Lothar Frick: Der Mann für die po­li­ti­sche Bil­dung

Nicht nur für be­hin­der­te Men­schen nütz­li­che Bro­schü­re: Wie man am 13. März mit­ma­chen kann

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Tho­mas Liebs­cher

In vierWo­chen ist die Land­tags­wahl Ba­denWürt­tem­berg. Am 13. März kön­nen die Bür­ger ent­schei­den, wer in das Par­la­ment des Bun­des­lan­des kommt. Die­ses Par­la­ment heißt Land­tag und trifft sich in Stutt­gart. Bei der Land­tags­wahl vor fünf Jah­ren ge­lang­ten 138 Män­ner und Frau­en in den Land­tag. Aus vier Par­tei­en kom­men der­zeit die Ab­ge­ord­ne­ten des Land­tags. Zwei Par­tei­en bil­den und un­ter­stüt­zen ak­tu­ell die Re­gie­rung: Grü­ne und SPD. Zwei Par­tei­en sind in der Op­po­si­ti­on, CDU und FDP. Auch 2016 wol­len mehr Par­tei­en als die­se vier in den Land­tag ein­zie­hen. Je nach­dem wie die Wahl am 13. März aus­geht, wird die Re­gie­rung ge­bil­det. Für Men­schen, die sich für Po­li­tik in­ter­es­sie­ren, sind al­le vor­her­ge­hen­den Sät­ze wahr­schein­lich nicht schwer zu ver­ste­hen. Ih­nen sind die­se Aus­sa­gen oh­ne­hin schon be­kannt und ein al­ter Hut. Aber es gibt Men­schen mit we­ni­ger In­ter­es­se an Po­li­tik un­term Jahr. Wenn sie ihr Recht zu wäh­len nut­zen wol­len, dann müs­sen sie erst mal ver­ste­hen wie das geht, das Wäh­len. An­de­re Me­schen ha­ben viel­leicht ei­ne Be­hin­de­rung und es des­halb schwe­rer, das mit der Land­tags­wahl gleich zu ver­ste­hen. Sie brau­chen Er­klä­run­gen in be­son­ders ein­fa­cher Spra­che. Da­mit sie am 13. März mit­wäh­len kön­nen. Ei­ne sol­che Hil­fe bie­tet die Lan­des­zen­tra­le für po­li­ti­sche Bil­dung an. Karl-Ul­rich Templ und Jo­han­na Rin­gel ha­be ei­ne 30-sei­ti­ge Bro­schü­re ge­schrie­ben. Mit kur­zen Sät­zen, oh­ne fe­mi­nis­ti­sche Spra­che und mit ei­ner op­ti­schen Ve­rän­de­rung von lan­gen, zu­sam­men­ge­setz­tenWor­ten wie „Wahl­be­nach­rich­ti­gung“. Zwi­schen „Wahl“und „be­nach­rich­ti­gung“wur­de ein Punkt ge­setzt. Er zeigt an: die­ses lan­ge Wort prä­sen­tie­ren wir so, dass es ver­ständ­lich wird. (Ei­ne neue Recht­schrei­bung wird des­halb nicht pro­pa­giert.) Sol­che Darstel­lung von Po­li­tik und Wahl in ein­fa­cher Spra­che nützt si­cher vie­len. Und be­son­ders Men­schen mit ei­nem Han­di­cap. Des­halb wird das klei­ne sprach­li­che Pro­jekt vom Be­hin­der­ten­be­auf­trag­ten des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg un­ter­stützt. „Es ist ge­lun­gen vor al­lem Men­schen mit ko­gni­ti­ven Ein­schrän­kun­gen oder Lern­schwie­rig­kei­ten, aber auch vie­len an­de­ren Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern die Wahl zu er­klä­ren und zu un­ter­strei­chen, dass es wich­tig ist, vom Wahl­recht Ge­brauch zu ma­chen“, sagt Gerd Wei­mer. Er ist seit fünf Jah­ren Be­auf­trag­ter für die Be­lan­ge be­hin­der­ter Men­schen. Wie vie­le Men­schen ver­tritt er in die­ser Funk­ti­on? Der frü­he­re SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te aus Tü­bin­gen nennt 1,5 Mil­lio­nen be­hin­der­te Ba­den-Würt­tem­ber­ger. Da­von sind ei­ne Mil­li­on Schwer­be­hin­der­te. Das heißt sie ha­ben ei­nen Grad der Be­hin­de­rung von über 50 Pro­zent. 200 000 Men­schen sind so ein­ge­schränkt, dass ei­ne 100-pro­zen­ti­ge Be­hin­de­rung an­er­kannt ist. Das kön­nen Roll­stuhl­fah­rer sein. Für sie ist es wich­tig, dass Wahl­lo­ka­le bar­rie­re­frei sind. Was in der Wahl­be­nach­rich­ti­gung ver­merkt ist – „und tat­säch­lich von Kom­mu­nen auch mehr und mehr prak­ti­ziert wird“, meint Wei­mer. Wer seh­be­hin­dert ist, darf sich den Stimm­zet­tel von ei­nem Wahl­hel­fer am 13. März vor­le­sen las­sen. Und wer mit sei­ner Hand das Kreuz nicht ma­chen kann, darf dem Wahl­hel­fer oder ei­ner an­de­ren Per­son in der Wahlkabine sei­ne Ent­schei­dung nen­nen und um Um­set­zung bit­ten. Still­schwei­gen ist für die Hel­fer ver­pflich­tend. Vie­le Be­hin­der­te prak­ti­zie­ren lie­ber Brief­wahl. Aber das muss auch erst gut er­klärt wer­den; die er­wähn­te Bro­schü­re tut es. „Und das nutzt si­cher auch al­len an­de­ren“, meint Gerd Wei­mer. Ein­fa­che Spra­che für die Re­geln der Wahl ist ei­ne gu­te Sa­che, um die Be­tei­li­gung zu stei­gern und die In­ter­es­sen­ver­tre­tung von Be­hin­der­ten zu stär­ken. Denn der Land­tag ent­schei­det auch über För­der­schu­len, In­klu­si­on und Be­sei­ti­gung von Bar­rie­ren. Hat man sich ent­schie­den hat, zur Wahl zu ge­hen, ist die Stimm­ab­ga­be am Sonn­tag, 13. März zwi­schen 8 und 18 Uhr ei­gent­lich ganz un­kom­pli­ziert. Be­tei­li­gen kann sich, wer deut­scher Staats­bür­ger ist, über 18 Jah­re alt und seit min­des­tens drei Mo­na­ten in Ba­denWürt­tem­berg wohnt und nicht von der Wahl aus­ge­schlos­sen ist (Be­richt un­ten). Je­der Wäh­ler hat ei­nen Stimm­zet­tel und ei­ne Stim­me. Des­halb heißt es ein­fach: Ein Kreuz ma­chen für ei­ne Par­tei und de­ren Kan­di­da­ten.

Stimm­zet­tel vor­le­sen: Hil­fe für Seh­be­hin­der­te

In ge­nau vier Wo­chen ist es so­weit: Das Par­la­ment von Ba­den-Würt­tem­berg wird nach fünf Jah­ren wie­der neu ge­wählt. Bis­lang sind im Land­tag Grü­ne, Ro­te, Schwar­ze und Gel­be ver­tre­ten. Al­so die vier Par­tei­en Grü­ne, SPD, CDU und FDP. Wei­te­re Par­tei­en wol­len dies­mal den Sprung nach Stutt­gart schaf­fen. Fo­to: avs

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.