An­ka­ra will Eu­ro­pa ent­las­ten

Bringt der EU-Tür­kei-Son­der­gip­fel zur Flücht­lings­kri­se den Durch­bruch?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Avs

Vor dem EU-Flücht­lings­gip­fel mit der Tür­kei zeich­net sich ab, dass An­ka­ra Mi­gran­ten oh­ne Asyl­an­spruch wie­der zu­rück­nimmt – und da­mit die Eu­ro­pä­er ent­las­tet. Laut EU-Rats­chef Do­nald Tusk geht es um Flücht­lin­ge, die auf dem See­weg nach Grie­chen­land noch in tür­ki­schen Ho­heits­ge­wäs­sern auf­ge­grif­fen wer­den. In Grie­chen­land will der Gou­ver­neur der Re­gi­on, die an Ma­ze­do­ni­en grenzt, den Not­stand aus­ru­fen. Grund ist die un­zu­rei­chen­de Ver­sor­gung von mehr als 10 000 Flücht­lin­gen, die rund um Ido­me­ni ste­cken ge­blie­ben sind, weil Ma­ze­do­ni­en die Bal­kan­rou­te weit­ge­hend ge­sperrt hat. Die grie­chi­sche Re­gie­rung schätzt die Ge­samt­zahl der im Land ge­s­tran- de­ten Mi­gran­ten auf gut 33 000. Täg­lich kä­men et­wa 1 900 Men­schen aus der Tür­kei hin­zu, hieß es beim Kri­sen­stab in At­hen. Die EU-Chefs tref­fen sich des­we­gen mor­gen mit dem tür­ki­schen Re­gie­rungs­chef Ah­met Da­vu­tog­lu. Die EU hofft, dass die Tür­kei da­für sorgt, dass bald deut­lich we­ni­ger Boots­flücht­lin­ge an­kom­men. Kürz­lich hat die Tür­kei zu­dem erst­mals seit län­ge­rem meh­re­re Hun­dert Mi­gran­ten aus dem Nach­bar­land zu­rück­ge­nom­men. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) warf der grie­chi­schen Re­gie­rung Ver­säum­nis­se in der Flücht­lings­kri­se vor. Ei­gent­lich ha­be Grie­chen­land zu­ge­sagt, bis En­de 2015 rund 50 000 Un­ter­brin­gungs­plät­ze zu schaf­fen, sag­te sie der „Bild am Sonn­tag“. „Der Rück­stand muss jetzt in Win­des­ei­le auf­ge­holt wer­den, denn die grie­chi­sche Re­gie­rung muss für men­schen­wür­di­ge Un­ter­kunft sor­gen.“Sie be­ton­te, dass da­für Un­ter­stüt­zung der EU-Part­ner nö­tig sei. Die ver­schärf­te Not­la­ge der ge­stran­de­ten Mi­gran­ten in Grie­chen­land las­te­te Mer­kel auch Ös­ter­reich und den Bal­kan­län­dern an. Die Staa­ten hat­ten ver­ab­re­det, die Bal­kan­rou­te weit­ge­hend ab­zu­schot­ten. In dem wil­den Flücht­lings­camp bei Ido­me­ni in Nord­grie­chen­land in­for­mier­ten Ver­tre­ter von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen die ver­zwei­fel­ten Mi­gran­ten, dass sie auch in bes­ser or­ga­ni­sier­ten Auf­nah­me­la­gern süd­lich der Gren­ze – wie et­wa dem 15 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Nea Ka­va­la – Un­ter­schlupf fin­den könn­ten. Die meis­ten wei­ger­ten sich aber um­zu­zie­hen. Sie hof­fen, dass Ma­ze­do­ni­en doch noch den Grenz­zaun öff­net. Pro Asyl warn­te, Grie­chen­land kön­ne den Men­schen vor al­lem aus Sy­ri­en, Af­gha­nis­tan und dem Irak we­der ein fai­res Asyl­ver­fah­ren ga­ran­tie­ren noch sie ver­sor­gen. „Hilfs­be­dürf­ti­ge dür­fen nicht kalt­lä­chelnd zum Zweck der Ab­schre­ckung wei­te­rer miss­braucht wer­den“, sag­te Ge­schäfts­füh­rer Günter Burk­hardt. Grie­chen­lands Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras will dar­auf be­ste­hen, dass Flücht­lin­ge auf al­le EU-Staa­ten ver­teilt wer­den.

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