El­ger Es­ser: Fo­to­graf al­ter Schön­heit

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - El­ger Es­ser | Fo­to­graf Tho­mas Liebs­cher

Um in Frank­reich zu den Or­ten sei­ner Mo­ti­ve zu ge­lan­gen, nutzt El­ger Es­ser ei­nen „selbst­prä­pa­rier­ten Mi­che­linAt­las“. „Ich ha­be mir da­rin für je­weils ei­ne Re­gi­on je­ne Or­te mar­kiert, die noch Ur­sprüng­lich­keit zei­gen, wo es klei­ne Ka­pel­len gibt oder Na­tur­be­son­der­hei­ten wie ganz al­te Bäu­me“, be­schreibt der Fo­to­graf die Vor­be­rei­tung für die „Di­enst­rei­sen“. Sind die aus­ge­wähl­ten Or­te er­reicht, über­nimmt das per­sön­li­che Au­ge die Re­gie, das recht schnell ent­deckt, wel­ches Bild den künst­le­ri­schen Vor­stel­lun­gen ent­spre­chen kann. El­ger Es­ser fo­to­gra­fiert in Schwarz-Weiß mit ei­ner Groß­bild­ka­me­ra, Schwei­zer Fa­b­ri­kat. Vie­le sei­ner 75 Fo­tos, die der­zeit un­ter dem Ti­tel „Zei­ti­gen“in der Kunst­hal­le Karls­ru­he aus­ge­stellt sind, zei­gen stei­ner­ne Dorf­häu­ser in Frank­reich, al­te Brü­cken, Kir­chen­por­ta­le und meist sa­kra­le In­nen­räu­me. Hin­zu kom­men Wald­im­pres­sio­nen, viel­leicht mit Pfer­den un­ter den Bäu­men. Aber nie mit Men­schen. Ma­gi­sche At­mo­sphä­ren des Er­in­nerns er­zeu­gen die sorg­fäl­tig kom­po­nier­ten Auf­nah­men. El­gers Kunst knüpft an Tra­di­tio­nen und Prot­ago­nis­ten der Ma­le­rei und der frü­hes­ten Fo­to­gra­fen an. Das al­te Tief­druck­ver- fah­ren der He­lio­gra­vü­re er­mög­licht feins­te Farb­nu­an­cen und lan­ge Halt­bar­keit des Kunst­werks. „Wie bei ei­ner Ra­die­rung von Dü­rer“, ver­gleicht Es­ser. „Es gibt nur drei Werk­stät­ten in Eu­ro­pa, die die­ses Ver­fah­ren bei so gro­ßen Bil­dern an­wen­den kön­nen. Sie fin­den sich in Ko­pen­ha­gen, Wi­en und Ma­drid“, er­zählt der 1967 in Stutt­gart ge­bo­re­ne Künst­ler. Gera­de er­hielt er den Gro­ßen Staats­preis für Bil­den­de Kunst des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg, be­nannt nach Os­kar Schlem­mer. Zu Hau­se ist El­ger Es­ser in Düs­sel­dorf. „Der Sonn­tag ge­hört dann meist der noch jun­gen Fa­mi­lie. Was ich am Wohn­ort in dem Bal­lungs­raum schät­ze, ist die Fül­le an Kunst­mu­se­en, die rasch zu er­rei­chen sind“. Der Fo­to­graf sucht gern den Aus­tausch mit den Künst­lern an­de­rer Gen­res und schätzt es, die Oper zu be­su­chen. Von 2006 bis 2009 hat­te er ei­ne Pro­fes­sur für Fo­to­gra­fie an der Karls­ru­her Hoch­schu­le für Gestal­tung. „Ei­ne span­nen­de Zeit war das. Die Leh­re hat mir viel Freu­de ge­macht und es gibt auch noch Kon­tak­te zu Schü­lern von da­mals, aber die Um­stän­de an der Hoch­schu­le wa­ren nicht die frucht­bars­ten, des­halb blieb es bei den vier Jah­ren“, bi­lan­ziert El­ger. Er kann sich nicht mehr vor­stel­len, wie frü­her Fo­to­gra­fi­en auch in Deutsch­land auf­zu­neh­men. Für sei­ne Ar­bei­ten sucht er „Sehn­suchts­län­der“wie Ita­li­en und Frank­reich auf. Aus Ägyp­ten brach­te er, wie in der bis 10. Ju­li dau­ern­den Karls­ru­her Schau zu se­hen ist, Farb­fo­to­gra­fi­en mit. Fern ab von Eu­ro­pa schaff­te Es­ser den Durch­bruch mit sei­nen Bil­dern – ei­ne Aus­stel­lung 1999 in New York mach­te ihn be­rühmt. In Grie­chen­land und Si­zi­li­en möch­te er die nächs­ten Auf­nah­men ern­ten. „Wenn ich, wie bei mei­nen Frank­reich­fahr­ten, ein Mo­tiv ge­fun­den ha­be, dann muss die Auf­nah­me auch schnell ge­hen. Nach zehn Mi­nu­ten geht es wei­ter zum nächs­ten ru­hi­gen Ort, und nach 14 Ta­gen auf sol­chen Rei­sen ist mei­ne Fest­plat­te im Kopf voll ge­nug“.

El­ger Es­ser er­zeugt mit sei­nen Fo­to­gra­fi­en ma­gi­sche At­mo­sphä­ren des Er­in­nerns. Die meis­ten sei­ner Auf­nah­men sind in Schwarz-Weiß. Der­zeit stellt er in der Kunst­hal­le Karls­ru­he aus. Fo­to: Deck/avs

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