Blu­ti­ger An­schlag in Istan­bul

Min­des­tens fünf To­te bei At­ten­tat / Of­fen­bar kei­ne Deut­sche un­ter Op­fern

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - avs

Bei dem zwei­ten Selbst­mord­an­schlag in­ner­halb ei­ner Wo­che in der Tür­kei sind in der Me­tro­po­le Istan­bul min­des­tens fünf Men­schen ge­tö­tet wor­den. 36 Men­schen sei­en ver­letzt wor­den, dar­un­ter zwölf Aus­län­der, teil­te der tür­ki­sche Ge­sund­heits­mi­nis­ter Meh­met Müez­zi­nog­lu mit, oh­ne wei­te­re De­tails zu nen­nen. Nach An­ga­ben des Bun­des­au­ßen­mi­nis­te­ri­ums ist kein deut­scher Staats­bür­ger un­ter den To­ten und Ver­letz­ten. Zum Hin­ter­grund des An­schlags mach­te Müez­zi­nog­lu kei­ne An­ga­ben. Es wer­de er­mit­telt. „Ich ver­ur­tei­le die, die Men­schen und da­mit die Mensch­heit tö­ten“, sag­te er. Der Selbst­mord­at­ten­tä­ter zün­de­te den Spreng­satz in der Nä­he der zen­tra­len Ein­kaufs­stra­ße Is­ti­k­lal. In der Nä­he des Ex­plo­si­ons­or­tes be­fin­den sich ein Ein­kaufs­zen­trum und das Be­zirks­amt. In der Tür­kei kommt es im­mer wie­der zu Ter­roran­schlä­gen. Erst ver­gan­ge­nen Sonn­tag gab es ei­nen An­schlag in der Haupt­stadt An­ka­ra mit 37 To­ten, zu dem sich die Frei­heits­fal­ken Kur­dis­tans (TAK) – ei­ne Split­ter­grup­pe der ver­bo­te­nen kur­di­schen Ar­bei­ter­par­tei PKK – be­kann­te. In Istan­bul hat­te im Ja­nu­ar ein Selbst­mord­at­ten­tä­ter zwölf deut­sche Tou­ris­ten mit in den Tod ge­ris­sen. Die Tat wur­de der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) zu­ge­rech­net. Das Aus­wär­ti­ge Amt riet deut­schen Tou­ris­ten in Istan­bul, zu­nächst in ih­ren Ho­tels zu blei­ben. Dort soll­ten sie sich über die Me­di­en und die Rei­se- und Si­cher­heits­hin­wei­se des Amts in­for­miert hal­ten, teil­te das Mi­nis­te­ri­um ges­tern mit. An­wei­sun­gen der tür­ki­schen Si­cher­heits­kräf­te sei un­be­dingt Fol­ge zu leis­ten. Der tür­ki­sche Au­ßen­mi­nis­ter Mev­lüt Ca­vu­sog­lu sag­te bei ei­nem Be­such im Iran: „Der Ter­ror hat sein häss­li­ches Ge­sicht ge­zeigt“. Auch der stell­ver­tre­ten­de Mi­nis­ter­prä­si­dent Nu­man Kur­tul­mus ver­ur­teil­te den An­schlag aufs Schärfs­te. Ei­ne Me­dien­sper­re wur­de er­las­sen, die sich je­doch nicht auf of­fi­zi­el­le Ver­laut­ba­run­gen be­zieht. EU-Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz nann­te den An- schlag „ab­scheu­lich“und sprach den Fa­mi­li­en der Op­fer sein Bei­leid aus. Der Grü­nen­Vor­sit­zen­de Cem Öz­de­mir schrieb auf Twit­ter, Ter­ror und Ge­walt in der Tür­kei müss­ten auf­hö­ren. Ein Vi­deo, das von ei­ner Über­wa­chungs­ka­me­ra vom An­schlags­ort stam­men soll, zeigt ei­ne Ex­plo­si­on in­mit­ten von Pas­san­ten. Au­gen­zeu­gen be­rich­te­ten von ei­nem lau­ten Knall. Hub­schrau­ber kreis­ten über dem Un­glücks­ort, Ret­tungs­wa­gen ras­ten zur De­to­na­ti­ons­stel­le. Die Po­li­zei sperr­te die Ein­kaufs­stra­ße Is­ti­k­lal weit­räu­mig ab. Am Don­ners­tag und Frei­tag wa­ren das deut­sche Ge­ne­ral­kon­su­lat in Istan­bul, die Bot­schaft in An­ka­ra und wei­te­re deut­sche Ein­rich­tun­gen we­gen ei­ner Ter­ror­war­nung ge­schlos­sen wor­den. Das Kon­su­lat in Istan­bul hat­te die Bun­des­bür­ger am Wo­che­n­en­de zu Acht­sam­keit in der Stadt auf­ge­ru­fen, eben­so am Mon­tag zum kur­di­schen Neu­jahrs­fest Ne­w­roz. Die TAK hat­te in ih­rem Be­ken­ner­schrei­ben zum An­schlag von An­ka­ra ver­gan­ge­ne Wo­che ge­schrie­ben, die Tat sei ei­ne Ver­gel­tung für die „Mas­sa­ker in Kur­dis­tan“. Die Grup­pe kün­dig­te zu­gleich neue An­schlä­ge an. Die tür­ki­sche Ar­mee geht seit Mo­na­ten in ei­ner Mi­li­tär­of­fen­si­ve ge­gen die ver­bo­te­ne kur­di­sche Ar­bei­ter­par­tei PKK im Süd­os­ten der Tür­kei vor. Die TAK ging 2004 aus der PKK her­vor und ver­üb­te An­schlä­ge in Städ­ten. Die Grup­pe hat­te sich schon im Fe­bru­ar zu ei­nem An­schlag auf ei­nen Kon­voi mit Ar­mee­bus­sen mit 30 To­ten in An­ka­ra be­kannt.

Fo­to: avs

Er­neut gab es in der Tür­kei ei­nen blu­ti­gen An­schlag: Ein Selbst­mord­at­ten­tä­ter zün­de­te ei­nen Spreng­satz in der Nä­he der zen­tra­len Ein­kaufs­stra­ße Is­ti­k­lal mit­ten in Istan­bul. Vier wei­te­re Men­schen star­ben.

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