„Zei­ten än­dern sich“

500 000 Fans ju­beln den Rol­ling Sto­nes auf Ku­ba zu

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Se­bas­ti­an Smith

Vor Hun­dert­tau­sen­den be­geis­ter­ten Fans sind die Rol­ling Sto­nes erst­mals im kom­mu­nis­ti­schen Ku­ba auf­ge­tre­ten. Front­mann Mick Jag­ger und sei­ne Band­kol­le­gen rock­ten am Frei­tag­abend bei ei­nem kos­ten­lo­sen Open-Air-Kon­zert in der Haupt­stadt Ha­van­na. „Wir wis­sen, dass es vor ei­ni­gen Jah­ren noch schwie­rig war, un­se­re Mu­sik in Ku­ba zu hö­ren“, sag­te Jag­ger un­ter gro­ßem Ju­bel auf Spa­nisch. „ Aber da sind wir.“Die 450 000 Zu­schau­er fas­sen­de Sport­an­la­ge Ci­u­dad De­por­ti­va, war bre­chend voll. Wer kei­nen Platz er­gat­tern konn­te, hör­te von drau­ßen zu: Die Mu­sik war rund ei­nen Ki­lo­me­ter weit zu hö­ren. Ins­ge­samt ver­folg­ten et­wa ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen das Kon­zert. Jag­ger, sei­ne Band­kol­le­gen Keith Richards, Ron­nie Wood und Char­lie Watts so­wie der Bas­sist Dar­ryl Jo­nes star­te­ten mit dem Hit „Jum­pin Jack Flash“. Sie spiel­ten 18 ih­rer größ­ten Hits – dar­un­ter „Sym­pa­thy For The De­vil“, „ An­gie“, „Paint It Black“und das sehn­süch­tig er­war­te­te „Sa­tis­fac­tion“. Auch die Hym­ne „It’s On­ly Rock „n“Roll“ga­ben die Sto­nes zum Bes­ten – mög­li­cher­wei­se als Bot­schaft an die kom­mu­nis­ti­sche Füh­rung des In­sel­staats, die ih­re Mu­sik – und Rock­mu­sik all­ge­mein – in der Ver­gan­gen­heit ver­bo­ten hat­te. Jag­ger feg­te ge­wohnt ener­gie­ge­la­den über die Büh­ne und sprach zwi­schen den Lie­dern auf Spa­nisch. „Ich den­ke, die Zei­ten än­dern sich wirk­lich“, rief er den Fans zu. „Das stimmt, oder?“Die Men­ge ge­riet völ­lig au­ßer sich, vie­le Zu­schau­er hüpf­ten un­ent­wegt auf und ab, be­weg­ten sich zu den dröh­nen­den Gi­tar­ren-So­los und gröl­ten bei den Sto­nes-Hym­nen mit. Die Al­t­ro­cker – Jag­ger und Richards sind 72 Jah­re alt, Watts 74 und Wood 68 – lock­ten äl­te­re Paa­re, Fa­mi­li­en und auch sehr vie­le jun­ge Men­schen in die Sport­are­na na­he dem Zen­trum von Ha­van­na. „Das ist das ers­te rich­ti­ge Kon­zert in Ku­bas Ge­schich­te“, sag­te Abel Pe­rez. Ed­die Escobar, der ei­nen der we­ni­gen Li­ve-Rock­mu­si­kClubs in Ha­van­na ge­grün­det hat, nann­te den Auf­tritt ei­nen „Traum“. Die Sto­nes schaff­ten ih­re Tech­nik selbst in 61 Schiff­scon­tai­nern und in ei­nem Flug­zeug her­an. Ei­ne 80 Me­ter lan­ge Büh­ne und sie- ben Groß­bild­schir­me wur­den auf­ge­baut. Der Han­dy-Emp­fang auf dem vol­len Kon­zert­ge­län­de brach an­ge­sichts der Men­schen­men­ge zu­sam­men. Die bri­ti­schen Al­t­ro­cker be­such­ten Ku­ba we­ni­ge Ta­ge, nach­dem USPrä­si­dent Ba­rack Oba­ma als ers­ter am­tie­ren­der Staats­chef der USA seit fast 90 Jah­ren in Ku­ba ge­we­sen war.

Da­mit Mick Jag­ger und die Sto­nes auf ei­ner Büh­ne in Ha­van­na ro­cken konn­ten, brach­te die Band ih­re Tech­nik in 61 Schiff­scon­tai­nern mit. Fo­to: dpa

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