Ein gu­tes Ver­steck

Beim Os­ter­nest hat sich der Os­ter­ha­se an den Vö­geln ori­en­tiert

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Das bes­te Ver­steck ge­lingt nicht oh­ne Os­ter­körb­chen oder Os­ter­nest. Sonst kul­lern die Eier weg. Ein ech­tes Vo­gel­nest funk­tio­niert ge­nau­so! Das Ei ist ein Sym­bol neu­en Le­bens und passt des­halb gut zu Os­tern, dem Fest der Au­fer­ste­hung Chris­ti. Dass ge­färb­te Eier be­lieb­te Os­ter­ga­ben sind, hat aber noch ei­nen Grund: In der Fas­ten­zeit zwi­schen Ascher­mitt­woch und Os­tern war es re­li­giö­sen Men­schen im Mit­tel­al­ter ver­bo­ten, Eier zu es­sen. Wäh­rend sie ver­zich­te­ten, leg­ten die Hüh­ner trotz­dem wei­ter Eier. Folg­lich häuf­ten sich die Eier. Die Bau­ern sam­mel­ten und koch­ten sie, um sie halt­bar zu ma­chen. Fri­sche Eier faul­ten schnell. In der Kar­wo­che zwi­schen Palm­sonn­tag und Os­tern galt das Eier­ver­bot noch im­mer. Doch Eier, die Hüh­ner in die­ser Wo­che leg­ten, wa­ren den Men­schen hei­lig, schließ­lich nah­te das neue Le­ben! Um die fri­schen Kar­wo­chen-Eier von den ge­koch­ten Ei­ern zu un­ter­schei­den, wur­den sie rot be­malt. Am Os­ter­sonn­tag wur­den die Eier im Got­tes­dienst ge­weiht und an­schlie­ßend ver­schenkt. Su­chen muss­ten sie die Men­schen da­zu al­ler­dings nicht erst. Das Fär­ben setz­te sich ge­nau­so durch wie das Hüh­ne­r­ei als ty­pi­sches Os­te­rei. Der Os­ter­ha­se leiht sich das Prin­zip Nest von den Vö­geln, um die Eier ge­schützt ver­ste­cken zu kön­nen. Ge­nau­so gut ver­ste­cken Vo­ge­l­el­tern ih­re Brut. Vo­gel­nes­ter be­ste­hen aus Gras, Heu oder Zwei­gen und be­fin­den sich auf Bäu­men, in Baum­stäm­men, in Sträu­chern, im ho­hen Gras und manch­mal auf Fels­vor­sprün­gen. Haupt­sa­che Füch­sen, Mar­dern oder Igeln fällt es nicht auf. Die­se fres­sen Eier für ihr Le­ben gern und neh­men auch kei­ne Rück­sicht auf die Fas­ten­zeit. Ei­ne Aus­nah­me bil­den die Stör­che: Ih­re Nes­ter sind frei­ste­hend auf Kirch­tür­men, Mas­ten oder Schorn­stei­nen, wo man die Vö­gel samt ih­rer Jun­gen gut be­ob­ach­ten kann. Dort hin­auf traut sich kein Fuchs. Der Ku­ckuck ist da­für be­kannt, dass er kein ei­ge­nes Nest baut, son­dern sich bei an­de­ren Vo­gel- paa­ren ein­nis­tet. Ei­nen rich­ti­gen Nest­bauWett­be­werb lie­fern sich die We­ber­vo­gelMänn­chen, ei­ne Fin­ken­art aus Afri­ka. Je­des muss vier bis fünf Nes­ter bau­en, bis ein Weib­chen ein­zieht. Manch­mal schlie­ßen sich die We­ber­vo­gel-Männ­chen des­halb zu­sam­men und bau­en in ei­nem Baum ein Ko­lo­ni­en­est mit ei­nen Durch­mes­ser von meh­re­ren Me­tern und bis zu 300 Nest­kam­mern. Sind al­le Brut­plät­ze be­setzt, kann es pas­sie­ren, dass der Ast un­ter dem Ge­wicht zu­sam­men­bricht. Üb­ri­gens ver­steck­te der Os­ter­ha­se die Os­ter­nes­ter lan­ge Zeit nicht al­lein: In Nie­der­sach­sen war der Fuchs an Os­tern im Ein­satz, in Thü­rin­gen der Ku­ckuck, in Bay­ern der Hahn. In den USA ist Nes­ter-Ver­ste­cken we­ni­ger ver­brei­tet. Dort heißt der Os­ter­spaß Eier­rol­len. Das funk­tio­niert ganz oh­ne Nest: Die Eier wer­den mit Löf­feln über ei­ne Wie­se ge­ku­gelt und müs­sen – un­ver­sehrt – mög­lichst weit kom­men. Im Wei­ßen Haus, dem Wohn­sitz des US-Prä­si­den­ten, ist Eier­rol­len seit 138 Jah­ren Tra­di­ti­on! Ba­rack Oba­ma hat 2016 vie­le Kin­der da­zu ein­ge­la­den. Sie konn­ten sich im In­ter­net be­wer­ben.

In den USA wer­den Eier ge­rollt

Ei­ne Am­sel füt­tert ih­re Jun­gen im Nest. Die Am­seln bau­en ih­re Nes­ter ger­ne in He­cken, in Efeu­wän­den, in Sträu­chern und auf Bäu­men. Fo­to: Fo­to­lia/YK

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