Auf dem Bob-Thron

An­ja Schnei­der­hein­ze (37) erst­mals Welt­meis­te­rin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Tho­mas Wei­te­kamp

Bob-Pi­lo­tin An­ja Schnei­der­hein­ze hat im Herbst ih­rer Kar­rie­re die in­ter­na­tio­na­le Eli­te dü­piert und sich mit 37 Jah­ren erst­mals zur Welt­meis­te­rin ge­krönt. Deutsch­lands „Gol­den Girl“ge­wann bei der WM in Inns­bruck-Igls nach vier Läu­fen sou­ve­rän vor Olym­pia­sie­ge­rin Kail­lie Hum­phries (Ka­na­da) und Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin Ela­na Mey­ers Tay­lor (USA). Ge­mein­sam mit An­schie­be­rin An­ni­ka Dra­zek hol­te Schnei­der­hein­ze da­mit das ers­te WM-Gold der deut­schen Frau­en seit fünf Jah­ren.

Ge­heim­fa­vo­rit Loch­ner eben­falls auf Gold­kurs

“Welt­meis­ter! Wir sind die Bes­ten in un­se­rer Sport­art, die Bes­ten der Welt, das ist Wahn­sinn“, sag­te Schnei­der­hein­ze in der ARD und füg­te au­gen­zwin­kernd an: „Jetzt ge­hen wir zei­tig ins Bett und trai­nie­ren dann wei­ter.“Ste­pha­nie Schnei­der (Oberbärenburg) hol­te mit Li­sa Buck­witz als star­ke Vier­te das er­hoff­te Top-5-Re­sul­tat, Ma­ri­a­ma Ja­man­ka (Ober­hof) reih­te sich mit Er­li­ne Nol­te auf Po­si­ti­on sie­ben ein. Schnei­der­hein­zes Vor­sprung auf Hum­phries be­trug am En­de mehr als drei Zehn­tel. Der Deut­schen ge­lang da­mit der größ­te Er­folg ih­rer Pi­lo­tin­nen-Kar­rie­re in ei­ner Sai­son, die bis vor we­ni­gen Wo­chen nur Ent­täu­schun­gen be­reit ge­hal­ten hat­te. Erst am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de in St. Mo­ritz hol­te die Thü­rin­ge­rin ih­ren ers­ten Po­dest­platz des Win­ters, zu­vor hat­ten sie klei­ne Feh­ler und vor al­lem der oft un­ter­le­ge­ne deut­sche Schlit­ten im­mer wie­der aus­ge­bremst. Nach ih­rer er­folg­rei­chen ers­ten Kar­rie­re als An­schie­be­rin mit Olym­pia­gold 2006 und dem WM-Ti­tel 2005 be­stritt Schnei­der­hein­ze in Inns­bruck 2011 ihr ers­tes Welt­cup-Ren­nen als Pi­lo­tin, hol­te we­ni­ge Mo­na­te spä­ter auch den ers­ten Sieg – Igls war stets gut zu ihr. Denn die Olym­pia­bahn von 1976 ist ei­ne Star­ter­stre­cke, und die frü­he­re Eis­schnell­läu­fe­rin ist auf den ers­ten Me­tern be­son­ders stark. Zu­dem kann die rou­ti­nier­te Pi­lo­tin wie­der auf die lan­ge ver­letz­te Dra­zek bau­en, die Schnei­der­hein­ze er­neut mit Welt­klas­se-Zei­ten in die Eis­rin­ne schob. Bei den Män­nern steu­ert Ge­heim­fa­vo­rit Jo­han­nes Loch­ner (Stutt­gart), der Nef­fe des frü­he­ren Zwei­er­bob-Welt­meis­ters Ru­di Loch­ner, in Inns­bruck-Igls heu­te (9.30/11.30 Uhr) eben­falls in Rich­tung Sieg und stiehlt da­mit auch dem an­ge­schla­ge­nen Ti­tel­ver­tei­di­ger Fran­ces­co Fried­rich die Show. Der Ju­nio­ren­welt­meis­ter führt nach zwei von vier Läu­fen im Zwei­er über­ra­schend das Feld an, mit An­schie­ber Jos­hua Bluhm tren­nen den 25-Jäh­ri­gen vor den Durch­gän­gen drei und vier 0,15 Se­kun­den vom zweit­plat­zier­ten Fried­rich mit Thors­ten Mar­gis. „Ich bin sprach­los, das ist der Wahn­sinn“, sag­te Loch­ner. „Die Fahrt war nicht mal op­ti­mal, wir ha­ben so­gar noch Luft nach oben.“Fried­rich hat­te sich erst vor drei Wo­chen ei­nen Mus­kel­fa­ser­riss im Ober­schen­kel zu­ge­zo­gen. „Das war die schwie- rigs­te WM-Vor­be­rei­tung mei­ner Kar­rie­re“, er­klär­te der Sach­se, der in Igls sei­nen drit­ten Ti­tel in Fol­ge ho­len könn­te. Der Let­te Os­kars Mel­bar­dis (0,17 Se­kun­den zu­rück) liegt eben­falls noch in Schlagdis­tanz. An die bei­den Start­best­zei­ten von Jo­han­nes Loch­ner kam al­ler­dings kein Pi­lot her­an. Der ge­bür­ti­ge Berch­tes­ga­de­ner hat­te es im ak­tu­el­len Welt­cup auf­grund der gro­ßen Kon­kur­renz nicht in den deut­schen Ka­der ge­schafft, sich aber durch sei­ne Sie­ge vor drei Wo­chen bei der Ju­nio­ren-WM in Win­ter­berg im Zwei­er und Vie­rer doch noch das Ti­cket für Igls ge­si­chert.

Igls hat es stets gut mit ihr ge­meint: An­ja Schnei­der­hein­ze (mit An­schie­be­rin An­ni­ka Dra­zek) darf sich erst­mals die Bob-WM-Kro­ne als Pi­lo­tin auf­set­zen. Im Inns­bru­cker Eis­ka­nal hat sie die Kon­kur­renz dü­piert. Fo­to: avs

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