.“Den hat er selbst lan­ge ge­habt und mit Spie­lern zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, die gera­de et­was Be­son­de­res ge­leis­tet ha­ben. Auch we­gen Si­gurds­son. „Da­gur hat sehr viel Mut be­wie­sen, auf die Jun­gen zu ver­trau­en“, lobt Heu­ber­ger, der selbst ein­mal als As­sis­tent des neu­en Bun­des­trai­ners ge­han­delt wur­de. Na­tür­lich pro­fi­tie­re Si­gurds­son aber auch da­von, dass Häf­ner und Co in der Bun­des­li­ga jetzt die Ein­satz­zei­ten be­kom­men, die den Ta­len­ten in der Ära Heu­ber­ger fehl­ten. „Das Aus­bil­dungs­le­vel ist heu­te ex­trem hoch. Der Eli­te­ka­der sorgt für ei­nen leis­tungs­ori­en­tier­te Schu­lung der Ta­len­te. Auch die Zer­ti­fi­zie­rung der Ju­gend­zen­tren in der Bun­des­li­ga war ein Rie­sen­schritt“, sagt der Ex-Bun­des­coach, der fest­ge­stellt hat: „Die Jun­gen schaf­fen es viel schnel­ler in die Bun­des­li­ga, als dies vor sie­ben oder acht Jah­ren der Fall war.“Das Ge­heim­nis des EM-Tri­um­phes aus sei­ner Sicht: „Es stand ein ech­tes Team auf dem Feld. Da­zu her­aus­ra­gen­de Ein­zel­spie­ler wie Dis­sin­ger, Fäth, Häf­ner oder Wein­hold, die ich als Bun­des­trai­ner nicht hat­te. Nicht zu ver­ges­sen Tor­wart Andre­as Wolff. Das war der ab­so­lu­te Ham­mer, was er ge­leis­tet hat. Wir hat­ten ei­ne Bom­ben­ab­wehr mit ei­ner un­glaub­li­chen phy­si­schen Prä­senz, die auch dank Wolff in der 6:0-For­ma­ti­on bei der EM nur schwer zu be­zwin­gen war.“

Nicht nur Eu­ro­pa­meis­ter: Rhein-Neckar Löwe Hen­drik Pe­keler (wei­ßes Tri­kot, hier ge­gen den Spa­nier Jo­an Ca­nellas) wur­de mit Ex-Bun­des­trai­ner Mar­tin Heu­ber­ger 2011 schon Ju­nio­ren-Welt­meis­ter. Fo­to: AFP

Na­tio­nal­team-De­büt bei Mar­tin Heu­ber­ger: Tor­wart An­dy Wolff, der bei der EM über­rag­te. Fo­to: AFP

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