Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

„Das ist der per­fek­te Tag, das ist die per­fek­te Wel­le“– wer hat auf den Text und die Mu­sik von „Ju­li“nicht schon mit­ge­wippt und mit­ge­sun­gen. Ich auch. Trotz­dem wird mir mul­mig, wenn mir auf der Vi­si­ten­kar­te der Hoch­zeits­pla­ne­rin „der per­fek­te Tag“ver­spro­chen wird, im Fern­se­hen „das per­fek­te Din­ner“oder „die per­fek­te Fi­gur“. Wie furcht­bar an­stren­gend wird es sein für al­le Be­tei­lig­ten, wenn al­les am Maß­stab Per­fek­ti­on ge­mes­sen wird. Wenn auch nur Klei­nig­kei­ten an­ders lau­fen – ist dann al­les ge­schei­tert? Ist Os­tern ein per­fek­ter Tag? Gibt es doch Le­ben. Frei­heit. Früh­ling. Ju­bel. Mu­sik. Glo­cken­ge­läut. Son­ne. Frei­zeit. Ge­nuss. Lie­be. Ge­mein­schaft. Und vie­les be­glü­cken­de mehr. Per­fekt? Auf al­ten Os­ter­bil­dern trägt der au­f­er­weck­te Je­sus auch im Mo­ment des Sie­ges über den Tod im­mer noch die Wund­ma­le an sich. Hän­de und Fü­ße sind ge­zeich­net mit den Spu­ren der Kreu­zi­gung. Die Sei­te ist im­mer noch auf­ge­ris­sen vom Speer, mit dem der rö­mi­sche Haupt­mann den Tod fest­stell­te und be­sie­gel­te. Noch im Mo­ment der Au­fer­ste­hung ist nicht al­les per­fekt, nicht al­les zu­ge­heilt. Nichts ist un­ge­sche­hen. Auch die bi­bli­schen Tex­te er­wäh­nen, dass Je­sus sei­ne Wund­ma­le zeig­te, dass sie noch spür­bar wa­ren. Im Latein­un­ter­richt ha­be ich ge­lernt: per­fec­tum est, das heißt: es ist voll­endet. Es ist er­reicht. Es ist zu En­de. Nein, mit der Au­fer­ste­hung Je­su ist noch nicht al­les zu En­de. Im­mer noch ha­ben wir ei­ne Zu­kunft, ei­ne Ge­schich­te vor uns. Und noch gibt es Wun­den. Es ist nicht al­les per­fekt. Wie es wei­ter­geht, ist noch of­fen. Das Bild vom Sieg über den Tod ist mit Schmerz er­kauft. Gott selbst ge­steht das ein. Gott ach­tet die Wun­den. Und nimmt sich ih­rer an. Vi­el­leicht hei­len die Wun­den in ei­ner kom­men­den Welt. Dann aber al­le.

von Ki­ra Busch-Wa­gner, Pfar­re­rin an der Pau­lus­ge­mein­de Ett­lin­gen

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