Blick nach Nor­den: Mo­de aus Skan­di­na­vi­en

Was den skan­di­na­vi­schen Chic aus­macht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Mag

Der nor­di­sche Chic er­freut sich zu­neh­men­der Be­liebt­heit. Vor al­lem im Mö­bel­de­sign ha­ben die skan­di­na­vi­schen Län­der seit Jah­ren die Trend-Na­se vorn. Jetzt rich­tet auch die Mo­de-In­dus­trie ih­ren Blick ver­mehrt gen Nor­den. Ins­be­son­de­re von Ko­pen­ha­gen und Stock­holm ge­hen wich­ti­ge mo­di­sche Im­pul­se aus. „Grund­sätz­lich kann man sa­gen, dass es ein clea­ner, re­du­zier­ter Look ist“, sagt Sil­ke Emig von der Fach­zeit­schrift „Tex­til­wirt­schaft“. Das tref­fe ins­be­son­de­re auf die schwe­di­schen Mo­de­de­si­gner zu, bei den dä­ni­schen be­ob­ach­tet die Ex­per­tin zu­sätz­lich ei­ne deut­li­che Eth­no-Nuan­ce. Die Skan­di­na­vi­er be­zie­hen sich in ih­ren De­signs ger­ne auf Klei­der­vor­bil­der, auf die Klas­si­ker der Mo­de, er­läu­tert der De­si­gner Ro­bert Her­zog von der Staat­li­chen Mo­de­schu­le Stutt­gart. Als Bei­spie­le nennt er den Trench­coat, die Bom­ber- und die Per­fec­to-Ja­cke. Der Witz da­bei: Die nor­di­schen De­si­gner zi­tie­ren nicht ein­fach – sie set­zen die Pro­por­tio­nen ein we­nig an­ders, als es der Klas­si­ker vor­gibt. Die Bom­ber­ja­cke et­wa ist schma­ler. Es han­de­le sich um ei­ne Art Span­nungs­spiel zwi­schen sti­lis­ti­schem Aus­gangs­punkt und ei­ner Neu­in­ter­pre­ta­ti­on, ein „Spiel mit Arche­ty­pen“, sagt Her­zog. Die Skan­di­na­vi­er schaf­fen es of­fen­bar mit Leich­tig­keit, mit sol­chen Wi­der­sprü­chen über­zeu­gend um­zu­ge­hen. Die Sty­lis­tin Dag­mar Do­brofs­ky aus Ber­lin sagt: „Den skan­di­na­vi­schen Stil macht das aus, was al­les Skan­di­na­vi­sche aus­macht: Un­auf­ge­regt­heit.“Funk­tio­nal muss die Klei­dung sein. Sie braucht nicht viel Schnick­schnack, be­schreibt es auch Emig. Die Schnit­te sind ge­rad­li­nig. „Was ich schön fin­de an skan­di­na­vi­schen Sa­chen, ist, dass sie auf Lang­le­big­keit aus­ge­legt sind“, er­gänzt Ro­bert Her­zog. Die Ent­wür­fe sind nicht nur in ei­ner Sai­son mo­disch, son­dern sie sind auf meh­re­re Sai­sons aus­ge­legt. Es geht um Stil­treue. Das wird auch durch die be­vor­zug­ten Far­ben er­reicht. Schwarz, Grau, stau­bi­ge Ro­sé­tö­ne do­mi­nie­ren, da­zu kom­men Me­lan­geEf­fek­te. Dag­mar Do­brofs­ky zählt au­ßer­dem

Im­pul­se aus Stock­holm und Ko­pen­ha­gen Der Stil über­zeugt durch Un­auf­ge­regt­heit

dunk­le Rot­tö­ne wie Bur­gun­der und Au­ber­gi­ne so­wie Braun­tö­ne auf. Far­be wird nicht für das kom­plet­te Out­fit ver­wen­det, eher als Ak­zent, fasst Her­zog zu­sam­men. Mut zum Wi­der­spruch zeich­net auch Frau­en aus, die auf den skan­di­na­vi­schen Chic setz­ten. Da wer­den et­wa lan­ge, schwe­re Le­der­rö­cke mit fei­nen Blu­sen kom­bi­niert oder ein di­cker Strick­pull­over mit ei­nem dün­nen Plis­seerock. „Um­set­zen lässt sich der Stil am ein­fachs­ten, wenn man auf Per­fek­ti­on ver­zich­tet“, meint Do­brofs­ky. So ge­hen zum Aben­dout­fit auch mal fla­che Schu­he. Tags­über dann Boots oder Pumps - und letz­te­re ger­ne auch mal mit So­cken. Aber kei­ne Rin­gel­söck­chen, son­dern Her­ren­so­cken.

Fo­to/Mo­dell: Samsoe & Som­soe

Fo­to/Mo­dell: Bruuns Ba­zaar

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