Ro­land Kai­ser: „Sie­ben Fäs­ser Wein“sin­ge ich nie

Nach sei­ner schwe­ren Ope­ra­ti­on ist Ro­land Kai­ser krea­tiv wie eh und je

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - avs

Schla­ger-Star Ro­land Kai­ser (63) hat ein neu­es Al­bum. „ Auf den Kopf ge­stellt“ist sei­ne vier­te Plat­te seit sei­nem Come­back 2011. Mo­dern, aber nicht un­kom­mer­zi­ell wol­le er klin­gen, sagt Kai­ser. Sein Pu­bli­kum sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren jün­ger ge­wor­den. Im In­ter­view in München er­klärt Kai­ser, war­um er nach sei­ner schwe­ren Lun­gen-Ope­ra­ti­on un­be­dingt wie­der auf die Büh­ne woll­te – und war­um sei­ne Büh­ne nicht po­li­tisch ist.

Wie de­fi­nie­ren Sie Ih­ren Be­ruf?

Ro­land Kai­ser: Ich bin En­ter­tai­ner, ich be­leh­re nicht, ich un­ter­hal­te. Mei­ne Auf­ga­be ist es, die Leu­te nach ei­nem Kon­zert mit ei­nem gu­ten Ge­fühl nach Hau­se zu schi­cken. Das ver­su­chen wir, auf ei­nem mög­lichst ho­hen Ni­veau hin­zu­be­kom­men. Und in wel­che Schub­la­de die Me­di­en oder sonst wer mich dann ste­cken, das ist mir egal.

Wel­che Schub­la­de ge­fällt Ih­nen denn am we­nigs­ten?

Kai­ser: Ich ha­be kein Pro­blem mit Schub­la­den. Ich ha­be auch kein Pro­blem da­mit, wenn Leu­te mich Schla­ger­sän­ger nen­nen. Sän­ger, Künst­ler, Au­tor, Pro­du­zent – nen­nen Sie mich, wie Sie wol­len. Ich wür­de mich freu­en, wenn je­des mei­ner Lie­der ein Schla­ger ge­wor­den wä­re. Schla­ger heißt ja nichts an­de­res als Gas­sen­hau­er, den die Mehr­heit der Men­schen kennt. Was soll dar­an falsch sein?

Sie en­ga­gie­ren sich ja durch­aus auch po­li­tisch, ha­ben sich in Dres­den öf­fent­lich und deut­lich ge­gen Pe­gi­da aus­ge­spro­chen – wie passt das zu Ih­rem Vor­ha­ben, nur un­ter­hal­ten zu wol­len?

Kai­ser: Ich en­ga­gie­re mich seit 14 Jah­ren po­li­tisch und so­zi­al – und sa­ge mei­ne Mei­nung zu The­men, die mich be­we­gen. Aber ich tren­ne na­tür­lich Po­li­tik und mei­ne Auf­trit­te auf Kon­zer­ten. Ein Kon­zert ist kei­ne Wahl­kampf­ver­an­stal­tung. Die Leu­te kom­men auf mei­ne Kon­zer­te, weil sie Un­ter­hal­tung wol­len und die sol­len sie be­kom­men. Wenn ich dann et­was zu sa­gen ha­be wie da­mals in Dres­den, dann ma­che ich das auf ei­ner Kund­ge­bung. Das wird aber nicht Teil mei­ner Büh­nen­ar­beit. Ich fin­de, dass man für po­li­ti­sche State­ments und viel­leicht auch Lö­sungs­vor­schlä­ge mehr braucht als nur Pa­ro­len oder drei Mi­nu­ten in ei­nem Lied.

Sie ha­ben auf Ih­rem neu­en Al­bum ein Lied mit dem Ti­tel „25 St­un­den“...

Kai­ser: Ja, da geht es dar­um, wie ich ge­lernt ha­be, auch mal Nein zu sa­gen. Das ist ei­ne gro­ße Kunst und das muss man erst mal ler­nen. Man ist oft zu schnell da­bei, Ok zu sa­gen. Man muss ler­nen, Nein zu sa­gen, oh­ne den an­de­ren zu ver­letz­ten. Das kann ich in­zwi­schen und das ist ein gu­tes Ge­fühl.

Gibt es Si­tua­tio­nen in Ih­rem Le­ben, bei de­nen Sie sich rück­bli­ckend wün­schen, Sie hät­ten Nein ge­sagt?

Kai­ser: Da gab es vie­le. Ich ha­be man­che Ver­an­stal­tun­gen ge­macht, die ich bes­ser nicht ge­macht hät­te. Dann ha­be ich viel­leicht mal falsch ge­wohnt, war im fal­schen Ho­tel oder ha­be Leu­ten ver­traut, de­nen ich viel­leicht bes­ser nicht ver­traut hät­te.

Gibt es Lie­der, zu de­nen Sie im Nach­hin­ein lie­ber Nein ge­sagt hät­ten?

Kai­ser: Nein. Je­der Song hat­te sei­ne Be­rech­ti­gung zu sei­ner Zeit. Es gibt ei­ne ein­zi­ge Aus­nah­me, ein Lied, das ei­ne Art Fremd­kör­per ist in mei­ner Kar­rie­re und das ist „Sie­ben Fäs­ser Wein“. Das war ei­gent­lich für Rex Gil­do ge­dacht. Es ist das ein­zi­ge Stim­mungs­lied in mei­nem Le­ben und das passt da ein­fach nicht rein. Dar­um sin­ge ich es auf der Büh­ne nie.

„Jo­a­na“ist ja auch zu ei­nem ziem­li­chen Stim­mungs­lied ge­wor­den.

Kai­ser: Das war aber nicht mei­ne Schuld!

Fra­ge: Sie wa­ren vor ei­ni­gen Jah­ren ge­zwun­gen, nicht nur kürz­er­zu­tre­ten, son­dern sich kom­plett raus­zu­neh­men aus dem Ge­schäft. War­um woll­ten Sie dann wie­der auf die Büh­ne?

Kai­ser: Weil es mein Le­ben ist – es hat mich ein­fach wie­der da­hin­ge­zo­gen.

Fo­to: avs

Sein gro­ßer Hit „Sie­ben Fäs­ser Wein“war ei­gent­lich für Rex Gil­do ge­schrie­ben. Ro­land Kai­ser mag das Stim­mungs­lied nicht be­son­ders und singt es des­halb nie auf sei­nen Kon­zer­ten.

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