Är­ger bei der For­mel 1

My­thos Fer­ra­ri muss durch Er­fol­ge ge­nährt wer­den – Vet­tel un­ter Druck

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Mar­tin Moravec

Die neue For­mel-1-Qua­li­fi­ka­ti­on soll­te span­nen­der wer­den, doch schon der Auf­takt in Aus­tra­li­en sorg­te für gro­ßen Är­ger. Fah­rer und Team-Chefs kri­ti­sie­ren den neu­en Mo­dus hef­tig. Mer­ce­des-Team­Auf­sichts­rat Ni­ki Lau­da be­zeich­ne­te bei RTL das neue For­mat als „Griff ins Klo“. Auch For­mel-1-Chef­ver­mark­ter Ber­nie Eccles­to­ne zeig­te sich nicht an­ge­tan: „Es war ziem­li­cher Mist.“

Se­bas­ti­an Vet­tel und die Scu­de­ria er­eil­te kurz vor der ers­ten Etap­pe ih­rer For­mel-1-Ti­tel­mis­si­on die nächs­te Ver­fü­gung des Fer­ra­ri-Pa­trons. Das Team sei be­reit für ei­ne Er­folgs­se­rie, ließ Fi­at-Boss Ser­gio Mar­chion­ne sei­ne Trup­pe in Mel­bourne wis­sen. Was er denn da­von hal­te, wur­de Vet­tels Te­am­chef Mau­ri­zio Ar­riv­a­be­ne ge­fragt. „Es ist doch ganz nor­mal, dass der Prä­si­dent von dir ver­langt, im zwei­ten Jahr nicht we­ni­ger zu leis­ten als im ers­ten“, ent­geg­ne­te Ar­riv­a­be­ne. „Der Prä­si­dent ist da­für da, sei­ne Leu­te an­zu­trei­ben, es bes­ser, bes­ser und noch­mals bes­ser zu ma­chen.“

Beim GP von Aus­tra­li­en heu­te auf Start­platz drei

Mar­chion­nes Wor­te sind deut­lich. Er will den ganz gro­ßen Er­folg, und er will ihn in die­sem Jahr. 2007 wur­de in Vet­tels ak­tu­el­lem Team­kol­le­gen Ki­mi Räik­kö­nen letzt­mals ein Fer­ra­ri-Pi­lot Welt­meis­ter. 2008 hol­te die Scu­de­ria zu­letzt die Kon­struk­teurs-WM. Seit­dem war das Team mit dem „ca­val­li­no ram­pan­te“(auf­bäu­men­des Pferd­chen) im Lo­go zwar im­mer wie­der nah dran. Doch nah dran zu sein, ist für ei­nen Mar­chion­ne nicht ge­nug. „Wenn wir zehn Jah­re lang kei­nen Ti­tel ho­len soll­ten, wä­re das ei­ne Tra­gö­die“, hat­te er ver­kün­det. Man hät­te das si­cher sach­li­cher for­mu­lie­ren kön­nen. Aber das wä­re eben nicht Fer­ra­ri. Die Scu­de­ria ist viel­leicht der kom­pli­zier­tes­te, lau­nischs­te und an­stren­gends­te al­ler For­mel-1-Renn­stäl­le. Das hat zu­nächst mal nichts mit ei­nem Chef wie Mar­chion­ne zu tun. Das ist in ers­ter Li­nie der Ge­schich­te der Scu­de­ria ge­schul­det. Kein an­de­res Team ist in der Kö­nigs­klas­se des Mo­tor­sports schon so lan­ge da­bei wie der Renn­stall aus Ma­ra­nel­lo. Seit dem ers­ten WM-Jahr 1950 ra­sen die ita­lie­ni­schen Grand-Prix-Pio­nie­re schon um Ti­tel. Und wie! 16 Kon­struk­teurs- und 15 Fah­rer-Welt­meis­ter­schaf­ten ge­wann Fer­ra­ri. Da kommt bei wei­tem kein an­de­rer Renn­stall mit. Die­ser My­thos muss aber mit Ti­teln ste­tig be­füt­tert wer­den. Und da­für ist Vet­tel da. Ein Jahr wur­de ihm zum Neu­auf­bau ge­währt. Mit drei Grand-Prix-Sie­gen funk­tio­nier­te das auch gut. 2016 aber wä­re das nicht mehr ge­nug. „Wir wä­ren auch ger­ne im ers­ten Jahr schon Welt­meis­ter ge­wor­den“, ver­si­cher­te Vet­tel. 2015 muss­te sich der vier­ma­li­ge Cham­pi­on aber mit ei­nem drit­ten Platz in der Fah­rer­wer­tung hin­ter den Mer­ce­des­Dau­er­sie­gern Le­wis Ha­mil­ton und Ni­co Ros­berg be­gnü­gen. „Mit 21 Ren­nen ist die­se Sai­son ex­trem lang, da­her ha­ben wir ein biss- chen Zeit, wenn der Start nicht zu 100 Pro­zent per­fekt sein soll­te“, sag­te Vet­tel, der beim Gro­ßen Preis von Aus­tra­li­en (6 Uhr MEZ) auf Start­platz drei steht – wie ge­habt hin­ter dem Mer­ce­des-Duo; Ti­tel­ver­tei­di­ger Le­wis Ha­mil­ton auf der Eins, sein deut­scher Stall­ri­va­le Ni­co Ros­berg auf der Zwei. Ne­ben Vet­tel kom­plet­tiert des­sen Fer­ra­ri-Kol­le­ge Ki­mi Räik­kö­nen Start­rei­he zwei. Ni­co Hül­ken­berg (Force In­dia) geht als Zehn­ter, For- mel-1-Renn-Neu­ling Pas­cal Wehr­lein als 21. in den GP von Aus­tra­li­en. „Wir wol­len uns in Aus­tra­li­en als das Team prä­sen­tie­ren, das es zu schla­gen gilt“, gab Mar­chion­ne sei­ner Fer­ra­ri-For­mel-1-Be­leg­schaft vor der lan­gen Rei­se mit auf den Weg. Das ist der An­spruch. Die Rea­li­tät sah in Mel­bourne dann gleich wie­der an­ders aus. Doch: „Druck ist Teil un­se­res Jobs“, sag­te Ar­riv­a­be­ne, „das ge­hört ein­fach da­zu.“

Fo­to: dpa

Der My­thos muss mit Ti­teln be­füt­tert wer­den: Be­vor die For­mel 1 heu­te beim gro­ßen Preis von Aus­tra­li­en in Mel­bourne in die neue Sai­son star­tet, er­eil­te Fer­ra­ri-Pi­lot Se­bas­ti­an Vet­tel die nächs­te Ver­fü­gung von Ser­gio Mar­chion­ne – der Fi­at-Boss will den Hep­pen­hei­mer sie­gen se­hen. Nicht mehr und nicht we­ni­ger.

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