CD-Check

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Max

Heinz-Ru­dolf Kun­zes neu­es Al­bum „Deutsch­land“(RCA/So­ny) über­rascht gleich mit ei­nem un­er­war­te­ten Co­ver­mo­tiv. Zu se­hen ist ei­ne Stra­ße in ei­ner Vor­stadt­sied­lung mit klein­bür­ger­li­chen Ein­fa­mi­li­en­häu­sern und ein paar Bau­stel­len am Stra­ßen­rand. Ein Co­ver, das de­fi­ni­tiv mehr Fra­gen auf­wirft als ge­wöhn­lich. Ist dies das Deutsch­land, mit dem wir uns iden­ti­fi­zie­ren? Oder gar ei­nes, vor dem uns graut? Ist die­se Stra­ße Zuflucht oder will man aus ihr flie­hen? Was ha­ben die Bau­stel­len zu be­deu­ten? Was kann man von ei­nem Al­bum er­war­ten, des­sen Co­ver­mo­tiv uns schon zum Nach­den­ken an­regt? Der Ein­stieg ins Al­bum ist von prä­gnan­ter Wucht. „Es ist in ihm drin“glänzt als gut ge­er­de­ter Cock­tail aus Mud­dy Wa­ters und John Lee Hoo­ker. In „Zu früh für den Re­gen“ver­brei­ten war­me West­co­ast-Gi­tar­ren ei­ne har­mo­ni­sche At­mo­sphä­re, der schöns­te Song aber ist das an die Beat­les er­in­nern­de „Die al­te Pic­car­die“. „Je­der be­te für sich al­lein“ist, so Kun­ze, „ei­nes der po­li­tischs­ten Lie­der, die es mo­men­tan gibt in deut­scher Spra­che“. Sti­lis­tisch dem Prog-Rock zu­zu­ord­nen, wen­det sich Kun­ze hier ge­gen die Ag­gres­si­vi­tät, mit der man­che Re­li­gio­nen heut­zu­ta­ge auf­tre­ten. Der nim­mer­mü­de und wan­del­ba­re kul­tur­schaf­fen­de Kun­ze hat sei­nem Hei­mat­land ein Al­bum ge­wid­met, das es ver­dient hat, wei­te Krei­se zu zie­hen.

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