Un­garn am Mit­tel­meer

Die Kvar­ner Bucht lockt mit Pracht­bau­ten der K.-und-k.-Mon­ar­chie

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB -

Ge­stat­ten, Alex­an­der der Klei­ne, so stellt sich der freund­li­che Frei­zeit­ka­pi­tän mit den strah­len­den Au­gen hin­ter ei­ner rie­si­gen Horn­bril­le auf sei­nem klei­nen Mo­tor­boot vor. Noch wei­te­re drei Boo­te düm­peln im ru­hi­gen Ha­fen­was­ser des ma­le­ri­schen Fi­scher­dörf­chens Vo­lo­sko. Da­bei ha­ben die Rei­sen­den die vier schnel­len Sport­boo­te an die­sem son­ni­gen Früh­lings­mor­gen ge­mie­tet, um bei ei­nem Ta­ges­aus­flug mög­lichst schnell die lan­gen We­ge in der Kvar­ner-Bucht an der obe­ren Adria in Kroa­ti­en zu meis­tern. Schnell ha­ben sich al­le auf den of­fe­nen Boo­ten mit den schüt­zen­den Son­nen­dä­chern ver­teilt und die Ar­ma­da ver­lässt den klei­nen Ha­fen hin­über zum Nach­bar­ort Opa­ti­ja. Ein kur­zer Blick vom Was­ser aus auf die Adria-Ufer­pro­me­na­de „Lun­go­ma­re“im eins­ti­gen See­bad Ab­ba­zia, dem heu­ti­gen Opa­ti­ja. Die mon­dä­ne Kur­stadt wur­de be­reits im Jah­re 1889 durch kai­ser­li­ches De­kret zum heil­kli­ma­ti­schen Ku­r­ort er­klärt und avan­cier­te zu ei­nem der be­rühm­tes­ten See­bä­der und Treff­punkt der High So­cie­ty der K.-und-k.-Mon­ar­chie. Jetzt dreht die klei­ne Flot­te vom Kai­ser­bad ab, um mit vol­lem Tem­po hin­über ins weit ent­fern­te Ri­je­ka zu fah­ren. In die Ha­fen­stadt, die in­ten­siv an ih­rer Be­wer­bung ar­bei­tet, um im Jahr 2020 EU-Kul­tur­haupt­stadt zu wer­den. Da­bei ist der ers­te Ein­druck mit den vie­len Hoch­häu­sern aus der eins­ti­gen So­zia­lis­ti­schen Re­pu­blik Kroa­ti­en nicht gera­de ein­la­dend. Das al­te, ver­fal­le­ne Tor­pe­do­werk in der Ha­fen­ein­fahrt – in dem 1866 der ers­te Tor­pe­do ge­baut wur­de und spä­ter 9 000 Mit­ar­bei­ter ar­bei­te­ten – ver­stärkt die­sen Ein­druck noch. Ei­ni­ge Boots­schrau­benUm­dre­hun­gen wei­ter je­doch über­ra­schen wun­der­schö­ne, mäch­ti­ge Pracht­bau­ten aus un­ga­ri­scher Zeit. Bis 1913 zähl­te das Ha­fen­be­cken zu ei­nem der zehn größ­ten und be­deu­tends­ten Hä­fen Eu­ro­pas. Da­mals gab es auf dem Was­ser­weg ei­ne Di­rekt­ver­bin­dung mit New York. Wie­der Land un­ter den Fü­ßen bah­nen sich die Ur­lau­ber in­mit­ten die­ser wun­der­schö­nen Pracht­bau­ten den Weg hin­über zum Kroa­ti­schen Na­tio­nal­thea­ter „Ivan Zajc“. Des­sen Wie­ner Ar­chi­tek­ten, die auf Thea­ter­bau­ten von Prag bis New York spe­zia­li­siert wa­ren, mo­der­ni­sier­ten den Ur­sprungs­bau aus dem Jah­re 1765 am En­de des 19. Jahr­hun­derts zu ei­nem viel be­such­ten Haus. Lan­ge be­stau­nen die Gäs­te den rei­chen Fas­sa­den­schmuck die­ses Kunst­tem­pels, der nach dem „kroa­ti­schen Ver­di“be­nannt ist und mit Fres­ken von Gus­tav Klimt ver­ziert ist. Der Thea­ter- park führt aber auch zu den Ju­gend­stilMarkt­hal­len, in de­nen die Gäs­te von den viel­fäl­ti­gen Aus­la­gen und der Ar­ten­viel­falt der rei­chen Fisch­grün­de über­rascht wer­den. Da­bei er­fah­ren sie von ih­rer Frem­den­füh­re­rin Li­lia­na, dass die Frau­en in frü­he­ren Zei­ten mit der Haut der klei­nen Kat­zen­haie die Töp­fe ge­rei­nigt ha­ben. Und das zeigt sie ganz an­schau­lich, in­dem sie mit ih­rem Fin­ger von der ei­nen Sei­te über die fei­ne Haut streicht, wo­bei die­se in der Ge­gen­rich­tung sta­che­lig rau ist. Süd­lich von Ri­je­ka war­tet auf die Boots­gäs­te im Kvar­ner die le­gen­dä­re Ri­vie­ra von Crik­ve­ni­ca. Da geht’s ra­sant mit 20 Kno­ten un­ter ei­ner der bei­den mäch­ti­gen, 1,3 Ki­lo­me­ter lan­gen Brü­cken hin­durch, die die In­sel Krk mit dem be­wal­de­ten Ge­bir­ge des Fest­lan­des un­ter­halb von Ri­je­ka ver­bin­det. Wie übe­r­all an der kroa­ti­schen Adria ist das Was­ser auch hier glas­klar. Jetzt, im Früh­ling, ist der fa­mi­li­en- und kin­der­freund­li­che Ur­laubs­ort Crik­ve­ni­ca mit dem aus­ge­zeich­ne­ten, ki­lo­me­ter­lan­gen gold­gel­ben Sand­strand „Cr­ni Mol“und ih­ren Schat­ten spen­den­den Pla­ta­nen und Pal­men fast men­schen­leer. Das Etap­pen­ziel ist nach ei­nem kur­zen Auf­stieg ein me­di­ter­ra­ner Lunch auf der Ter­ras­se des tra­di­ti­ons­rei­chen, herr­schaft­li­chen Ho­tels Kvar­ner Pa­lace. Von hier ge­nießt man den un­ver­bau­ten Blick aufs Meer und auf die ge­gen­über lie­gen­de In­sel Krk. Und ge­nau dort­hin wird man in 20 Schnell­boot­mi­nu­ten nach ei­nem ab­schlie­ßen­den Es­pres­so chauf­fiert. Dort thront das klei­ne Ört­chen Vrb­nik wie ei­ne Trutz­burg hoch oben auf ei­nem Fel­sen. Und be­vor es über ein äu­ßerst steil an­stei­gen­des Sträß­chen zur Wein­ver­kos­tung in die­sem Ört­chen mit sei­nen ver­win­kel­ten Gäss­chen geht, sa­lu­tiert zum Ab­schied der freund­li­che Frei­zeit­ka­pi­tän „ Alex­an­der der Klei­ne“mit strah­len­den Au­gen hin­ter sei­ner rie­si­gen Horn­bril­le.

Wie einst bei Si­si: Das Grand­ho­tel Kvar­ner an der obe­ren Adria in Kroa­ti­en ge­hört zu ei­nem der präch­tigs­ten Ho­tels an der Opa­ti­ja Ri­vie­ra. Ge­gen­über in Sicht­wei­te liegt die In­sel Krk. Fo­to: ART/Petr Bla­ha

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