SONN­TAG

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Frank Bräu­ti­gam | Rechts­ex­per­te der ARD Wolf­gang We­ber

Neu­lich wur­de Frank Bräu­ti­gam mit­ten auf der Karls­ru­her Kai­ser­stra­ße von ei­ner wild­frem­den Frau an­ge­spro­chen: „Se­hen wir uns heute Abend wie­der?“, frag­te sie und lach­te ihn freund­lich an. Bräu­ti­gam stutz­te kurz – dann hat­te er ver­stan­den und ant­wor­te­te schlag­fer­tig: „Ja, vi­el­leicht win­ke ich Ih­nen so­gar kurz zu.“Das hat er dann aber doch nicht ge­macht, denn sol­che Späß­chen kann er sich als ei­nes der pro­mi­nen­tes­ten Aus­hän­ge­schil­der der ARD na­tür­lich nicht er­lau­ben. Als Nach­fol­ger der Jour­na­lis­ten­le­gen­de Karl-Die­ter Möller trat der be­geis­ter­te Fuß­bal­ler, der frü­her bei Blau-Weiß Aa­chen als Dau­er­läu­fer im Mit­tel­feld spiel­te, vor fünf­ein­halb Jah­ren in rie­si­ge Fuß­stap­fen. In­zwi­schen hat er längst sein ei­gen­stän­di­ges Pro­fil ent­wi­ckelt. Der ge­bür­ti­ge Rhein­län­der, der un­ter an­de­rem in Frei­burg stu­dier­te, sieht sich als „Jour­na­list im Na­men des Vol­kes“, denn „wir ma­chen ja Pro­gramm für je­der­mann.“Da­bei sieht er sich aber nicht als ver­län­ger­te Hand der Jus­tiz, son­dern vor al­lem als je­mand, „der er­klärt, was ein Ur­teil ge­nau für den ein­zel­nen Zu­schau­er be­deu­tet.“Das steht ja so in den ein­zel­nen Ur­tei­len nicht im­mer drin. Wäh­rend sei­nes Stu­di­ums ar­bei­te­te Bräu­ti­gam ne­ben­her als frei­er Mit­ar­bei­ter für die „Ba­di­sche Zei­tung“. „Da wur­de ich oft in den Ge­richts­saal ge­schickt und lern­te schnell, in knap­per Form über kom­pli­zier­te Sach­ver­hal­te zu be­rich­ten.“Was ihm heute noch zu­gu­te kommt. Ein „klas­si­scher“Bei­trag für die Ta­ges­schau darf nicht län­ger als ein­ein­halb Mi­nu­ten sein; we­nig Zeit, um hoch­kom­ple­xe Ur­tei­le mit sei­ten­lan­gen Ab­wä­gun­gen für „Ot­to Nor­mal­ver­brau­cher“zu er­läu­tern. Der März war für Bräu­ti­gam und sei­ne acht­köp­fi­ge Re­dak­ti­on ein au­ßer­ge­wöhn­lich ar­beits­in­ten­si­ver Mo­nat. „Das un­glaub­lich span­nen­de NPD-Ver­bots­ver­fah­ren war Zeit­ge­schich­te pur“, blickt er auf die ers­ten drei März-Ta­ge zu­rück. Wür­de er sich mehr Li­ve-Be­rich­te aus den Ge­rich­ten wün­schen? „Nicht für je­den Pro­zess“, sagt er, „aber die Jus­tiz soll­te sich schon noch ein biss­chen mehr öff­nen.“Aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dür­fen ja schon seit 1998 Ur­teils­ver­kün­dun­gen über­tra­gen wer­den – „das ist ein ers­ter, ganz klei­ner Schritt, den man mei­ner An­sicht nach auch auf den Bun­des­ge­richts­hof über­tra­gen könn­te.“Bis es so­weit kommt, wird der Mann, der „total mei­nen Traum­be­ruf ge­fun­den“hat, aber ver­mut­lich noch oft mit dem Fahr­rad sei­ne täg­li­che Stre­cke aus Rüppurr in die SWRRe­dak­ti­on in der Karls­ru­her Kriegs­stra­ße fah­ren müs­sen – im­mer schön an der Alb ent­lang.

Fo­to: SWR/Son­ja Bell

Als Rechts­ex­per­te der ARD be­rich­tet Frank Bräu­ti­gam re­gel­mä­ßig aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und dem Bun­des­ge­richts­hof.

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