U2 lässt grü­ßen

Sight­see­ing-Tou­ren per Rad durch Du­blin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB -

Wir sind ei­ne iri­sche Band. Wir kom­men aus Du­blin Ci­ty, Ir­land mit die­sen Wor­ten be­grüß­te U2Front­sän­ger Bo­no das Pu­bli­kum beim welt­be­we­gen­den Li­ve-Aid-Kon­zert 1985. Heu­te ge­nießt die Band U2 in Du­blin Kult­sta­tus und fast ei­nen grö­ße­ren Be­kannt­heits­grad als die be­rühm­ten Schrift­stel­ler Ja­mes Joy­ce, Sa­mu­el Be­ckett und Os­car Wil­de, eben­falls ech­te Du­bli­ner. Grund ge­nug, mit Ju­li­an Vi­gn­o­les „U2’s Du­blin“zu ent­de­cken – per Fahr­rad und am Sonn­tag, denn dann hält sich der Du­bli­ner Ver­kehr in er­träg­li­chen Gren­zen. Ju­li­an traf in sei­nem Ar­beits­le­ben als Mu­sik­re­dak­teur und Ra­dio­mo­de­ra­tor mehr­mals auf die Band und kennt ih­re Ge­schich­te und Hei­mat­stadt aus dem Eff­eff. Un­ver­ges­sen bleibt ihm die Sze­ne, als der Band-Lea­der beim Ver­ab­schie­den mit sei­ner schwe­ren Le­der­ja­cke im Hör­funk­stu­dio aus Ver­se­hen den Plat­ten­tel­ler streif­te. Das kras­se Kratz­ge­räusch hör­te da­mals wohl ganz Ir­land mit. Ju­li­an be­lebt sei­nen vor­ge­zo­ge­nen Ru­he­stand mit Sight­see­ing-Tou­ren durch Du­blin und ins Um­land – stets mit dem Fahr­rad. Sein Lieb­lings­the­ma heißt auf je­den Fall „U2’s Du­blin“. Da­bei führt er sei­ne Gäs­te auch an High­lights der Me­tro­po­le vor­bei, wie et­wa der St. Patrick’s Ca­the­dral. Schließ­lich be­such­te Bo­no ein Jahr lang die be­nach­bar­te St. Patrick’s Gram­mar School. Au­ßer­dem sol­len die Stadt­rad­ler ei­nen Ein­blick in die Ge­schich­te und den Cha­rak­ter Du­blins er­hal­ten, des­halb führt die Rou­te un­ter an­de­rem zu Du­blin Cast­le, dem his­to­ri­schen Herz­stück der Ci­ty, und zur alt­ehr­wür­di­gen Guin­ness-Braue­rei mit ih­rem ul­tra­mo­der­nen Bier­mu­se­um. Die ZweiSt­un­den-Tour für die Fans von Ir­lands be­deu­tends­ter Rock­band und ih­rer Hei­mat- stadt star­tet im Ca­fé Rothar, was so viel be­deu­tet wie Fahr­rad­ca­fé. Ca­fé ist – ehr­lich ge­sagt – et­was ir­re­füh­rend: Im klei­nen La­den in der Fa­de Street, ei­nem schnu­cke­li­gen Sträß­chen hin­ter der Ein­kaufs­mei­le Graf­ton Street, wird eher ge­schraubt und ge­fach­sim­pelt. Das heißt, die Kun­den un­ter­hal­ten sich mit dem Mon­teur, lei­hen sich ei­nes der Se­con­dHand-Rä­der aus oder ge­hen eben per Fahr­rad auf Du­blin-Sight­see­ing. Ju­li­an ver­teilt an die Mi­t­rad­ler blaue Warn­wes­ten und er­in­nert vor­sichts­hal­ber noch­mals, dass in Ir­land links ge­fah­ren wird. Aber noch wich­ti­ger als si­che­res Rad­fah­ren ist Ju­li­an das Du­blin der Rock­bands, ins­be­son­de­re U2. Die Ge­schich­ten und An­ek­do­ten spru­deln förm­lich aus ihm her­aus. Man be­kommt fast