„Es muss krib­beln“

Ein In­ter­view mit dem Kin­der­buch-Au­tor Dirk Petrick

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Für Au­to­ren­ta­len­te be­steht die größ­te Her­aus­for­de­rung da­rin, das ers­te Buch zu ver­öf­fent­li­chen. Dirk Petrick hat es 2009 ge­schafft! Vier wei­te­re Bü­cher sind seit­dem da­zu­ge­kom­men, und dass je­des­mal ein Lek­tor mit kri­ti­schen Blick sei­ne Tex­te liest, ehe sie ge­druckt wer­den, fin­de er so­gar gut, ver­riet der 35-Jäh­ri­ge dem SONN­TAG in ei­nem aus­führ­li­chen In­ter­view. Sein Tipp für Nach­wuchs­schrift­stel­ler: Ne­ben der Freu­de am Schrei­ben auch Spaß an Le­sun­gen mit­brin­gen, die ge­hö­ren eben­falls da­zu! Wenn Dirk Petrick nicht schreibt oder liest, steht er als Schau­spie­ler auf der Büh­ne, spricht Hör­spie­le oder syn­chro­ni­siert TVSe­ri­en.

Ich hat­te ein­fach Glück, von Ver­la­gen un­ter­stützt zu wer­den. Das kommt schon ei­nem Lot­to­ge­winn gleich. Ein biss­chen En­ga­ge­ment ge­hört na­tür­lich da­zu, denn ne­ben dem Text ver­kauft man als Au­tor sich selbst. Mei­nen ers­ten Ver­le­ger ha­be ich auf der Leip­zi­ger Buch­mes­se ken­nen­ge­lernt, die ich je­des Jahr im März be­su­che. Denn es war­ten noch ei­ni­ge Ma­nu­skrip­te in der Schub­la­de!

Grund­sätz­lich ist es ein tol­les Ge­fühl, neue Wel­ten zu er­schaf­fen. Das wirkt mo­ti­vie­rend. Ei­nen lan­gen Atem muss man aber mit­brin­gen. Wie ein Ar­chi­tekt, der ein Haus plant, hat der Au­tor ei­ne Vi­si­on die Zeit braucht, bis sie ver­wirk­licht ist. Manch­mal bleibt sie auch nur ei­ne gu­te Idee auf dem Pa­pier. Da­von aus­zu­ge­hen, dass je­de Ge­schich­te ver­öf­fent­licht wer­den muss, schafft nur un­nö­ti­gen Druck.

Ich schrei­be am Schreib­tisch im Ar­beits­zim­mer. Im Mo­ment tip­pe ich al­ler­dings auf mei­ner Wohn­zim­mer­couch mit dem Lap­top auf den aus­ge­streck­ten Bei­nen. Im Ca­fé wä­re es mir wahr­schein­lich zu laut, ich brau­che Ru­he beim Schrei­ben.

Bei­des! Die Ge­schich­ten schrei­be ich di­rekt am Com­pu­ter. Die Ide­en sprin­gen mich meist un­ter­wegs an, des­halb ha­be ich ein klei­nes schwar­zes No­tiz­buch bei mir, um sie fest­zu­hal­ten.

Am Krib­beln im Bauch! Ich muss dann ein­fach schrei­ben und so­lan­ge es sich gut an­fühlt, ist al­les in Ord­nung. Es gab aber auch schon An­sät­ze, bei de­nen nach ei­ner Sei­te Schluss war. Meist be­ginnt es bei mir mit ei­ner be­son­de­ren Fi­gur, ei­ner Fee zum Bei­spiel, die gar nicht wie ei­ne rich­ti­ge Fee aus­sieht, son­dern et­wa wie ein Troll. Da fra­ge ich mich: Sah sie schon im­mer so aus? Wo ist sie zu Hau­se? Lebt sie al­lei­ne? Fin­de ich Ant­wor­ten auf die Fra­gen und zie­hen die mich in ih­ren Bann, wird dar­aus ei­ne Ge­schich­te.

Als Kind war ich von Zau­ber­ge­schich­ten fas­zi­niert – als Er­wach­se­ner bin ich es noch im­mer. Ich kann nicht sa­gen, war­um das so ist. Viel­leicht weil wir nur durch Ge­schich­ten er­fah­ren, wie es ist, auf ei­nem Be­sen zu flie­gen oder wie spre­chen­de Bäu­me klin­gen.

Ich schrei­be de­fi­ni­tiv li­ne­ar, fan­ge beim An­fang an und hö­re beim En­de auf. Den Schluss ha­be ich zu Be­ginn ganz sel­ten kon­kret vor Au­gen. Meist än­dert sich die Hand­lung beim Schrei­ben. Ich er­le­be sie mit.

Ehr­lich ge­sagt hat mich die Ar­beit mit den Lek­to­ren eher be­flü­gelt als frus­triert. Ich hat­te das Ge­fühl, dass die An­mer­kun­gen der Ge­schich­te und dem künf­ti­gen Buch nut­zen. Ich ge­be mei­ne Ma­nu­skrip­te au­ßer­dem Men­schen aus mei­nem Um­feld vor­ab zum le­sen, be­vor ich die Tex­te an Ver­la­ge schi­cke. Nur die Mei­nung mei­ner Mut­ter klam­me­re ich aus. Sie ist näm­lich par­tei­isch und im­mer be­geis­tert.

Kin­der­buch­au­tor Dirk Petrick braucht beim Schrei­ben Ru­he. Fo­to: Micha­el Cle­mens

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