Im­mer wie­der Ber­lin – Gröt­zin­gen

Fried­rich Kall­mor­gen: Ein Ma­ler mit mit fast le­bens­lan­ger Lie­be zum Ba­di­schen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Tho­mas Liebs­cher

Wir sind ge­wohnt Kall­mor­gen, ob­gleich er jetzt schon über acht Jah­re in Ber­lin lebt und wirkt, als ei­nen ‚Karls­ru­her’ zu be­trach­ten. Nicht et­wa nur dar­um, weil er ei­nen Groß­teil sei­nes Le­bens in der ba­di­schen Kunst­stadt zu­ge­bracht hat, son­dern weil das meis­te von dem, was eben über sei­ne Ei­gen­art ge­sagt wur­de, haar­scharf auf die gro­ße und ein­fluss­rei­che Schu­le zu­trifft, die sich dort am En­de des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts bil­de­te.“So wur­de der Ma­ler und Aka­de­mie­pro­fes­sor Fried­rich Kall­mor­gen 1910 in der Ber­li­ner Zeit­schrift „Kunst für al­le“cha­rak­te­ri­siert. Beim kunst­kri­ti­schen Blick von der Haupt­stadt nach Ba­den, aber gar nicht von oben her­ab, sah Max Os­born au­ßer­dem ei­nen kla­ren Ein­fluss der fran­zö­si­schen Ma­le­rei des Im­pres­sio­nis­mus in der Karls­ru­her Kunst­schu­le: „Die aus­län­di­schen Kei­me, die an­ge­pflanzt wur­den, blüh­ten kräf­tig auf, Pa­ris war na­he ge­nug, um für ih­re Pfle­ge ei­ne im­mer neue Kon­trol­le zu er­mög­li­chen, aber zu­gleich war auch die ober­rhei­ni­sche Land­schaft mäch­tig ge­nug, um mit ih­rer weit­räu­mi­gen Grö­ße, ih­rer war­men Son­ne, ih­ren stol­zen Li­ni­en und ih­rer kla­ren Luft die Karls­ru­her Ma­ler in ih­ren Bann zu zie­hen.“Zwi­schen Rea­lis­mus und Im­pres­sio­nis­mus sind die Ge­mäl­de Fried­rich Kall­mor­gens an­ge­sie­delt – so heißt denn auch die am Frei­tag­abend be­gin­nen­de gro­ße Karls­ru­her Aus­stel­lung über al­le sei­ne Schaf­fens­pha­sen. Die Städ­ti­sche Ga­le­rie braucht kein Ju­bi­lä­um, um ei­ne der füh­ren­den Künst­ler­per­sön­lich­kei­ten im Deut­schen Kai­ser­reich zu wür­di­gen. Es gibt vie­le an­de­re Grün­de, den Ma­ler von Land­schaf­ten und Stadt­im­pres­sio­nen aus­führ­lich vor­zu­stel­len: Der 1856 im da­mals dä­ni­schen Al­to­na bei Ham­burg ge­bo­re­ne Sohn ei­nes Mau­rer­meis­ters stu­dier­te nach 1877 Ma­le­rei in Karls­ru­he und blieb in der Stadt. Hier hei­ra­te­te er 1882 die Blu­men- und Still­le­ben­ma­le­rin Mar­ga­re­the Hor­muth-Eber. Nach­dem bei­de auf ei­nem Hang­grund­stück in Gröt­zin­gen 1889 ih­ren Som­mer­sitz „Haus Ho­hen­grund“be­zo­gen, war die Ba­sis für die Gröt­zin­ger Ma­ler­ko­lo­nie ge­legt. Vie­le Kol­le­gen wohn­ten in der na­hen Au­gus­ten­burg. Kall­mor­gen wur­de ers­ter Prä­si­dent des Karls­ru­her Künst­ler­bun­des, er­hielt 1902 ei­ne Be­ru­fung als Ma­ler­pro­fes­sor nach Ber­lin und blieb ein füh­ren­der Kopf im tra­di­tio­nel­len Kul­tur­be­trieb. Was den Künst­ler nicht dar­an hin­der­te, ei­ge­nen Ge­dan­ken an Qua­li­tät Durch­bruch zu ver­schaf­fen. Er durf­te die Aus­stel­lung zum 25-jäh­ri­gen Thron­jubli­lä­um Kai­ser Wil­helms II. zu­sam­men­stel­len. Der Mon­arch be­fand aber, zwei Drit­tel der Wer­ke hät­te man weg­las­sen kön­nen. Im­mer wie­der in sei­ner Ber­li­ner Zeit kehr­te der Ma­ler über Som­mer in sei­ne Wahl­hei­mat Gröt­zin­gen zu­rück. Dort sam­mel­te er dörf­li­che Mo­ti­ve, wan­der­te in den Ber­gen und Hü­geln und mal­te stim­mungs­vol­le Bil­der von der Groß­stadt in al­len Jah­res­zei­ten: Zu se­hen sind die Karls­ru­her Kriegs­stra­ße im Schnee, ein Bahn­über­gang am Mühl­bur­ger Tor, der Ge­schirr­markt vor der heu­ti­gen Kunst­hal­le oder die Über­schwem­mung des Rheins bei Knie­lin­gen. Da­ne­ben wid­me­te er sich der ma­le­ri­schen Ver­ar­bei­tung sei­ner un­glaub­lich vie­len Rei­sen durch Eu­ro­pa. Wo­bei er von Hol­land schwärm­te und von Ita­li­en ent­täuscht war. Dort herr­sche zu gu­tes Wet­ter, um Stim­mun­gen von Wol­ken und Him­mel ein­zu­fan­gen.

