Ein gro­ßer Tag für die „Bi­sons“

Als Au­ßen­sei­ter ins Po­kal-Fi­na­le

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Lan­ge­wei­le ist ver­mut­lich das größ­te Pro­blem für den deut­schen Män­nerVol­ley­ball. Das gilt für die Meis­ter­schaft ge­nau­so wie für den Po­kal. Der Kampf um den deut­schen Ti­tel et­wa ist seit 1998 ein Du­ell zwi­schen dem VfB Fried­richs­ha­fen und dem Ber­li­ner Ver­tre­ter (ehe­mals SSC Ber­lin, heu­te BR Vol­leys). In die­ser Zeit wur­de der Haupt­stadt­club fünf­mal deut­scher Meis­ter, 13 Ti­tel gin­gen an den Bo­den­see. Auch im Po­kal do­mi­nie­ren die „See­ha­sen“. In 13 End­spie­len gin­gen sie als Sie­ger vom Feld. Ge­stört wur­de die­se sport­li­che Mo­no­to­nie nur ein­mal vom SSC Ber­lin und gleich vier­mal von Ge­ne­ra­li Ha­ching, das sich al­ler­dings 2014 vom Pro­fi­vol­ley­ball zu­rück­ge­zo­gen hat.

Heu­te, 16.45 Uhr, Sport1: TV Bühl – BR Vol­leys

Soll­te es tat­säch­lich dem TV In­ger­soll Bühl ge­lin­gen, als kras­ser Au­ßen­sei­ter die Dau­er­do­mi­nanz der fi­nanz­star­ken Clubs (VfB Fried­richs­ha­fen; BR Vol­leys) zu bre­chen? Wie man die Ber­li­ner schla­gen kann, das weiß TVB-Chef­coach Ru­ben Wo­lochin ja be­reits. Erst­mals ge­lun­gen ist dies im Fe­bru­ar 2013. Mit 0:2 la­gen Mol­nar und Co da­mals ge­gen den Spit­zen­rei­ter zu­hau­se zu­rück, am En­de hieß es 3:2 für Bühl. Es war die ein­zi­ge Nie­der­la­ge der Ber­li­ner in den 20 Haupt­run­den­spie­len. Und beim TVB spiel­ten da­mals Ak­teu­re wie Mar­vin Pro­ling­heu­er, Bas van Bem­me­len, Axel Ja­cob­sen, Jo­el Bru­schwei­ler und Adam Whi­te. Nur ein ein­zi­ger Spie­ler der da­ma­li­gen Mann­schaft war beim nächs­ten Tri­umph ge­gen die BR Vol­leys noch an Bord: Da­vid Mol­nar. Der „Un­ver­wüst­li­che“stand auch beim 3:2-Sieg im Ja­nu­ar 2016 für die Ba­de­ner auf dem Feld. In Ehr­furcht er­star­ren wer­den die Spie­ler um Ka­pi­tän Da­vid Sos­sen­hei­mer al­so si­cher nicht, wenn man heu­te in der SAP-Are­na den ers­ten gro­ßen Ti­tel der Ver­eins­ge­schich­te ho­len will. Ob dies über­haupt ein rea­lis­ti­sches Ziel ist, be­ant­wor­tet TVB-Coach Ru­ben Wo­lochin ganz un­spek­ta­ku­lär aber prag­ma­tisch: „Wenn die Ber­li­ner bes­ser spie­len, ge­win­nen sie. Wenn wir bes­ser sind, ho­len wir den Cup.“Wo­bei un­strit­tig ist, dass die Mann­schaft von BR-Coach Ro­ber­to Ser­niot­ti si­cher ei­ne hö­he­re in­di­vi­du­el­le Qua­li­tät hat als das Büh­ler Team. Das aber wird durch die ju­gend­li­che Un­be­küm­mert­heit von Sos­sen­hei­mer und Co und den über­ra­gen­den Te­am­geist un­ter Um­stän­den wie­der aus­ge­gli­chen. Oder, um es auf ei­nen ein­fa­chen Nen­ner zu brin­gen: Der TV Bühl kann nur ge­win­nen, denn schon mit dem Fi­nal­ein­zug hat man Gro­ßes ge­leis­tet. Ein si­cher nicht un­er­heb­li­cher Fak­tor bei die­sem End­spiel dürf­te der Ein­fluss der Ku­lis­se sein. Ver­mut­lich wird die SAP-Are­na aus­ver­kauft sein, mehr als 12 000 Zu­schau­er wer­den dann auf den Tri­bü­nen sit­zen. Selbst für die Ber­li­ner ist dies un­ge­wohnt. Und so dürf­te die End­spiel-Pre­mie­re in Mann­heim für al­le Be­tei­lig­ten, al­so auch die bei­den Frau­en-Fi­na­lis­ten (MTV Stutt­gart und SC Dres­den), ein be­ein­dru­cken­des Er­leb­nis wer­den. Bühls Ka­pi­tän, der erst 19 Jah­re al­te Da­vid Sos­sen­hei­mer, hat die Ber­li­ner aber schon vor­ge­warnt: „Wir kön­nen als jun­ge Mann­schaft mit viel Kampf­geist dem Fa­vo­ri­ten ge­fähr­lich wer­den.“Drei­mal war für den TV In­ger­soll Bühl seit 2012 je­weils im Halb­fi­na­le Schluss – zwei­mal ge­gen den VfB Fried­richs­ha­fen und ein­mal ge­gen Ge­ne­ra­li Ha­ching. Im vier­ten An­lauf ha­ben es die „Bi­sons“aber ge­schafft und dür­fen un­ge­niert nach dem neu ge­stal­te­ten Cup grei­fen. Oder, wie sagt man beim TVB seit der Ar­gen­ti­ni­er Wo­lochin Trai­ner ist: „Va­mos – los geht’s“.

Beim TV Bühl baut man auf den Te­am­geist – da­mit will man sich heu­te im Po­kal-Fi­na­le ge­gen die in­di­vi­du­el­le Klas­se des Fa­vo­ri­ten aus Ber­lin durch­set­zen und den „Pott“ho­len. Fo­to: Steue­rer

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