Ge­gen Be­cher­mas­sen

Ju­lia Post und ih­re Ak­ti­on für den „Kaf­fee to go again“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Ju­dith Issig

Je­de St­un­de lan­den in Deutsch­land 320 000 Kaf­fee­be­cher im Müll. Doch kaum je­mand nimmt dies als Um­welt­sün­de war. Ju­lia Post aus Mün­chen will das än­dern – mit Sti­ckern. In ih­rer Mit­tags­pau­se holt sich die Stu­den­tin gern ei­nen Cof­fee to go. Wie 70 Pro­zent al­ler Deut­schen. Aber sie trinkt ihn nicht aus dem Papp­be­cher, auch die De­ckel aus Plas­tik lässt sie lie­gen. Statt­des­sen hat die Stu­den­tin stets ih­ren Por­zel­lan­be­cher mit Si­li­kon­de­ckel in der Hand­ta­sche. „Den spü­le ich im Bü­ro wie­der aus“, sagt sie. Ju­lia Post hat im ver­gan­ge­nen Jahr das Pro­jekt „Cof­fee to go again“auf die Bei­ne ge­stellt. Das Kon­zept ist sim­pel: Ca­fés und Bä­cke­rei­en kle­ben ei­nen Sti­cker mit der Auf­schrift „Cof­fee to go again“an die Tür. Für die Kun­den das Zei­chen, dass sie sich hier ih­ren Kaf­fee in den ei­ge­nen mit­ge­brach­ten Mehr­weg­be­cher – aus Edel­stahl oder Por­zel­lan zum Bei­spiel – ein­schen­ken las­sen kön­nen. Mit­ma­chen kann je­der Be­trieb, der Kaf­fee zum mit­neh­men aus­schenkt - vom Bio-Fair­tra­de-Hips­ter-Ca­fé bis zum Bahn­hofs­ki­osk. Aus Neu­gier hat­te Post im ver­gan­ge­nen Jahr ge­goo­gelt, wie viel Müll die Kaf­fee­be­cher ver­ur­sa­chen, die sie sich je­den Tag holt. Sie hat fest­ge­stellt: „Das ist jen­seits von Gut und Bö­se.“Tat­säch­lich: 2,8 Mil­li­ar­den Ein­weg­be­cher wer­den nach An­ga­ben der Deut­schen Um­welt­hil­fe bun­des­weit jähr­lich ver­braucht. Nach 15 Mi­nu­ten ist der Kaf­fee aus­ge­trun­ken, dann lan­den die Be­cher im Müll: In nur ei­ner St­un­de wer­fen die Deut­schen im Durch­schnitt 320 000 Kaf­fee­be­cher weg. Ju­lia Post be­schloss, in Zu­kunft auf den Papp­be­cher zu ver­zich­ten. „Man muss bei sich selbst an­fan­gen“, sagt sie. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat sie 500 Sti­cker mit dem Lo­go von „Cof­fee to go again“dru­cken las­sen. Fast 70 Lä­den ma­chen in­zwi­schen mit: in Mün­chen und Ber­lin, Gar­misch-Par­ten­kir­chen, Augs­burg und Frank­furt zum Bei­spiel. Vie­le Kaf­fee­trin­ker däch­ten ein­fach nicht dar­an, dass die Be­cher ei­ne Be­las­tung für die Umwelt sei­en, sagt Post: „Die Be­cher sind aus Pap­pe, da den­ken vie­le, das wä­re öko­lo­gisch.“Tat­säch­lich be­ste­hen die Be­cher nur sel­ten aus Re­cy­cling­ma­te­ri­al. Au­ßer­dem sind sie mit Kunst­stoff be­schich­tet. Für die Her- stel­lung ei­nes ein­zi­gen Be­chers wird ein hal­ber Li­ter Was­ser ver­braucht, so die Deut­sche Um­welt­hil­fe er­mit­tel­te. Au­ßer­dem lan­den die Be­cher fast im­mer im Ver­bren­nungs­müll. Mit der Ak­ti­on „Be­cher­hel­den“ver­folgt auch die Deut­sche Um­welt­hil­fe das glei­che Ziel wie Ju­lia Post. Und wenn Ju­lia Post ein­mal den Be­cher ver­ges­sen hat oder die Hand­ta­sche zu klein ist? Dann trinkt sie ih­ren Kaf­fee ein­fach im Ca­fé – „to sit“.

Fo­to: avs

320 000 Kaf­fee­be­cher aus Pap­pe lan­den in Deutsch­land stünd­lich, ja stünd­lich, im Müll. Die Münch­ner Stu­den­tin Ju­lia Post bringt Steh­ca­fés und Bä­cke­rei­en da­zu, Mehr­weg­tas­sen zu ak­zep­tie­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.