Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Wolf­gang We­ber

Al­le Jah­re wie­der wird un­ter Ex­per­ten und Wet­ter­frö­schen die Fra­ge dis­ku­tiert, wann er denn nun ei­gent­lich an­fan­ge, der Früh­ling. Die Me­teo­ro­lo­gen be­har­ren auf dem 1. März, weil sie zur bes­se­ren Be­rech­nung der Kli­ma­da­ten ger­ne in gan­zen und nicht in zer­stü­ckel­ten Mo­na­ten rech­nen. Die Phä­no­lo­gen sche­ren sich über­haupt nicht ums Da­tum, son­dern ori­en­tie­ren sich an re­gel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Er­schei­nun­gen wie der Ap­fel­blü­te. Der Be­ginn des Früh­lings ist nicht auf ei­nen be­stimm­ten Tag ter­mi­niert, son­dern er „wan­dert“qua­si vom mil­den Sü­den Eu­ro­pas in den nicht ganz so mil­den Nor­den. Und was sa­gen die All­er­gi­ker zu all dem? Für vie­le von ih­nen hat der Früh­ling schon im Fe­bru­ar be­gon­nen, als die ers­ten Pol­len durch die Luft flo­gen. Die Ex­per­ten des Ham­bur­ger In­sti­tuts für Wet­ter- und Kli­ma­kom­mu­ni­ka­ti­on kom­men beim The­ma Früh­ling gänz­lich oh­ne Ka­len­der und Wet­ter­be­richt aus. Sie set­zen ein­fach die ei­ge­ne Na­se ein und wis­sen so­fort, ob der Lenz schon da ist. „Den Früh­ling kann man rie­chen“, sagt der Me­teo­ro­lo­ge Kent Hei­ne­mann. Der Grund da­für sei­en die Blü­ten­stän­de in Süd­west­und Sü­d­eu­ro­pa. Wenn sich süd­li­che bis süd­west­li­che Strö­mun­gen ein­stel­len, kä- men die­se Blü­ten­stäu­be mit dem Wind über die Al­pen. Und dann scheint „die Luft förm­lich nach dem letz­ten Som­mer­ur­laub zu duf­ten“, sagt der Wet­ter­mann mit dem ge­üb­ten Riech­or­gan. Mit dem Früh­ling kommt für vie­le Men­schen auch das Glück zu­rück, das in den dunk­len Win­ter­mo­na­ten ir­gend­wie ver­schwun­den war. Wie pas­send al­so, dass heu­te, am Tag des ka­len­da­ri­schen Früh­lings­an­fangs, welt­weit auch noch der „In­ter­na­tio­na­le Tag des Glücks“ge­fei­ert wird. Mit die­sem Tag soll nach dem Wunsch der Ver­ein­ten Na­tio­nen die Be­deu­tung des Stre­bens nach Glück und Wohl­be­fin­den be­wusst ge­macht wer­den. Wo­bei die Fra­ge, wie man dau­er­haft ein glück­li­cher Mensch wird, auch durch die­sen Ge­denk­tag nicht be­ant­wor­tet wird. Dass der Früh­ling nicht au­to­ma­tisch für al­le und je­den mit dem Be­griff „Glück“ver­bun­den ist, zeigt ein klei­ner, lus­ti­ger Vier­zei­ler, den der Schrift­stel­ler Wiglaf Dros­te vor vie­len Jah­ren ver­fasst hat. Da näm­lich heißt es: „Es wird Früh­ling – al­les schim­mert Nur die Kie­fer quietscht und wim­mert Jam­mert über Win­ter­schä­den Muss zum Kie­fer­or­tho­pä­den.“

Mit dem Früh­ling kommt das Glück

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