Städ­ti­sche Ga­le­rie zeigt bald 220 Wer­ke

„Ob­wohl Kall­mor­gen ei­nen her­aus­ra­gen­den Platz in der Kunst­land­schaft des Süd­wes­tens ein­nimmt, fand die bis­lang letz­te Ein­zel­aus­stel­lung in Karls­ru­he noch zu Leb­zei­ten statt, das war 1922“, sagt Ur­su­la Mer­kel von der Städ­ti­schen Ga­le­rie Karls­ru­he. Wenn nun 220 Wer­ke des 1924 in Gröt­zin­gen ver­stor­be­nen und be­gra­be­nen Ma­lers prä­sen­tiert wer­den kön­nen, dann dank Rol­fMi­co Ka­let­ta. Der Kauf­mann im Ru­he­stand hat zahl­rei­che Kall­mor­gen-Wer­ke zu­sam­men­ge­tra­gen. „Ganz harm­los be­gon­nen hat mei­ne Samm­ler­wut vor 30 Jah­ren“, er­zählt Ka­let­ta dem SONN­TAG. „Ich rich­te­te ei­ne neue Woh­nung in Ham­burg ein, und woll­te mir ein Ha­fen-Bild an die Wand hän­gen. In ei­ner Ga­le­rie hat­te es mir ein Bild mit sei­nen Far­ben und sei­ner Wol­ken­bil­dung be­son­ders an­ge­tan. Ich kauf­te es, war be­geis­tert und be­gann, mich für den Ma­ler zu in­ter­es­sie­ren – Fried­rich Kall­mor­gen.“Die­ser hat sich vom Ha­fen der Han­se­stadt in zahl­rei­chen Wer­ken in­spi­rie­ren las­sen. Übers Mu­se­um Al­to­na lern­te Ka­let­ta ei­nen Kunst­his­to­ri­ker ken­nen. Der er­wähn­te, dass ein En­kel von Kall­mor­gen noch in Walz­bach­tal-Wösch­bach leb­te. „Und so stand ich En­de der 1990er Jah­re vor der Tür von Hans Kn­ab“, er­in­nert sich der Samm­ler. Fast wä­re

Samm­ler Rolf Ka­let­ta er­mög­licht Aus­stel­lung

nichts aus ei­ner län­ge­ren Freund­schaft ge­wor­den, wenn nicht ein gro­ßer Zu­fall mit­ge­spielt hät­te: Die Le­bens­ge­fähr­tin des Ma­ler-En­kels kann­te den Bu­ben Ka­let­ta noch aus Lü­ne­burg – das hat al­les Eis ge­bro­chen. „Hans Kn­ab hat mir Bil­der ver­mit­telt und ver­kauft. Au­ßer­dem führ­te er mich zu vie­len Plät­zen, an de­nen Kall­mor­gen wohl ge­ses- sen ist und ge­malt hat.“Bis zum To­de des En­kels ist der Samm­ler je­des Jahr in den Kraich­gau ge­fah­ren und hat die Um­ge­bung von Gröt­zin­gen schät­zen ge­lernt. Ka­let­ta ist nun be­geis­tert, dass sein Ziel, „ei­nen sol­chen Meis­ter wie Kall­mor­gen be­kann­ter zu ma­chen“durch die Karls­ru­her Aus­stel­lung mit ver­wirk­licht wird.

„Der Tauf­gang“nann­te Fried­rich Kall­mor­gens die­ses Ge­mäl­de aus dem Jahr 1887. Es zeigt wohl ei­ne Sze­ne aus dem Mark­gräf­ler­land süd­lich Frei­burgs. Samm­lung Ka­let­ta/Fo­to: pr

Füh­ren­de Künst­ler­per­sön­lich­keit im Kai­ser­reich: Fried­rich Kall­mor­gen (1865 bis 1924). Fo­to: pr

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