Gwen Ste­fa­ni: Neue CD nach En­de der Be­zie­hung

Gwen Ste­fa­ni: Ak­tu­el­les So­lo-Al­bum zwi­schen ge­bro­che­nem Her­zen und neu­er Lie­be

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - And­rej So­ko­low

Viel­leicht sind Tren­nungs-Songs ein­fach das Schick­sal von Gwen Ste­fa­ni. Vor 20 Jah­ren war es die herz­zer­rei­ßen­de Bal­la­de „Don’t Speak“, die ih­rer Band No Doubt den ganz gro­ßen Durch­bruch brach­te. Das Lied war in­spi­riert vom En­de der Be­zie­hung mit dem Band­kol­le­gen To­ny Ka­nal. Jetzt ent­sprang dem Schei­tern ih­rer über zwölf­jäh­ri­gen Ehe mit dem Sän­ger der Band Bush, Ga­vin Ross­da­le, ein gan­zes Al­bum – un­ter an­de­rem mit der Abrech­nung „Used To Lo­ve You“. Der Text könn­te kaum per­sön­li­cher sein: „Ich weiß nicht, war­um ich wei­ne. Aber ich den­ke, es ist, weil ich mich erst­mals, seit ich Dich has­se, dar­an er­in­nert ha­be, dass ich Dich ein­mal lieb­te.“Ste­fa­ni selbst woll­te in ei­nem of­fen­her­zi­gen In­ter­view mit der „New York Ti­mes“zum Er­schei­nen des Al­bums nicht ins De­tail ge­hen, auch aus Rück­sicht auf die drei Kin­der des Paars. Aber sie ließ kei­nen Zwei­fel, dass an ei­nem Mor­gen im Fe­bru­ar 2015 ih­re Welt zu­sam­men­brach: Da­hin­ter ste­cke ei­ne „gu­te, saf­ti­ge Sto­ry“– „wenn ich könn­te, wür­de ich Ih­nen al­les er­zäh­len – und Sie wä­ren scho­ckiert“. Der Ti­tel des In­ter­views: „Gwen Ste­fa­ni klet­tert zu­rück aus dem Ab­grund“. Bis zur of­fi­zi­el­len An­kün­di­gung der Schei­dung im Au­gust hielt Ste­fa­ni das Ehe-Aus ge­heim. Mit ih­rem ge­bro­che­nen Her­zen ha­be sie Halt im Song- schrei­ben ge­fun­den, sagt Ste­fa­ni. „Ich muss Mu­sik dar­aus ma­chen. Das ist, was Gott von mir will“, ha­be sie ge­dacht. Das Er­geb­nis ist „This Is What The Truth Looks Li­ke“(So sieht die Wahr­heit aus), das drit­te So­lo-Al­bum von Gwen Ste­fa­ni und ihr ers­tes seit zehn Jah­ren. Es klingt an­ders als die bei­den Vor­gän­ger: di­rek­ter, er­wach­se­ner, we­ni­ger ver­spielt. Ein fer­ti­ges So­lo­al­bum, das sie gera­de da­vor mit Mu­sik ein­ge­kauf­ter Song­schrei­ber auf­ge­nom­men hat­te, ver­schwand in der Schub­la­de.

Tren­nungs-Lie­der sind of­fen­bar ihr Schick­sal

Als sie 2004 wäh­rend ei­ner Band­pau­se von No Doubt ihr So­lo-De­büt her­aus­brach­te, merk­te man Ste­fa­ni an, dass sie nach Jah­ren mit eher ro­cki­ger Mu­sik hung­rig auf Neu­es war. Die Songs von „Lo­ve, Mu­sic, An­gel, Ba­by“ent­stan­den mit Ein­fluss von TopPro­du­zen­ten wie Pha­rell Wil­li­ams, wa­ren schrill, über­schwäng­lich, pop­pig. Zwei Jah­re spä­ter be­gann das zwei­te So­lo­al­bum „The Sweet Escape“mit dem ab­ge­dreh­ten Dan­ceTi­tel „Wind It Up“, in den kunst­voll ei­ne Num­mer aus dem Al­pen-Mu­si­cal „The Sound of Mu­sic“ein­ge­floch­ten war, samt Blas­ka­pel­le und Jo­deln. Beim neu­en Al­bum wur­de Ste­fa­ni zwar ru­hi­ger, aber blieb sich den­noch treu. Der Sound ist dicht und kräf­tig, in der Sing­le „Ma­ke Me Li­ke You“, ei­nem ent­waff­nen­den Ohr­wurm, pul­siert der Bass, dass die Fü­ße ganz von al­lei­ne mit­ge­hen. Es hilft, dass Ste­fa­ni noch im ver­gan­ge­nen Herbst Trost in den Ar­men ei­nes Ju­ry-Kol­le­gen aus der ame­ri­ka­ni­schen Ver­si­on der Cas­ting-Show „The Voice“fand, des Coun­try-Sän­gers Bla­ke Shel­ton, der gera­de selbst ei­ne Tren­nung von Ehe­frau Aman­da Lam­bert durch­mach­te. Das neue Glück sorgt für die Ba­lan­ce im Al­bum mit Songs über fri­sche Lie­be. Die neu­es­ten Ti­tel in dem Al­bum sind im Ja­nu­ar ent­stan­den. Songs zu schrei­ben, ha­be sie schon frü­her ge­ret­tet, sag­te Ste­fa­ni der „New York Ti­mes“. Als Te­enager sei sie pas­siv und un­auf­fäl­lig ge­we­sen – bis sie an­fing, Mu­sik zu ma­chen. „Es war wie in ei­nem die­ser Fil­me, in de­nen sie ma­gi­sche Fä­hig­kei­ten ent­de­cken.“Für ver­rück­te Ak­tio­nen ist Ste­fa­ni un­ter­des­sen im­mer noch zu ha­ben: Das Vi­deo zu „Ma­ke Me Li­ke You“wur­de in ei­nem Rutsch li­ve wäh­rend ei­ner Wer­be­pau­se der jüngs­ten Gram­my-Ver­lei­hung ge­dreht, samt Klei­de­r­und Sze­nen­wech­sel. Da­mit das funk­tio­nier­te, wa­ren Wo­chen der Vor­be­rei­tung nö­tig und ein fal­scher Schritt hät­te al­les rui­niert. Aber es ging trotz des gro­ßen Drucks gut.

Fo­to: avs

Gwen Ste­fa­ni, hier bei ei­ner Mo­den­schau, ver­ar­bei­tet mit ih­rem ak­tu­el­len Al­bum die Tren­nung von ih­rem Ehe­mann Ga­vin Ross­da­le.

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