der SONN­TAG bei...

Tho­mas Sey­boldt | Pia­nist und Lei­ter der Ett­lin­ger Schu­ber­tia­de

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Tho­mas Liebs­cher

Gut aus­schla­fen, aus­gie­big früh­stü­cken und dann set­ze ich mich ans Kla­vier und ge­he das Pro­gramm des Abends noch ein­mal aus­führ­lich durch. Da­nach tau­che ich si­cher et­was ab bis zum Auf­tritt. “So be­schreibt Tho­mas Sey­boldt sei­nen Sonn­tag­mor­gen, wenn er, wie heu­te, vor ei­nem „Heim­spiel“als Pia­nist steht. Nur we­ni­ge Mi­nu­ten be­nö­tigt der Ett­lin­ger, um von sei­nem groß­zü­gi­gen, hel­len Mu­sik­zim­mer mit Bö­sen­dor­fer-Flü­gel und Par­kett-Bo­den im al­ten Häu­schen über ein paar Stra­ßen ins Schloss zu ge­lan­gen. Im ge­die­ge­nen ba­ro­cken Am­bi­en­te des Asam­saals be­ginnt heu­te um 17 Uhr ein Kon­zert von Ba­ri­ton Hans Chris­toph Be­ge­mann und Tho­mas Sey­boldt am Kla­vier. Seit 25 Jah­ren wid­men sich bei­de ei­ner zar­ten Gat­tung der Kam­mer­mu­sik: dem leicht zu­gäng­li­chen, aber oft we­ni­ger be­ach­te­ten Lied. Heu­te ste­hen Wer­ke des be­rühm­ten zeit­ge­nös­si­schen Karls­ru­her Kom­po­nis­ten Wolf­gang Rihm auf dem Pro­gramm. Sei­ne Ver­to­nun­gen von Goe­the-Ge­dich­ten, die das Duo auch auf ei­ner neu­en CD ein­ge­spielt hat, wer­den er­gänzt von his­to­ri­schen Lie­dern (Kar­ten zu 38 Euro gibt es an der Abend­kas­se). „Das Zu­sam­men­spiel von Mu­sik, Text und per­sön­li­chem Aus­druck der Stim­me macht die be­son­de­re Her­aus­for­de­rung beim Lied aus. Es wuchs mir wäh­rend des Kla­vier­stu­di­ums ans Herz – vor al­lem in Ver­bin­dung mit Franz Schu­bert“, er­zählt Sey­boldt und be­tont: „Von ihm gibt es 600 Lie­der, al­le sind gut und 500 sind so­gar Meis­ter­wer­ke.“Wer sich so in das Schaf­fen des Klas­si­kers mit et­was stil­le­rer, ge­heim­nis­vol­le­rer Grö­ße ver­tieft, wagt auch un­ge­wöhn­li­che We­ge der Auf­füh­rung: Sey­boldt be­grün­de­te die „Schu­ber­tia­de“und führ­te von 1993 bis 2001 al­le 600 Lie­der auf. „Man­che sag­ten zu mei­ner Idee, es wä­re ei­ne fi­xe Idee. Si­cher gab es da­bei Durst­stre­cken, aber mit ei­ner Vi­si­on ging es im­mer wei­ter“, so der ge­bür­ti­ge Schwarz­wäl­der. Sei­ne ge­schick­te Zu­sam­men­set­zung der Kon­zer­te und die hoch­ka­rä­ti­gen Be­set­zun­gen ban­den vie­le Stamm­be­su­cher aus dem ge­sam­ten Süd­wes­ten an die Schu­ber­tia­de. Manch­mal oh­ne Schu­bert-Wer­ke wird das Fo­rum für Lied­kunst nun bis zu sechs Mal jähr­lich fort­ge­setzt. Ett­lin­gen und das Land Ba­den-Würt­tem­berg un­ter­stüt­zen die Rei­he. Oh­ne den Idea­lis­mus des Pia­nis­ten und eh­ren­amt­li­che Mu­sik­freun­de blie­be das Pro­jekt frei­lich nicht an­hal­tend er­folg­reich. Es kos­te­te den Mu­si­ker zwar et­was Haar­pracht, mehr­te aber auch sei­nen Ruhm in der Fach­welt. Zu­mal er auch über Schu­bert ver­öf­fent­licht. An Sonn­ta­gen oh­ne Kon­zert zieht es den Lied­be­glei­ter und sei­ne Be­glei­tung, Ehe­frau Hel­ga, So­pra­nis­tin, Mu­sik- und Be­we­gungs­päd­ago­gin, zum Spa­zie­ren in den Schwarz­wald. „Mög­lichst weit oben, mit Aus­sicht“. Sey­boldt schätzt zu­dem die Aus­sicht in un­vor­stell­ba­re Di­men­sio­nen. Er hat ein Fai­b­le für As­tro­no­mie und schaut auf zu den Ster­nen. Das schon lan­ge in Ett­lin­gen an­säs­si­ge Mu­si­ker­paar reist gern nach Frank­reich oder Ita­li­en. Nach Chi­na macht sich Sey­boldt ab und zu auf. Auch dort schätzt man den Pia­nis­ten und „sei­nen“Schu­bert.

Fo­to: Ar­tis

Der Pia­nist Tho­mas Sey­boldt rief 1993 die Schu­ber­tia­de in Ett­lin­gen ins Le­ben. Er pflegt im Schloss das „Fo­rum für Lied­kunst“. Auch heu­te ist dort ein Kon­zert der Rei­he zu er­le­ben.

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