Un­ter die Lu­pe ge­nom­men

Tipps für den Kauf ver­meint­li­cher Au­to-Schnäpp­chen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder -

Es

gibt vie­le gu­te Grün­de, sich für ein Fahr­zeug mit leich­ten Schä­den oder ei­nen Un­fall­wa­gen zu ent­schei­den. Kauf­in­ter­es­sier­te kön­nen bei erst­klas­sig re­pa­rier­ten Fahr­zeu­gen ein rich­ti­ges Schnäpp­chen ma­chen. Den­noch: Die meis­ten Au­to­käu­fer wol­len kein Un­fall­au­to, denn die Angst vor spä­te­ren Fol­ge­schä­den ist groß. Des­halb soll­te man fol­gen­de Tipps be­ach­ten:

Die ein­fa­che Fra­ge „Ist das ein Un­fall­wa­gen?“ist schnell ge­stellt, doch über die Ant­wort gab und gibt es un­zäh­li­ge Ge­richts­pro­zes­se. Denn aus ju­ris­ti­scher Sicht ist je­des Er­eig­nis ein Un­fall, das un­ge­wollt, plötz­lich und mit me­cha­ni­scher Ge­walt ei­nen blei­ben­den Scha­den ver­ur­sacht hat. Da­zu zäh­len auch ein­ge­schla­ge­ne Sei­ten­schei­ben oder Beu­len durch di­cke Ha­gel­kör­ner. Doch mi­ni­ma­le Ka­ros­se­rie- oder Lack­schä­den wer­den auch als Ba­ga­tell­scha­den be­zeich­net, wo­durch das Fahr­zeug nicht mehr „un­fall­frei“ist, aber den­noch nicht un­be­dingt als Un­fall­wa­gen de­kla­riert wer­den muss.

Denn in der Pra­xis gilt: Erst wenn er­heb­li­che Schä­den an der Fahr­zeug­struk­tur ab ei­ner Scha­dens­hö­he von 1 500 Euro vor­lie­gen, müs­sen Ver­käu­fer In­ter­es­sen­ten of­fen­ba­ren, dass der Wa­gen ei­nen Un­fall­scha­den hat­te. Die Schä­den soll­ten auch im Kauf­ver­trag ver­merkt wer­den. In­for­miert der Ver­käu­fer den Ge­braucht­wa­gen­käu­fer nicht, täuscht er arg­lis­tig. Vor­aus­ge­setzt er weiß um den Scha­den.

Kauf­in­ter­es­sen­ten soll­ten auf­merk­sam die Fahr­zeug­be­schrei­bung des Wun­sch­au­tos le­sen. Steht dort et­was über Un­fäl­le? Wird aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen, dass es ein Un­fall­au­to ist? Wenn nicht, hilft ge­ziel­tes Fra­gen. Denn nur zu ger­ne ver­schwei­gen oder ver­harm­lo­sen Ver­käu­fer klei­ne­re Vor­schä­den oder De­fek­te.

Die meis­ten Au­to­käu­fer sind kei­ne Ex­per­ten. Wer sich un­si­cher ist oder ei­nen ers­ten Ver­dacht hat, dass die Fahr­zeug­ge­schich­te Fra­gen auf­wirft, soll­te knapp 50 Euro in­ves­tie- ren. TÜV, DE­KRA oder an­de­re Gut­ach­ter hel­fen mit ei­nem so­ge­nann­ten Ver­trau­en­scheck und be­wer­ten den Wa­gen in we­ni­gen Mi­nu­ten. Das macht zwar Mü­he, ist aber gut an­ge­leg­tes Geld.

Be­vor Kauf­in­ter­es­sen­ten zur Be­sich­ti­gung des Fahr­zeu­ges fah­ren, soll­ten sie sich die Adres­se be­sor­gen und ei­nen Ter­min ver­ein­ba­ren. Und na­tür­lich auch den Ver­käu­fer in­for­mie­ren, wo­hin die Pro­be­fahrt ge­hen wird. Stimmt er nicht zu, soll­ten Käu­fer dop­pelt kri­tisch den Wa­gen prü­fen.

In­ter­es­sen­ten emp­fiehlt das In­ter­net­por­tal mo­bi­le.de beim Wunsch­fahr­zeug auf je­den Fall ei­nen Ba­sis-Check durch­zu­füh­ren. Das gilt auch dann, wenn der Ver­käu­fer den Wa­gen nicht als Un­fall­au­to ver­kauft.

Kon­trol­lie­ren der Sei­ten­schei­ben: Tra­gen sie al­le die­sel­be Her­stel­ler­be­zeich­nung? Ab­wei­chen­de Kenn­zeich­nun­gen be­deu­ten zwar nicht au­to­ma­tisch ei­nen Un­fall, da even­tu­ell in das Au­to ein­ge­bro­chen wur­de, dar­auf soll­te der Ver­käu­fer je­doch schon vor­ab hin­wei­sen.

