Auf gu­tem Weg

Für Ka­nu­tin Verena Hantl be­ginnt Olym­pia-Count­down

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Man­fred Spitz

Was hat die deut­sche Hand­ball-Na­tio­nal­mann­schaft nach ih­rem sen­sa­tio­nel­len EM-Ti­tel, was Ka­nu­tin Verena Hantl von den Rhein­brü­dern Karls­ru­he (noch) nicht hat: das Olym­pia-Ti­cket für die Spie­le im Som­mer in Bra­si­li­en in der Ta­sche. „Dass die Hand­bal­ler be­reits fest für Rio qua­li­fi­ziert sind – klas­se“, sagt Hantl. „Da ha­be ich ge­dacht, das wä­re schön, auch jetzt schon zu wis­sen, ob ich da­bei sein wer­de“, ver­rät die 26-Jäh­ri­ge. Mit dem Ge­winn der Bron­ze­me­dail­le im Vie­rer­ka­jak über 500 Me­ter bei der Welt­meis­ter­schaft 2015 in Mai­land ha­ben Verena Hantl, Fran­zis­ka We­ber, Con­ny Was­muth (bei­de Pots­dam) und Ti­na Diet­ze (Leip­zig) zwar ei­nen Quo­ten­platz für den Deut­schen Ka­nu-Verband (DKV) ge­holt. Den­noch muss das Quar­tett wie al­le DKV-Olym­pia­A­spi­ran­ten, dar­un­ter mit Sa­bi­ne Volz ei­ne wei­te­re „Rhein­schwes­ter“, wie üb­lich erst durch die na­tio­na­le Qua­li­fi­ka­ti­ons­müh­le, bis der end­gül­ti­ge Ka­der fest­steht.

