Mut­ma­cher im Ab­stiegs­kampf

No­vi­ze Na­gels­mann punk­tet und über­zeugt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Andre­as Frank

Dut­zen­de von Fach­fra­gen hat­te De­bü­tant Ju­li­an Na­gels­mann so prompt wie ge­dul­dig be­ant­wor­tet, dann stock­te plötz­lich sein Re­de­fluss, der jun­ge Coach muss­te ei­nen Mo­ment in sich ge­hen. „Es wä­re schön, bei Wi­ki­pe­dia zu le­sen, dass ich als jüngs­ter Bun­des­li­ga­trai­ner mit Hof­fen­heim die Klas­se ge­hal­ten ha­be“, be­schrieb der gera­de 28 Jah­re al­te No­vi­ze eher lei­se und zö­ger­lich sein Sai­son­ziel. Das hart er­kämpf­te 1:1 (1:1) beim Ta­bel­len­nach­barn Wer­der Bre­men war mehr ein Punkt­ge­winn für die Psy­che als für ei­ne ech­te Ver­bes­se­rung der Ta­bel­len­si­tua­ti­on des

Hof­fen­heim cou­ra­giert zum 1:1 in Bre­men

Vor­letz­ten. Aber der Nach­fol­ger des Old­School-Coachs Huub Ste­vens hat­te im mit 38 454 Zu­schau­ern fast aus­ver­kauf­ten We­ser­sta­di­on durch­aus ei­ne Duft­mar­ke ge­setzt. Die von ihm in­iti­ier­te Dreierkette ließ nur ei­nen (un­glück­li­chen) Ge­gen­tref­fer in der 13. Mi­nu­te zu und ge­riet erst ins Wan­ken, als Tor­schüt­ze And­rej Ka­ma­ric in der 77. Mi­nu­te die Gelb-Ro­te Kar­te sah. „Un­ser Auf­tritt war so er­fri­schend wie schon lan­ge nicht mehr“, be­fand Sport­chef Alex­an­der Ro­sen. Tor­hü­ter Oli­ver Bau­mann, der mehr­fach das wich­ti­ge Un­ent­schie­den fest­hielt, lob­te den neu­en Trai­ner für sei­ne „kla­re Art“, und In­nen­ver­tei­di­ger Er­min Bi­cak­cic de­fi­nier­te die Ar­beits­wei­se Na­gels­manns so: „Ei­ne Mi­schung aus Mo­ti­va­tor und Ana­ly­ti­ker.“Wer Na­gels­mann bei sei­nem ers­ten Ar­beits­tag als Chef­coach bei ei- nem Bun­des­li­ga­spiel be­ob­ach­te­te, muss­te dem Hof­fen­hei­mer Ab­wehr­chef bei des­sen Wort­wahl zu­stim­men. Der ge­bür­ti­ge Bayer ver­schlang die Ak­tio­nen auf dem Ra­sen förm­lich mit den Au­gen, in sei­nem Kopf schien es per­ma­nent zu ar­bei­ten. Hin und wie­der ein paar ord­nen­de Ges­ten, ein ge­ziel­ter Zu­ruf, so ar­bei­te­te der neue Mann – ganz oh­ne cho­le­ri­sche Tem­pe­ra­ments­aus­brü­che. Sein Bre­mer Kol­le­ge Vik­tor Skrip­nik war da schon mehr auf den Bei­nen, aber trotz bes­ter Chan­cen woll­te sei­nen Schütz­lin­gen der sport­li­che Be­frei­ungs­schlag ge­gen die Kraich­gau­er nicht ge­lin­gen. An­ders als noch beim 3:1-Po­kal­coup in Le­ver­ku­sen am Di­ens­tag muss­ten die Gast­ge­ber dies­mal wie­der mehr agie­ren als re­agie­ren, ei­ne Rol­le, in der sie sich schon seit Sai­son­be­ginn schwer tun. Der letz­te Heim­sieg in der Li­ga liegt nun schon fast ein hal­bes Jahr zu­rück, den­noch woll­te Mann­schafts­ka­pi­tän Cle­mens Fritz nicht von ei­nem Heim­fluch spre­chen. „Wenn wir über die Aus­wärts­spie­le die Klas­se hal­ten, ist das auch in Ord­nung“, be­fand der Ex-Na­tio­nal­spie­ler. Zwei­fel­los ei­ne mit Ri­si­ko be­haf­te­te Sicht­wei­se, denn die Han­sea­ten müs­sen un­ter an­de­rem er­neut in Le­ver­ku­sen, bei Bo­rus­sia Dort­mund und Re­kord­meis­ter Bay­ern Mün­chen an­tre­ten. Und des­halb er­war­tet Wer­ders Sport-Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Eichin auch in den kom­men­den Heim­spie­len die im Ab­stiegs­kampf un­ab­ding­ba­ren Sie­ge: „Man kann fest­stel­len, dass die Mann­schaft sta­bi­ler ge­wor­den ist. Aber mo­men­tan fehlt im Ab­schluss die Kon­se­quenz, dar­an muss wei­ter ge­ar­bei­tet wer­den.“Zwei­fel­los gut ge­ar­bei­tet hat Eichin bei der Ver­pflich­tung von Pa­py Dji­lo­bo­dji. Der Se­ne­ga­le­se räum­te in der De­fen­si­ve mit fai­ren Mit­teln kom­pro­miss­los auf und ver­zeich­ne­te ne­ben sei­nem Tor auch noch ei­nen Kopf­ball an den Pfos­ten. “Ich wer­de al­les, wirk­lich al­les für Wer­ders Klas­sen­er­halt tun“, sag­te die Leih­ga­be aus Lon­don vom FC Chel­sea. Und das könn­te der wuch­ti­ge In­nen­ver­tei­di­ger dann be­stimmt auch bei Wi­ki­pe­dia le­sen …

Freud und Leid: Hier dreht And­rej Ka­ma­ric nach sei­nem Tref­fer zur Hof­fen­hei­mer Füh­rung in Bre­men nach zehn Mi­nu­ten ju­belnd ab, nach 77 Mi­nu­ten ging’s für ihn nach Gelb-Rot dann vor­zei­tig un­ter die Du­sche. Fo­to: avs

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