Als die gro­ßen Fa­b­ri­ken ent­stan­den...

Die heu­ti­ge Gestalt un­se­rer Städ­te ent­stand vor rund 150 Jah­ren mit der In­dus­tria­li­sie­rung

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Deutsch­land hat 11 000 Städ­te und Ge­mein­den. Groß­städ­te, die mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Ein­woh­ner ha­ben, gibt es 14 Stück. Die größ­te Stadt Ba­denWürt­tem­bergs ist Stuttgart mit 600 000 Ein­woh­nern. Die größ­te Stadt Deutsch­lands ist Berlin, dort le­ben 3,5 Mil­lio­nen Men­schen. Städ­te sind be­liebt, weil sie vie­le Mög­lich­kei­ten bie­ten: Ar­beits­plät­ze, ein dichtes Netz öf­fent­li­chen Nah­ver­kehrs, ei­nen Bahn­hof, in dem ICEs hal­ten, ei­nen Flug­ha­fen, vie­le Ge­schäf­te zum Ein­kau­fen, von de­nen die meis­ten lan­ge ge­öff­net ha­ben, Hoch­schu­len, Thea­ter und Mu­se­en, gro­ße Fuß­ball­sta­di­en. Die heu­ti­ge Gestalt un­se­rer Städ­te ent­stand vor rund 150 Jah­ren mit der In­dus­tria­li­sie­rung. So nennt man die Zeit der gro­ßen Fa­b­ri­ken und der ma­schi­nel­len Wa­ren­her­stel­lung, die Deutsch­land wirt­schaft­lich ver­än­der­te. Vie­le Men­schen ar­bei­te­ten in den Fa­b­ri­ken und zo­gen vom Land in die Städ­te. Mit der Er­fin­dung der elek­tri­schen Stra­ßen­bahn 1881 be­schleu­nig­te ein be­que­mes öf­fent­li­ches Trans­port­mit­tel die We­ge. Auch durch die Ei­sen­bahn wur­de die Be­völ­ke­rung mo­bi­ler. Ei­ne Bahn­stre­cke ver­band Städ­te. Zü­ge trans­por­tier­ten nicht nur Wa­ren, son­dern im­mer mehr Per­so­nen. Durch elek­tri­sches Licht in den Stra­ßen und Wohn­häu­sern der Städ­te wa­ren die Men­schen nicht mehr auf die Ta­ges­zeit fest­ge­legt und konn­ten abends aus­ge­hen. Neu­es wur­de zu­erst in Städ­ten aus­pro­biert. Städ­te gab es be­reits in der An­ti­ke, zwar noch oh­ne Ei­sen­bahn­netz und Strom, da­für mit Ka­na­li­sa­ti­on, Märk­ten, Ge­rich­ten und ei­nem Stadt­par­la­ment. Rott­weil, die äl­tes­te Stadt Ba­den-Würt­tem­bergs, wur­de vor 1943 Jah­ren (73 nach Chris­tus) von den Rö­mern ge­grün­det. Da­mals hieß Rott­weil Arae Fla­viae. Das über 2 000 Jah­re al­te Tri­er, bei den Rö­mern Au­gus­ta Tre­ver­o­rum, gilt als äl­tes­te deut­sche Stadt über­haupt. Karls­ru­he fei­er­te kürz­lich sei­nen 300. Ge­burts­tag, die meis­ten Städ­te sind aber mit­tel­al­ter­li­che Grün­dun­gen und zwi­schen 800 und 1 000 Jah­ren alt. Sie la­gen an Han­dels­stra­ßen, Flüs­sen oder in der Nä­he gro­ßer Roh­stoff­vor­kom­men wie Koh­le und Erz. Wo es ei­ne Stadt gab, ent­stan­den wei­te­re. Je mehr Men­schen zu­sam­men­leb­ten, des­to mehr Be­ru­fe ent­stan­den, weil die Be­völ­ke­rung ver­sorgt, aus­ge­bil­det, be­schützt und das Zu­sam­men­le­ben or­ga­ni­siert wer­den muss­te. Manch­mal bo­ten ei­ne Rit­ter­burg oder die Re­si­denz ei­nes Fürs­ten Schutz. Das ging so­weit, dass Fürs­ten selbst Städ­te grün­de­ten. Klei­ne­re und mit­tel­gro­ße Städ­te prä­gen das Le­ben der Men­schen mehr, doch die Ge­schich­te gro­ßer Städ­te ist bes­ser er­forscht. Üb­ri­gens: Als Stadt gilt in Deutsch­land ein Ort mit mehr als 2 000 Ein­woh­nern.

Buchtipp

„Ich bau mir mei­ne Stadt“ist ein Bau­kas­ten zum Blät­tern! Das Buch ent­hält Ba­s­tel­bö­gen un­ter­schied­li­cher Ge­bäu­de, die man sich zu ei­ner Stadt zu­sam­men­bau­en kann. Ganz oh­ne Kleb­stoff! Spiel­fi­gu­ren sind auch da­bei. Das Buch ist bei Us­bor­ne er­schie­nen und kos­tet 14,95 Eu­ro.

Die Stadt Tri­er wur­de vor mehr als 2 000 Jah­ren un­ter dem Na­men Au­gus­ta Tre­ver­o­rum ge­grün­det und be­an­sprucht den Ti­tel der äl­tes­ten Stadt Deutsch­lands für sich. Fotos (2): Pres­se­amt Stadt Tri­er

Das ist der Orts­kern von Bad Be­der­ke­sa, das seit dem 1. Ja­nu­ar 2015 Teil der neu­en Stadt Geest­land ist. Geest­land ist da­mit die jüngs­te Stadt Deutsch­lands. Fotos: Stadt Geest­land

So schö­ne Ge­bäu­de kann man mit dem Ba­s­tel­bo­gen

bas­teln. Fo­to: Ka­sisch­ke

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