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Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Bri­zi

Dass sie es kann, be­weist Ju­li Zeh seit mehr als 15 Jah­ren. Jetzt hat die 41jäh­ri­ge, mehr­fach aus­ge­zeich­ne­te Au­to­rin („ Ad­ler und En­gel“, „Spiel­trieb“) mit „Un­ter­leu­ten“ei­nen Ge­sell­schafts­ro­man ge­schrie­ben. Für sie ist das die Kö­nigs­dis­zi­plin. Das pro­vo­ziert na­tür­lich die Fra­ge: Kann Ju­li Zeh das auch? Die Au­to­rin hat ih­re Ge­schich­te in der bran­den­bur­gi­schen Ost­p­ri­gnitz an­ge­sie­delt, im Dorf Un­ter­leu­ten. Es liegt auf der Hand, dass Fi­gu­ren mit DDR-Ver­gan­gen­heit auf­tre­ten. Da­zu kom­men Zu­züg­ler aus dem Wes­ten, et­wa ei­ne jun­ge Pfer­de­n­är­rin und ein rei­cher Grund­stücks­spe­ku­lant. Je­der hat sei­ne ei­ge­ne Wahr­heit, sei­ne Ge­schich­te, sei­ne Sicht auf die Din­ge. Schnell ahnt man, dass im idyl­li­schen Un­ter­leu­ten gar nichts gut ist. Als dann ein Un­ter­neh­men ei­nen Wind­park er­rich­ten will, ge­rät das Dorf voll­ends aus den Fu­gen. Der Ge­sell­schafts­ro­man zielt per De­fi­ni­ti­on auf die Zeit­ge­schich­te. Ju­li Zeh ist in Un­ter­leu­ten al­so ganz rich­tig, wenn sie deutsch-deut­sche His­to­rie und Ge­gen­wart, die emo­tio­nal ge­führ­te De­bat­te um Wind­rä­der, Bo­den­spe­ku­la­ti­on und an­de­res auf­greift. Und: Sie kann auch ei­nen gut les­ba­ren Ge­sell­schafts­ro­man über ei­ne fra­gi­le Dorf­ge­mein­schaft.

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