Kri­tik an Asyl­po­li­tik

In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin: Stan­dards „viel­leicht“sen­ken

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - AFP

Ba­den-Würt­tem­bergs In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin Bil­kay Öney (SPD) be­trach­tet die deut­schen Stan­dards der Flücht­lings­auf­nah­me als ein Hin­der­nis auf dem Weg zu ei­nem eu­ro­päi­schen Asyl­recht. „Im Mo­ment sind un­se­re Stan­dards so hoch, dass vie­le Län­der sie nicht er­rei­chen“, sag­te Öney der „Welt“: „In ei­ni­gen Län­dern cam­pie­ren die Flücht­lin­ge auf der grü­nen Wie­se. Und dann kom­men sie nach Deutsch­land und fin­den ein na­he­zu per­fek­tes Auf­nah­me­sys­tem – wenn sie in das rich­ti­ge Bun­des­land kom­men.“Auch bei An­er­ken­nungs­quo­ten und si­che­ren Her­kunfts­staa­ten ge­be es kei­ne fes­ten Re­geln. Ziel der EU müs­se aber ein um­fas­sen­des eu­ro­päi­sches Flücht­lings­recht sein, for­der­te Öney: „Da­für müss­te man

Tü­bin­gens OB for­dert här­te­re Li­nie

viel­leicht auch in Deutsch­land be­stimm­te Stan­dards für Flücht­lin­ge sen­ken.“Kon­kret kri­ti­sier­te die SPD-Po­li­ti­ke­rin den Be­schluss, Flücht­lin­gen statt nach neun (EURicht­li­nie) nach drei Mo­na­ten ei­ne Ar­beits­ge­neh­mi­gung zu er­tei­len. „Da­mit wur­de auch ei­ne Ein­wan­de­rung in das Asyl­sys­tem at­trak­ti­ver und mög­li­cher­wei­se aus­ge­löst. Wir müs­sen auf­pas­sen, dass das Asyl­recht nicht ad ab­sur­dum ge­führt wird“, sag­te Öney. Tü­bin­gens grü­ner Ober­bür­ger­meis­ter Bo­ris Pal­mer hat un­ter­des­sen Geg­nern ei­ner här­te­ren Li­nie in der Flücht­lings­po­li­tik Welt­fremd­heit dia­gnos­ti­ziert. „Es sind nicht die Zei­ten für Pip­pi-Langs­trumpf- oder Po­ny­hof-Po­li­tik“, sag­te Pal­mer dem „Spie­gel“. Er for­der­te schär­fe­re Maß­nah­men. Die EU-Au­ßen­gren­zen soll­ten nach Pal­mers Vor­stel­lung mit ei­nem Zaun und be­waff­ne­ten Gren­zern ge­si­chert wer­den, um deut­lich mehr Flücht­lin­ge als bis­lang ab­zu­wei­sen. Er sei da­für, dass Deutsch­land groß­zü­gig Men­schen in Not auf­nimmt, aber eben nicht al­le. Pal­mer for­der­te sei­ne ei­ge­ne Par­tei auf, die von der Uni­on ge­for­der­te Er­wei­te­rung der Lis­te so ge­nann­ter si­che­rer Her­kunfts­län­der um die Ma­ghreb­Staa­ten Al­ge­ri­en, Tu­ne­si­en und Ma­rok­ko mit­zu­tra­gen und nicht im Bun­des­rat zu blo­ckie­ren. Ein sol­cher Schritt wür­de es er­lau­ben, Asyl­an­trä­ge schnel­ler ab­zu­wei­sen. Sei­ne Stadt Tü­bin­gen ha­be Pro­ble­me, den An­drang der Flücht­lin­ge zu be­wäl­ti­gen, ar­gu­men­tier­te Pal­mer. In der Be­völ­ke­rung schwin­de die Ak­zep­tanz. „Spä­tes­tens seit den Über­grif­fen in der Sil­ves­ter­nacht in Köln kom­men selbst grü­ne Pro­fes­so­ren zu mir, die sa­gen: Ich ha­be zwei blon­de Töch­ter, ich sor­ge mich, wenn jetzt 60 ara­bi­sche Män­ner in 200 Me­ter Ent­fer­nung woh­nen.“Der Tü­bin­ger Grü­nen­Ober­bür­ger­meis­ter hat­te be­reits mehr­fach par­tei­in­ter­ne Kri­tik we­gen Äu­ße­run­gen zur Flücht­lings­kri­se auf sich ge­zo­gen.

Ist das Auf­nah­me­sys­tem für Flücht­lin­ge in Deutsch­land all­zu per­fekt? Die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin Bil­kay Öney sieht da­rin ein Hin­der­nis auf dem Weg zu ei­nen eu­ro­päi­schen Asyl­recht. Fo­to: avs

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