Las­sen sich die Tü­ren pro­blem­los öff­nen und schlie­ßen, oh­ne zu ha­ken oder quiet­schen­de Ge­räu­sche von sich zu ge­ben?

Kauf­in­ter­es­sen­ten soll­ten ei­ne Ta­schen­lam­pe griff­be­reit hal­ten, denn al­lein die­se Tat­sa­che könn­te so man­chen Au­to­ver­käu­fer da­zu an­hal­ten, ehr­lich über die Fahr­zeug­ge­schich­te zu re­den. Die Lam­pe hilft, ei­nen Blick in den Radkasten zu wer­fen: Sind dort Ble­che ein­ge­schweißt, Schwel­ler aus­ge­tauscht?

Auf Spalt­ma­ße ach­ten: Der Ab­stand zwi­schen zwei Bau­tei­len soll­te ein­heit­lich ver­lau­fen. Falls nicht, deu­tet ei­ne ver­zo­ge­ne Ka­ros­se­rie auf ei­nen Un­fall hin. Ein­fach die Fu­gen­brei­te der Tü­ren auf Fah­rer­und Bei­fah­rer­sei­te ver­glei­chen, die­se soll­ten über­ein­stim­men. Ei­nen Blick soll­ten In­ter­es­sen­ten auch auf den Be­reich ne­ben dem Kenn­zei­chen und die Fas­sun­gen der Schein­wer­fer wer­fen: Gibt es Un­ter­schie­de, könn­te der Wa­gen ei­nen Fron­tremp­ler er­lit­ten ha­ben.

Im In­nen­raum nicht nur auf die Qua­li­tät der Pols­ter und den Ki­lo­me­ter­stand ach­ten. Sind die Ar­ma­tu­ren und die Schal­ter al­le bün­dig in den Kon­so­len und die Fu­gen gleich­mä­ßig?

Ein Blick auf ver­steck­te Stel­len des Au­tos gibt eben­falls Auf­schluss: Vor al­lem die nicht so­fort sicht­ba­ren Au­to­tei­le wer­den beim Nachla­ckie­ren ger­ne ver­ges­sen. Dies ge­schieht häu­fig bei Mo­tor­hau­ben (Front­scha­den), hin­te­ren Ver­klei­dun­gen des Kof­fer­raums (Heck­scha­den) und Re­ser­ve­r­ad­mul­den (Beu­len).

Ein pro­fes­sio­nel­les Lack­mess­ge­rät misst die Stär­ke der Lack­schicht. So lässt sich her­aus­fin­den, ob nachla­ckiert wur­de. Lei­der sind gu­te Ge­rä­te recht teu­er. Ei­ne bil­li­ge­re Al­ter­na­ti­ve ist ein Ma­gnet. Auf Ge­braucht­wa­gen­märk­ten sieht man heu­te noch Au­to­käu­fer, die da­mit kon­trol­lie­ren, ob ein Fahr­zeug ge­spach­telt wur­de.

Sind die Rei­fen gleich­mä­ßig ab­ge­fah­ren? Falls nicht, ist es ein Hin­weis auf ein be­schä­dig­tes oder ver­stell­tes Fahr­werk.

Käu­fer soll­ten sich Zeit für die Test­fahrt neh­men und sich nicht het­zen las­sen. Wäh­rend der Pro­be­fahrt ist vor al­lem wich­tig, wie das Fahr­zeug beim Gera­de­aus­lauf re­agiert. Wenn der Wa­gen beim Gera­de­aus­fah­ren nach rechts oder links zieht, ist die Spur des Wa­gens nicht mehr rich­tig ein­ge­stellt. Sol­che Spur­ver­än­de­run­gen kom­men bei­spiels­wei­se durch Schlag­lö­cher oder fal­sches Par­ken des Pkw auf dem Bord­stein. Auch Kur­ven- und Brems­ver­hal­ten tes­ten. Bloß nicht zag­haft sein, denn schließ­lich geht es um den Kauf ei­nes Fahr­zeugs. Noch bleibt Zeit, das ge­plan­te Ge­schäft nicht zu ma­chen.

Bei der Be­sich­ti­gung gilt wie bei je­dem Han­del: pro­fes­sio­nel­les Auf­tre­ten stärkt die ei­ge­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on. Denn leich­ter als mit den Wor­ten „Ich ha­be kei­ne Ah­nung von Au­tos“kön­nen es Käu­fer ei­nem der we­ni­gen un­se­riö­sen Ver­käu­fer nicht ma­chen, ih­nen das ein oder an­de­re De­tail zu ver­schwei­gen.

Ein Fahr­zeug we­der im Dun­keln noch im Re­gen be­sich­ti­gen. Zu leicht über­sieht man bei wid­ri­gen Wet­ter­be­din­gun­gen auch of­fen­sicht­li­che Schwach­stel­len.

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