Das Herz: Es schlägt und schlägt und schlägt …

Wis­sens­wer­tes über das Herz / Sind Ge­füh­le „ver­erb­bar“?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Tan­ja Ka­sisch­ke

Die Daumen­kup­pen bei­der Hän­de zu­sam­men­pres­sen, dass ih­re Spit­zen nach un­ten zei­gen, gleich­zei­tig die üb­ri­gen Fin­ger halb­rund an­win­keln, dass die Fin­ger­nä­gel auf­ein­an­der­lie­gen: Fer­tig ist das Herz! Egal wel­che Spra­che ein Mensch spricht, das Sym­bol er­kennt je­der – und freut sich dar­über. Ein Herz zeigt Gu­tes an! Die Herz-Ges­te mit den Hän­den kam 2010 auf, als Le­na Mey­er-Land­rut für Deutsch­land den Eu­ro­vi­si­on Song Con­test ge­wann. Mit dem Or­gan, das in der Brust ei­nes Men­schen schlägt, hat das Sym­bol kei­ne Ähn­lich­keit. Un­ser Herz ist ein Mus­kel, oval, et­wa so groß wie die ge­ball­te Faust ei­nes Men­schen, und in­nen hohl. Es zieht sich ab­wech­selnd zu­sam­men und pumpt sich wie­der auf, da­bei fließt Blut durch un­se­ren Kör­per und hält ihn am Le­ben. Die Blut­bah­nen ge­hen vom Her­zen ab. Das Blut trans­por­tiert Sau­er­stoff, der mit je­dem Herz­klop­fen sein Ziel im Kör­per er­reicht. Denn die Pump-Be­we­gung neh­men wir als Herz- schlag wahr. Beim Sport, wenn ein Mensch ner­vös ist oder Angst hat, klopft das Herz schnel­ler und pumpt zü­gi­ger. Mehr Sau­er­stoff im Blut macht den Kör­per leis­tungs­fä­hi­ger. Weg­lau­fen könn­te man da­durch auch schnel­ler. Wäh­rend wir schla­fen, ruht sich auch das Herz aus und ver­lang­samt sei­nen Schlag. Dass es kom­plett ab­schal­tet, pas­siert zum Glück nicht, denn so­bald ein Herz nicht mehr schlägt, stirbt der Mensch. Das Herz schläft dar­um nie. Es be­ginnt sei­ne Ar­beit be­reits acht Mo­na­te vor der Ge­burt ei­nes Kin­des, im Bauch der Mut­ter. Bei Er­wach­se­nen schlägt es 70- bis 80-mal pro Mi­nu­te, bei Kin­dern so­gar 100-mal. War­um aber ver­glei­chen Men­schen ei­nen Mus­kel mit dem Sym­bol der Lie­be? For­scher sind über­zeugt, dass bei Men­schen, die sich sym­pa­thisch sind, mit je­dem Herz­schlag po­si­ti­ve Ener­gie wie ein Fun­ke über­springt. Die US-Ärz­tin Mi­mi Guar­ne­ri fand her­aus, dass die­se po­si­ti­ve Ener­gie drei Me­ter weit spür­bar ist. Sie „über­lebt“so­gar, wenn der Mensch ge­stor­ben ist und vor­her ein­wil­lig­te, sein Herz ei­nem kran­ken Men­schen zu spen­den, der es in ei­ner Ope­ra­ti­on ein­ge- setzt be­kommt und da­mit über­le­ben kann. Er „erbt“des­sen Ge­füh­le. Mi­mi Guar­ne­ri ist über­zeugt, dass das Herz ein Ge­fühls­spei­cher ist. Wer von Her­zen han­delt, meint es ehr­lich und ist selbst glück­lich da­mit. Das Herz schlägt links in der Brust, das ist der Grund, war­um sich Sport­ler man­cher Na­tio-

Vie­le Sport­ler le­gen die Hand links auf die Brust

nen die Hand auf die lin­ke Brust­sei­te le­gen, wenn sie die Na­tio­nal­hym­ne sin­gen. Es ist ei­ne Ges­te, die Lie­be zur Hei­mat aus­drückt. Das Her­zsym­bol ent­stand aus ge­zeich­ne­ten, herz­för­mi­gen Blät­tern des Fei­gen­baums. Auch Efeu war ein Mo­tiv auf Bil­dern oder in Bü­chern, aus des­sen Laub sich die Herz­form er­gab. Die Pflan­ze war sehr ro­bust. Ge­nau­so wi­der­stands­fä­hig wünsch­te man sich die Lie­be. Vor 800 Jah­ren wur­den die ge­mal­ten Her­zen rot. An den Ur­sprung des Sym­bols als Pflan­ze er­in­nert der Aus­druck „mein Herz­blatt“.

Fo­to: avs

Durch das aus­ge­säg­te Herz in der Rü­cken­leh­ne ei­ner Holz­bank sind die schnee­be­deck­ten Ber­ge bei Ober­joch (Bay­ern) zu se­hen.

Fo­to: bilderbox

Im­mer wie­der schön: Die Her­zen, die es auf Jahr­märk­ten oder Rum­mel­plät­zen zu kau­fen gibt, sind mit den un­ter­schied­lichs­ten Sprü­chen ver­se­hen.

Fo­to: bilderbox

Ganz ein­fach zu ma­chen und als Sym­bol übe­r­all auf der Welt zu ver­ste­hen: Ein Herz, ge­formt aus zwei Hän­den. Ge­meint ist da­mit et­wa: Ich mag Dich!

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