Martina Kast­ner: Vor­sit­zen­de des Diö­ze­san­rats

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Martina Kast­ner | Vor­sit­zen­de des Diö­ze­san­rats im Erz­bis­tum Frei­burg Tho­mas Liebs­cher

Ich freue mich, die Kir­chen­glo­cken zu hö­ren am Sonn­tag­mor­gen. Ein im­mer wie­der schö­ner Klang, der zu un­se­rer Kul­tur ge­hört“, schwärmt Martina Kast­ner. Dem Ruf der sonn­täg­li­chen Glo­cken zum Got­tes­dienst folgt die Ka­tho­li­kin al­ler­dings nicht so häu­fig – „weil ich schon in der Kir­che war, denn ich be­su­che gern die Vor­abend­mes­se am Sams­tag“, er­zählt Kast­ner. Ih­re kirchliche Ba­sis liegt in St. Cy­ri­ak Malsch, ihr Wir­kungs­kreis je­doch ist viel grö­ßer. Im gan­zen Erz­bis­tum Frei­burg wir­belt sie, ist be­kannt, für ih­ren Ein­satz be­rühmt und viel­leicht auch ein biss­chen ge­fürch­tet. Die kei­nem The­ma aus­wei­chen­de re­de­ge­wand­te Chris­tin lei­tet eh­ren­amt­lich das höchs­te Lai­en­gre­mi­um der ba­di­schen Ka­tho­li­ken, den Diö­ze­san­rat. Das ist ei­ne Art Par­la­ment mit 91 Köp­fen: ge­wähl­ten Mit­glie­dern aus al­len De­ka­na­ten, Ver­tre­tern der Ver­bän­de und ka­tho­li­schen Per­sön­lich­kei­ten wie Win­fried Kret­sch­mann. „Der Diö­ze­san­rat be­rät den Erz­bi­schof, er ist die Stim­me der ka- tho­li­schen Lai­en, ob es um in­ter­ne Din­ge geht oder Stel­lung­nah­men zu ge­sell­schaft­li­chen Vor­gän­gen“, be­rich­tet Kast­ner. Sie wur­de 2010 für man­che et­was über­ra­schend Vor­sit­zen­de des Diö­ze­san­rats, weil da­mals auch die da­ma­li­ge In­ha­be­rin des Amts kan­di­dier­te. De­mo­kra­ti­sches Han­deln, auch in der Kir­che, ist für die 2015 wie­der­ge­wähl­te Kast­ner maß­ge­bend. Ihr Gre­mi­um soll kla­re Kan­te zei­gen, bei­spiels­wei­se im Vo­tum für mehr Lei­tungs­ver­ant­wor­tung von Frau­en. „Ver­trau­en in Kom­pe­tenz von Eh­ren­amt­li­chen, aber kei­ne Über­for­de­rung, die Initia­ti­ve für ei­ne Fair­Tra­de-Diö­ze­se und das Ein­tre­ten ge­gen Waf­fen­han­del als ei­ne der Flucht­ur­sa­chen“, zählt Kast­ner zu wich­ti­gen Punk­ten. Die Fe­mi­nis­tin lässt auch nicht lo­cker bei un­lieb­sa­men The­men. „Schon im El­tern­haus wur­de über al­les, aber loy­al, dis­ku­tiert, da kommt das wohl her.“Ihr Va­ter, ein Leh­rer und Ab­tei­lungs­lei­ter am Ober­schul­amt, war Pfarr­ge­mein­de­rat. Die Toch­ter tat es ihm nach und ist in­zwi­schen Vor­sit­zen­de in der Seel­sor­ge­ein­heit Malsch. „ Fes­te or­ga­ni­sie­ren kann ich nicht gut. Ich bin die Gre­mi­en­frau“, be­schreibt sich Martina Kast­ner. Sie ar­bei­tet mit ei­ner 75-Pro­zent-Stel­le an der KIT-Bi­b­lio­thek und ist viel un­ter­wegs mit dem Zug zu Sit­zun­gen in Frei­burg so­wie ganz Deutsch­land. Sie ge­hört auch dem Zen­tral­ko­mi­tee der Ka­tho­li­ken an. Den Ein­stieg in solch Lai­en-En­ga­ge­ment fand sie mit et­wa 30 Jah­ren bei der Ka­tho­li­schen Frau­en­gemein­schaft Deutsch­land (kfd). Dort fühlt sie sich bis heu­te ge­er­det und ver­stan­den. Spi­ri­tua­li­tät be­glei­tet sie je­den Tag beim Ge­bet und übe­r­all in Got­tes­häu­sern. „Es ist er­staun­lich, wie schnell das Ge­trie­be der Welt dann hin­ter ei­nem liegt.“

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En­ga­gier­te Ka­tho­li­kin, die auch bei un­lieb­sa­men The­men nicht lo­cker lässt: Martina Kast­ner ist Vor­sit­zen­de des Diö­ze­san­ra­tes und lei­tet da­mit das höchs­te Lai­en­gre­mi­um im Erz­bis­tum Frei­burg.

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