Aus dem Häu­schen: Kunst­wer­ke zum The­ma Haus­frau

Per­fek­te Haus­frau­en und der täg­li­che Wahn­sinn: Künst­le­rin­nen räu­men auf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Clau­dia Dre­scher

Haus­frau gilt bei­na­he schon als Schimpf­wort. Dar­an hat der Gla­mour-Fak­tor der „De­spe­ra­te Hou­se­wi­ves“nichts ge­än­dert. In ei­ner gleich­na­mi­gen Aus­stel­lung mit dem Zu­satz „Künst­le­rin­nen räu­men auf“zei­gen die Kunst­samm­lun­gen Zwickau bis 8. Mai ge­treu der USFern­seh­se­rie die Ab­grün­de rund um Heim und Herd. 26 Künst­le­rin­nen, die zwi­schen 1936 und 1986 ge­bo­ren wur­den, dis­ku­tie­ren mit den Mit­teln der Kunst über das Haus als ur­ei­ge­nes weib­li­ches Ter­rain. Bei der Ar­gen­ti­nie­rin Ma­ria Ez­cur­ra trägt die per­fek­te Haus­frau bei al­ler Sor­ge für Haus und Mann „Funk­ti­ons­klei­dung“. Die Schür­ze fun­giert als Tisch­de­cke, auf der dem Gat­ten das Es­sen ser­viert wird, und die Blu­se dient zeit­gleich als Gar­di­ne. In der bit­ter­bö­sen Fo­to­se­rie ist die Haus­frau stets auf­op­fe­rungs­vol­le Die­ne­rin, die voll­stän­dig hin­ter ih­ren Auf­ga­ben zu­rück­tritt – und nach ge­ta­ner Ar­beit un­ter dem So­fa­über­wurf ver­schwin­det. „Frau­en tra­gen nach wie vor die Sor­ge da­für, dass ein Haus­halt funk­tio­niert“, sa­gen die Ku­ra­to­rin­nen Ina Ewers-Schultz und Martina Pad­berg. Zwar ge­he die Mehr­heit der Frau­en heu­te ar­bei­ten, aber an den Zu­stän­dig­kei­ten in­ner­halb der Fa­mi­lie ha­be sich seit den An­fän­gen des Fe­mi­nis­mus we­nig ge­än­dert. Die Aus­stel­lung geht da­her in In­stal­la­tio­nen, Fo­tos, Vi­de­os, Ob­jek­ten, Zeich­nun­gen oder Ge­mäl­den der Fra­ge nach, ob die ei­ge­nen vier Wän­de Ge­fäng­nis oder Frei­raum sind. An­ders als noch in den 1970er oder 80er Jah­ren sei fe­mi­nis­ti­sche Kunst heu­te deut­lich hu­mor­vol­ler. „Man darf und kann la­chen über die­ses Sich-selbst-hoch­neh­men“, be­tont Mu­se­ums­lei­te­rin Pe­tra Lew­ey. Et­wa über die schril­le Haus­frau­en­mo­de der Münch­ne­rin Jut­ta Burk­hardt. Staub­tü­cher, Topf­krat­zer, Bürs­ten und Schwäm­me wer­den als Hau­te Cou­ture auf den Leib ge­schnei­dert. Als ob sich so ge­stylt die Si­sy­phus­ar­beit im Di­ens­te der Rein­lich­keit bes­ser er­tra­gen lie­ße. Auch gro­ße Na­men der fe­mi­nis­ti­schen Kunst wie Ro­se­ma­rie Tro­ckel oder In­ge Mahn ma­chen den täg­li­chen Wahn­sinn des Im­mer­glei­chen sicht­bar. Ali­ce Mu­si­ol wid­met sich hin­ge­gen der Spie­ßig­keit hin­ter der Ide­al­vor­stel­lung der per­fek­ten Haus­frau. Die Köl­ne­rin hat ei­ne ei­ne Ar­ma­da aus To­ast­brot­häus­chen ge­bas­telt. Das Heim als ver­meint­lich si­che­rer Rück­zugs­ort hat hier pap­pi­ge Weiß­brot­wän­de, die nur von Steck­na­deln ge­hal­ten wer­den. Die Aus­stel­lung ge­be be­wusst aus­schließ­lich Künst­le­rin­nen ei­nen Raum für ih­re Ar­bei­ten. „Denn auch im Aus­stel­lungs­be­trieb sind Frau­en nach wie vor stark un­ter­re­prä­sen­tiert“, sagt Ku­ra­to­rin Ina EwersSchultz.

Ei­ne Haus­frau­en-Kol­lek­ti­on kommt in der Aus­stel­lung „De­spe­ra­te Hou­se­wi­ves“zu Eh­ren. Aus Staub­tü­chern, Topf­krat­zern und Schwäm­men hat die Künst­le­rin Jut­ta Burk­hardt Kleid­sa­mes kre­iert. Fo­to: avs

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