DKV-Spit­zen­ath­le­ten sind gera­de in Flo­ri­da

Ei­nen Rio-Bo­nus ge­be es für Verena Hantl nicht, ver­deut­licht ihr Heim­trai­ner am Rhein­ha­fen, Det­lef Hof­mann. „Höchs­tens da­hin ge­hend, dass jetzt in der Vor­be­rei­tung al­les für sie or­ga­ni­siert und fi­nan­ziert wird und dass sie zu­sam­men mit dem Team trai­nie­ren kann.“An­sons­ten wer­de sie wie je­des Jahr bei der na­tio­na­len Rang­lis­te un­ter die ers­ten fünf oder sechs pad­deln müs­sen – letzt­lich nur­mehr ei­ne For­ma­lie? „Verena muss so fah­ren, wie sie letz­tes Jahr auf der Qua­li ge­fah­ren ist. Dann gibt es kei­ne Pro­ble­me“, sagt Det­lef Hof­mann, zu­gleich Chef­bun­des­trai­ner Nach­wuchs beim DKV. „Wich­tig ist, im Ei­ner die Leis­tung zu sta­bi­li­sie­ren. Wir sind auf ei­nem gu­ten Weg. Da gibt es kei­ne Ta­bus.“Au­ßer WM-Bron­ze hat Verena Hantl 2015 mit dem Da­men-Flagg­schiff bei den Eu­ro­pa­spie­len in Aser­bai­dschan noch Sil­ber ge­won­nen – und da­bei vie­le Ein­drü­cke aus dem Ath­le­ten­dorf mit­ge­nom­men. „Das war et­was Be­son­de­res“, sagt die Karls­ru­he­rin. „Ba­ku war Ansporn, al­les dar­an zu set­zen, um die­ses Ge­fühl in Rio noch­mals er­le­ben zu dür­fen.“Den Win­ter hat die Sport­sol­da­tin der Bun­des­wehr-Sport­för­der­grup­pe Bruch­sal und Stu­den­tin (In­ter­na­tio­na­les Ma­nage­ment an der Hoch­schu­le Ans­bach) oh­ne grö­ße­re Bles­su­ren über­stan­den. „Ich bin ganz gut durch­ge­kom­men, be­tont Verena Hantl. Mal er­käl­tet sei sie ge­we­sen, „aber nichts schlim­mes“. Und zwi­schen­durch gab’s mal Schul­ter­pro­ble­me. „Aber das ha­be ich wie­der im Griff“, sag­te Hantl dem SONN­TAG, be­vor sie ver­gan­ge­ne Wo­che über den At­lan­tik nach Flo­ri­da flog. In der 76 000-Ein­woh­ner-Stadt Mel­bourne, ei­ne St­un­de süd­lich von Or­lan­do, hat der DKV sei­ne Kern­mann­schaft vor Olym­pia (Hof­mann: Al­le, die Rich­tung Me­dail­len­kan­di­da­ten ge­hen) bis zum 26. Fe­bru­ar ver­sam­melt. „Der Verband ver­sucht früh, die Spit­zen­leu­te zu­sam­men trai­nie­ren zu las­sen“, macht Det­lef Hof­mann deut­lich. „Jetzt in Ame­ri­ka steht die spe­zi­fi­sche Ar­beit, die Grund­la­gen­aus­bil­dung, im Vor­der­grund“, macht er deut­lich. Im März geht’s zu ei­nem wei­te­ren zwei­wö­chi­gen Trai­nings­la­ger nach Se­vil­la/Spa­ni­en. Im April sind dann die bei­den na­tio­na­len Rang­lis­ten-Kon­kur­ren­zen, im Mai die Welt­cups in Duisburg und Ra­ci­ce/Tsche­chi­en. Zu­hau­se in Karls­ru­he wird Verena Hantl, die es vor ein­ein­halb Jah­ren der Lie­be we­gen nach Mag­de­burg zu Ka­nu-Kol­le­ge Erik Leue (30) zog, bis zum Som­mer nur noch sel­ten sein. Beim SC Mag­de­burg wer­den bei­de von Eck­hard Leue, dem Va­ter ih­res Freun­des, trai­niert. Auch Erik Leue (ver­gan­ge­nes Jahr WM-Fünf­ter und EM-Sechs­ter im Ca­na­di­er-Vie­rer über 1 000 Me­ter) kämpft um ei­nen Platz im Olym­pia-Boot. „Der Frau­en-Ka­jak und der Män­ner-Ca­na­di­er sind et­wa gleich schnell, des­halb kön­nen wir gut zu­sam­men trai­nie­ren“, er­klärt Verena Hantl. „Au­ßer­dem“, fügt sie hin­zu, „hat der Er­folg 2015 ge­zeigt, das mein Schritt, nach Mag­de­burg zu ge­gen, rich­tig war.“Det­lef Hof­mann schließt sich die­ser Ein­schät­zung an. Es sei „ei­ne gu­te Ge­schich­te ge­we­sen für Verena, das zu tun“, sagt er. „Sie ist schon so lan­ge da­bei, da hilft auch so was mal. Wenn sie dann auch noch zu­frie­den ist ...“, meint er schmun­zelnd. „Verena hat auch im­mer ge­sagt, dass sie wei­ter für die Rhein­brü­der star­ten wird.“Und vom 15. bis 20. Au­gust für Deutsch­land bei Olym­pia? „Die Rio-Plät­ze kön­nen bis En­de Mai fest­ste­hen. Nach dem zwei­ten Welt­cup in Ra­ci­ce soll­te das klar sein “, er­klärt Det­lef Hof­mann. Dann weiß auch Ka­nu­tin Verena Hantl ob sie, ge­nau wie die deut­schen Hand­bal­ler, da­bei sein wird.

Der Boots­na­me ist Pro­gramm: Nach Rio will Verena Hantl (26) von den Rhein­brü­dern Karls­ru­he. Zur­zeit ist sie mit den Olym­pia-Aspi­ran­ten des Deut­schen Ka­nu-Ver­ban­des im Trai­nings­la­ger in den USA. Fo­to: GES/Prang

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