Be­su­cher­ma­gnet am Vul­kan

La Fortu­na in Cos­ta Ri­ca ist stolz auf sei­ne hei­ßen Schwe­fel­quel­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Christian Bo­er­gen(srt)

In­di­sches Blu­men­rohr um­gibt den Spring­brun­nen im klei­nen Park vor La Fortu­nas ka­tho­li­scher Kir­che San Juan Bosco. Die Kle­in­stadt, 130 Ki­lo­me­ter nord­west­lich der Haupt­stadt San Jo­sé, ist das Zen­trum des Vul­kan­tou­ris­mus in Cos­ta Ri­ca. Kein Wun­der, liegt La Fortu­na mit über 30 Ther­mal­bä­dern doch zu Fü­ßen des 1670 Me­ter ho­hen Are­nal, ei­ner der ak­tivs­ten Vul­ka­ne der Welt. Über 80 Men­schen­le­ben for­der­te sein Aus­bruch 1968, der die Ort­schaf­ten Pue­b­lo Nue­vo und Ta­bacón zer­stör­te. Jahr für Jahr wuchs der Are­nal dann meh­re­re Me­ter, bis star­ke Erup­tio­nen 2010 den La­vaf­luss zum Still­stand brach­ten. Re­stau­rants, Sou­ve­nir­ge­schäf­te, Hos­tels und klei­ne Mit­tel­klas­se­ho­tels grup­pie­ren sich rund um La Fortu­nas Platz vor der Kir­che so­wie in den Ne­ben­stra­ßen. Hin­ge­gen flan­kie­ren Lu­xus­re­sorts, meist mit ei­ge­nen Ther­mal­bä­dern, die hin­auf zum Vul­kanNa­tio­nal­park füh­ren­de Stra­ße. Übe­r­all glu­ckert und dampft es, Schwe­fel­ge­ruch liegt in der sehr sau­be­ren Luft über den Re­gen­wald­hän­gen. In La Fortu­na gibt es kaum ein Ho­tel oh­ne Ther­mal­pa­ket, vie­le der Bä­der sind ge­gen Ein­tritt öf­fent­lich zu­gäng­lich. Das war­me, teil­wei­se hei­ße Was­ser be­steht zu 97 Pro­zent aus durch Spal­ten und Ris­se ver­si­cker­tem Re­gen, der von Mag­ma er­hitzt wie­der an die Ober­flä­che steigt. Ent­spre­chend ent­hält das Ther­mal­was­ser drei Pro­zent Mi­ne­ra­le, ent­spannt die Mus­ku­la­tur und regt den Kreis­lauf an. Sei­ne Be­stand­tei­le lin­dern zu­dem chro­ni­sche Ge­len­ker­kran­kun­gen, Rheu­ma und All­er­gi­en. So wird der Vul­kan Are­nal zum Be­su­cher­ma­gne­ten zwi­schen Cos­ta Ri­cas schö­nen Ka­ri­bik- und Pa­zi­fiksträn­den. Der UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär war schon im Lea­ding Ho­tel Ta­bacón Grand Spa Ther­mal Re­sort zu Gast. In des­sen Ba­de­zim­mern kommt so­gar Ther­mal­was­ser aus der Lei­tung. Die Ta­bacónTher­mal­ter­ras­sen ste­hen nicht nur Ho­tel­gäs­ten of­fen, de­nen der ex­klu­si­ve Shan­gri-La-Be­reich ganz oben vor­be­hal­ten bleibt. Dort wer­den ih­nen Ge­trän­ke ser­viert, wäh­rend sie aus Lie­ge­mu­scheln den Are­nal be­wun­dern, so­fern nicht Wol­ken den Vul­kan­ke­gel ein­hül­len. Das ist re­la­tiv oft der Fall. Um­so bes­ser, dass ver­schie­de­ne Be­cken auf den Ther­mal­ter­ras­sen mit Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren von 25 bis 50 Grad Cel­si­us für Ab­wechs­lung sor­gen. Das in­mit­ten ei­nes tro­pi­schen Gar­tens, wo Schrau­ben­pal­men auf Stel­z­wur­zeln und vie­le an­de­re Pflan­zen das Ent­span­nen un­ter­stüt­zen. Ein Hin­gu­cker ist die Hydro­the­ra­pie un­term Was­ser­fall, des­sen Druck auf den Rü­cken durch­aus an­stren­gend sein kann. Hübsch wirkt die Pool­bar im gro­ßen Ther­mal­be­cken. Wer je­doch auf Bar­ho­ckern im 39 Grad war­men Was­ser ein Bier für acht US-Dol­lar her­un­ter­spült, der be­las­tet sei­nen Kreis­lauf und sei­nen Geld­beu­tel glei­cher­ma­ßen. Ganz in der Nä­he of­fe­riert Sky Ad­ven­tures in ei­nem pri­va­ten Na­tur­park ver­schie­de­ne Re­gen­wald-Er­leb­nis­se. Gleich über fünf Hän­ge­brü­cken geht es beim „Sky Walk“, ei­ner knapp drei­stün­di­gen Tour, die so­wohl ge­führt als auch auf ei­ge­ne Faust un­ter­nom­men wer­den kann. Mal sitzt ein Schnee­bus­sard im Baum, mal ein Zimt­brust-Mot­mot auf dem Ge­län­der. Der Vo­gel mit dem brau­nen Kopf und blau­en Schwanz­fe­dern kann so­gar Pfeil­gift­frö­sche un­be­scha­det ver­dau­en. Füh­re­rin Si­da­lia zwängt sich un­er­schro­cken in ei­ne Höh­le zwi­schen den Bett­wur­zeln ei­nes Re­gen­wald­baums, zeigt bun­te He­li­ko­ni­en am Rand des We­ges, der auch durch ei­nen Baum führt. Ei­ne Aus­sichts­platt­form ge­währt ei­nen Pan­ora­ma­blick über den 80 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßen Are­nal-Stau­see, der wich­tigs­ten Ener­gie­quel­le Cos­ta Ri­cas, das 2021 CO2neu­tral sein möch­te. Flech­ten zeu­gen von saube­rer Luft, und der 25 Me­ter ho­he Was­ser­fall El En­can­to ver­spricht Ab­küh­lung. Auf Blät­tern ne­ben der La-Queb­ra­da-Hän­ge­brü­cke sonnt sich ei­ne God­mans Berg­gru­be­not­ter. Im Ge­gen­satz zur grü­nen Bau­mot­ter ist sie gif­tig, ihr Biss für Men­schen je­doch nicht töd­lich. Ei­ner Fahrt mit der Seil­bahn „Sky Tram“auf über 1 000 Hö­hen­me­ter folgt der krö­nen­de Hö­he­punkt des Be­suchs im Are­n­al­park. Ge­si­chert mit Helm, Gurt­zeug und Hand­schu­hen, geht es an sie­ben ver­schie­de­nen Seil­rutschen in atem­be­rau­ben­dem Tem­po über den Re­gen­wald tal­wärts. Die längs­te der Zip Li­nes misst 760 Me­ter, der ma­xi­ma­le Ab­stand zum Bo­den be­trägt 200 Me­ter. Für Ad­re­na­lin-Jun­kies ide­al – nichts für Men­schen mit Hö­hen­angst.

Kur­bad im Re­gen­wald

Ge­sund­brun­nen am Vul­kan: Das Ther­mal­bad des Ta­bacón Re­sorts in La Fortu­na in Cos­ta Ri­ca steht nicht nur Ho­tel­gäs­ten of­fen. Fo­to: srt

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