Angst, dass er beim Ges­ti­ku­lie­ren vom Rad fällt: Wel­che Ein­flüs­se form­ten die Mu­sik der Band? Wie war Du­blin, als in den 70er­und 80er-Jah­ren U2 be­rühmt wur­de? An der Stel­le des schi­cken Ste­phen­son’s Gre­en Shop­ping Cent­re stand frü­her et­wa das Dan­de­li­on Mar­ket Park­haus, wo U2 ih­re ers­ten gro­ßen Auf­trit­te hat­ten. Die Wind­mill La­ne Stu­di­os, wo die ers­ten Er­folgs­plat­ten von U2, aber auch Mu­sik von Van Mor­ri­son und Si­néad O’Con­nor auf­ge­nom­men wur­de, fiel kürz­lich dem Ab­riss­bag­ger zum Op­fer. Aber die Schleu­se am Grand Canal, wo das Al­bum-Co­ver von „Oc­to­ber“fo­to­gra­fiert wur­de, exis­tiert nach wie vor. Apro­pos Paul Da­vid Hew­son ali­as Bo­no: Der Künst­ler­na­me grün­det auf Bo­na­vox – was im La­tei­ni­schen so viel wie gu­te Stim­me be­deu­tet –, ei­nem Ge­schäft für Hör­hil­fen in der Earl Street North. Di­rekt ge­gen­über steht die Bron­ze­sta­tue zur Er­in­ne­rung an ei­nen an­de­ren be­rühm­ten Sohn Du­blins, Ja­mes Joy­ce. Er gilt als ei­ner der wich­tigs­ten Ver­tre­ter der li­te­ra­ri­schen Mo­der­ne. Selbst­ver­ständ­lich streift die U2-Tour auch The Cla­rence, das zu­rück­hal­tend ele­gan­te Bou­tique-Ho­tel di­rekt am Ri­ver Lif­fey. Das Haus wur­de 1852 ge­baut und ist seit 1992 in Be­sitz von Bo­no und Gi­tar­rist The Edge. Die Oc­t­a­gon Bar im Haus gilt bis heu­te als Treff­punkt der Du­bli­ner Sze­ne. Die Chan­ce, ei­nes der Mit­glie­der von U2 dort an­zu­tref­fen, so­fern sie sich in Du­blin auf­hal­ten, sei sehr hoch, meint Ju­li­an, und da­her sei der Be­such der Bar ein Muss für den wah­ren U2-Fan. Ju­li­an Vi­gn­o­les führt sei­ne ra­deln­den Gäs­te auch et­was weg von der In­nen­stadt am Ri­ver Lif­fey ent­lang hin­aus ins neue Dock­lan­dVier­tel. Nach dem Pas­sie­ren der spek­ta­ku­lä­ren Sa­mu­el Be­ckett Bridge stoppt er sein Rad vor ei­nem un­schein­ba­ren grau­en Stahl­tor mit Graf­fi­ti­ve­r­zie­rung. Da­hin­ter ver­birgt sich das hy­per­mo­der­ne Ha­no­ver Stu­dio der Band. Lei­der kein Zu­tritt! Zur Ver­tie­fung des mu­si­ka­li­schen Wis­sens emp­fiehlt Ju­li­an im An­schluss noch ei­nen Be­such im Irish Rock ’n’ Roll Mu­se­um im Ver­gnü­gungs­vier­tel Temp­le Bar. Die knall­ro­te Haus­wand, die „Wall of Fa­me“, zie­ren dort rie­si­ge Schwarz-Weiß-Fo­tos der Irish Mu­sic Royal­ty mit Rock­stars, wie Van Mor­ri­son, Ro­ry Gal­lag­her und Phil Lynott von Thin Liz­zy. Das größ­te Bild zeigt na­tür­lich das jun­ge Quar­tett von U2.

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen:

Du­blins Ver­gnü­gungs­vier­tel: Im Tem­pel-Bar-Be­zirk gibt es je­de Men­ge Re­stau­rants und Mu­sik­klubs, wo bis spät in die Nacht li­ve mu­si­ziert wird. Fo­to: Herb

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