Die Plä­ne der Po­li­zei­meis­te­rin

Sap­pho Co­ban: Nach der Ve­rei­di­gung steht jetzt Ju­do im Vor­der­grund

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ha­rald Lin­der

Nun al­so darf sich Sap­pho Co­ban „Po­li­zei­meis­te­rin“nen­nen. Am Frei­tag wur­de sie in der Bun­des­po­li­zei­sport­schu­le Ki­en­baum nach er­folg­reich be­stan­de­ner Lauf­bahn­prü­fung zu­sam­men mit den Leicht­ath­le­tin­nen Kris­tin Gie­risch und Sha­nice Craft so­wie den Renn­ka­nu­ten Kost­ja Stro­in­ski und Ni­k­las Kux von Al­fons Ai­g­ner, dem Prä­si­den­ten der Bun­des­po­li­zei­aka­de­mie, ver­ei­digt. Vier Jah­re Aus­bil­dung, in de­nen sich Po­li­zei­dienst und Sport ab­wech­sel­ten, lie­gen hin­ter der 21-jäh­ri­gen Ju­do­kämp­fe­rin vom Bu­do-Club Karls­ru­he, die sich zu­künf­tig als Ka­der­ath­le­tin des Deut­schen Ju­do Bun­des (DJB) und frei­ge­stell­te Bun­des­po­li- zis­tin ih­rem Sport noch pro­fes­sio­nel­ler wid­men kann, als dies bis­her schon der Fall war. Das heißt zwei bis drei Trai­nings­ein­hei­ten am Tag und in­ten­si­ve Ar­beit auf der Ju­do­mat­te, denn „von nix kommt nix“, wie sie sagt. Wo die­se Trai­nings­ar­beit dann statt­fin­den wird, ist noch nicht end­gül­tig ge­klärt. Für Co­ban selbst wä­re ihr Hei­mat­stütz­punkt Sin­del­fin­gen und des­sen Au­ßen­stel­le in Karls­ru­he ers­te Wahl, weil da auch ihr Heim­trai­ner Já­nos Bölcs­kei ar­bei­tet. Doch noch ist al­les in der Schwe­be. Die ge­sam­te Stütz­punkt­po­li­tik des DJB wer­de sich wohl erst im Som­mer, nach den Olym­pi­schen Spie­len in Rio (5. bis 21. Au­gust) ent­schei­den, er­klärt Fa­bi­an Schley, Ab­tei­lungs­lei­ter beim Bu­do-Club (BC) Karls­ru­he. Ge­fragt nach den sport­li­chen Zie­len, die sich Sap­pho Co­ban als „Neu-Pro­fi“vor­ge­nom­men hat, klin­gen de­ren Ant­wor­ten recht am­bi­tio­niert und rei­chen von ei­nem „Po­di­ums­platz bei ei­nem Grand Prix“über „Teil­nah­men an EM und WM“bis zum Fern­ziel „Olym­pi­sche Spie­le 2020“in To­kio. Da will die 21-Jäh­ri­ge un­be­dingt hin. Dass sie schon in die­sen Som­mer nach Rio fliegt, hält die ge­bür­ti­ge Kämp­fel­ba­che­rin selbst für „ziem­lich un­wahr­schein­lich“. Durch den Wech­sel von der 52in die 57-Ki­lo-Klas­se, den sie letz­tes Jahr voll­zo­gen hat, feh­len Co­ban je­de Men­ge Welt­rang­lis­ten­punk­te und die star­ke deut­sche Kon­kur­renz ist ihr um ei­ni­ges vor­aus. Als olym­pi­sches Ziel bleibt des­halb To­kio 2020, in dem Land al­so, in dem Ju­do sich in ers­ter Li­nie über die Tech­nik und erst da­nach über die Kraft de­fi­niert. Ein Stil, den auch „Fräu­lein Uchi-ma­ta“, wie Sap­pho Co­ban we­gen ei­ner Wurf­tech­nik, die sie ger­ne an­wen­det, schon mal ge­nannt wird, be­vor­zugt. Doch To­kio ist noch weit weg. Zu­nächst wür­de Sap­pho Co­ban, die im­mer noch im Ju­nio­ren­be­reich star­ten darf, zu­nächst im No­vem­ber in Tel Aviv zu ger­ne ih­ren Ti­tel als U-23Eu­ro­pa­meis­te­rin ver­tei­di­gen. Nächs­tes Jahr steht dann die Eu­ro­pa- und Welt­meis­ter­schaft der „Gro­ßen“an. Da möch­te sie zu­min­dest die Fi­nal­run­de er­rei­chen und ih­ren deut­schen Kon­kur­ren­tin­nen nä­her­rü­cken. Das traut ihr Sven Hes­se, in Ki­en­baum Cob­ans Trai­ner, durch­aus zu. „Sie ist ehr­gei­zig, hat sehr viel Ju­do-Ta­lent und kann sich jetzt voll und ganz auf den Sport kon­zen­trie­ren“, sagt Hes­se. „Für mich ist Sap­pho vor al­lem im Hin­blick auf To­kio 2020 ei­ne der deut­schen Kan­di­da­tin­nen, die ich dort er­war­te.“Nach­dem sie letz­tes Wo­che­n­en­de ih­ren ge­plan­ten Start bei den Eu­ro­pean Open in Rom

To­kio 2020 Fern­ziel der BC-Karls­ru­he-Kämp­fe­rin

we­gen ei­nes Ma­gen-Dar­min­fekts kurz­fris­tig ab­sa­gen muss­te, will die 21-Jäh­ri­ge En­de Fe­bru­ar bei den Eu­ro­pean Ju­do Open in Warschau auf der Mat­te ste­hen. In Po­lens Haupt­stadt hofft Co­ban so ab­zu­schnei­den, dass sie vom DJB noch für ei­nes der nächs­ten Gran­dP­rix-Tur­nie­re no­mi­niert wird. Beim HeimGrand Prix an die­sem Wo­che­n­en­de in Düs­sel­dorf konn­te sie ja we­gen ih­rer Ve­rei­di­gung in der Bun­des­po­li­zei­sport­schu­le Ki­en­baum nicht star­ten. Aber En­de März in Tiflis wä­re Sap­pho Co­ban na­tür­lich schon ger­ne da­bei. Und soll­te die Kämp­fe­rin des BC Karls­ru­he in Ge­or­gi­en star­ten dür­fen, dann will sie auch ih­re ers­te Grand-Prix-Me­dail­le mit nach Hau­se neh­men. Ei­ne sol­che fehlt der frisch ge­ba­cke­nen Po­li­zei­meis­te­rin noch in ih­rer Samm­lung.

Kon­zen­triert auf der Mat­te: Sap­pho Co­ban hat künf­tig die Mög­lich­keit, sich noch in­ten­si­ver auf ih­re Wett­kämp­fe vor­zu­be­rei­ten. Ihr Fern­ziel sind die Olym­pi­schen Spie­le 2020 in To­kio. Fo­to: GES/Hurst

Stolz in Uni­form und mit Ve­rei­di­gungs­ur­kun­de: Po­li­zei­meis­te­rin Sap­pho Co­ban. Fo­to: Stella/pr

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