Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL -

Tur­tel­täub­chen und Herz­chen ha­ben Kon­junk­tur: Heu­te ist Va­len­tins­tag, der Tag der Ver­lieb­ten – und die Schmet­ter­lin­ge im Bauch krie­gen den Hö­hen­kol­ler. Aber was ist mit den Täub­chen, die aus­ge­tur­telt ha­ben? Und was pas­siert, wenn die Schmet­ter­lin­ge ei­ne Bruch­lan­dung hin­le­gen, wenn das Herz bricht? „Das ge­bro­che­ne Herz“könn­te der Ti­tel ei­nes Gro­schen­ro­mans sein. Doch nicht nur Au­to­ren der Leicht-und-bil­lig-Li­te­ra­tur neh­men sich die­ses The­mas an. Mit ge­bro­che­nen Her­zen – ge­nau­er ge­sagt, dem Bro­ken-He­art-Syn­drom – be­fas­sen sich auch Ärz­te. Die Stress-Kar­dio­my­o­pa­thie, so heißt das ge­bro­che­ne Herz im Fach­jar­gon, kann bei schwe­ren Ver­lus­ten, Tren­nun­gen und psy­chi­scher Be­las­tung auf­tre­ten, be­rich­tet Jür­gen Pa­che, ein Kar­dio­lo­gie aus Bay­ern. Es fühlt sich ähn­lich an wie bein In­farkt: Das Herz krampft sich zu­sam­men, die Brust schmerzt. Ur­sa­che ist aber kei­ne ver­schlos­se­ne Ader, son­dern ei­ne stress­be­ding­te Ve­ren­gung der Herz­kranz­ge­fä­ße. Ge­bro­che­nesHerz-Syn­drom nennt man das, weil das Krank­heits­bild zu­nächst vor al­lem bei äl­te­ren Frau­en fest­ge­stellt wur­de, die ih­ren Mann ver­lo­ren hat­ten. Das Ge­bro­che­ne-Herz-Syn­drom kommt zum Glück sel­ten vor – was aber nicht da- rü­ber hin­weg­täu­schen soll­te, dass Lie­bes­kum­mer stets ei­ne üb­le Sa­che ist. Er kann sich in kör­per­li­chen Sym­pto­men wie Bauch­schmer­zen äu­ßern, vor al­lem aber schlägt er aufs Ge­müt. Manch­mal so hef­tig, dass man den Be­trof­fe­nen nur ra­ten kann, ei­nen Psych­ia­ter oder Psy­cho­the­ra­peu­ten auf­zu­su­chen. Ganz schön fies ist, was Ex­per­ten be­ob­ach­ten: dass gera­de am Va­len­tins­tag, wenn al­les bus­selt und herzt, es in Be­zie­hun­gen be­son­ders oft Knatsch gibt – weil die Er­war­tun­gen halt so hoch sind, die Ge­schen­ke viel­leicht nicht ge­fal­len oder die Blu­men zu mick­rig sind. San­dra Ne­u­mayr, die Vi­ze­prä­si­den­tin des Be­rufs­ver­bands psy­cho­lo­gi­scher Be­ra­ter, be­treut seit ei­ni­gen Jah­ren „Op­fer“des Va­len­tins­ta­ges. An­de­re Ver­lieb­te zu se­hen und selbst un­glück­lich zu sein – das schmer­ze be­son­ders, sagt sie. Da ha­ben es die­je­ni­gen leich­ter, die auf den Va­len­tins­tag pfei­fen, weil der ja oh­ne­hin nur Ge­schäf­te­ma­che­rei sei – ei­ner Um­fra­ge der GfK-Markt­for­schung igno­riert fast je­der zwei­te Deut­sche den Tag der Lie­ben­den. Kei­ne Blu­men, kei­ne Ge­schen­ke und kein Ex­tra-Bus­si: Das macht zwar auch nicht un­be­dingt glück­lich, dürf­te aber zu­min­dest heu­te das per­sön­li­che Herz­schmerz-Ri­si­ko mi­ni­mie­ren. An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Herz­schmerz am Va­len­tins­tag

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