Chris­ti­an Schen­ker: Ein Lie­der­ma­cher für Kin­der

Der Lie­der­ma­cher Chris­ti­an Schen­ker singt für Kin­der

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Interview: Tan­ja Ka­sisch­ke

Sin­gen kann man nicht früh ge­nug, am bes­ten schon als Kind. In Deutsch­land sorg­ten Rolf Zuckow­ski und Detlev Jö­cker für vie­le tol­le Kin­der­lie­der. Ge­nau­so be­kannt wie sie ist Chris­ti­an Schen­ker in sei­ner Hei­mat, der Schweiz. Er singt auf Schwei­zer­deutsch (Schwy­zer­dütsch). Der ge­lern­te Er­zie­her schrieb sei­ne ers­ten Lie­der für die Ki­ta­kin­der sei­ner Grup­pe. Dann merk­te er, dass ihm Mu­sik Spaß mach­te – und wech­sel­te schließ­lich den Be­ruf. Für sein neu­es Kin­der­lie­der­buch „Hal­lo, seit d’Chatz“(Ara­ca­ri-Ver­lag, 17,90 Eu­ro) hat der 45-jäh­ri­ge Mu­si­ker erst­mals ei­ne hoch­deut­sche Ver­si­on ge­macht: „Hal­lo, sagt die Katz“. Ob ihm das schwer­fiel, ver­riet er im Interview. Grüe­zi, Herr Schen­ker! In Ih­rer Schwei­zer Hei­mat ha­ben Sie als Lie­der­ma­cher vie­le Fans und acht CDs ver­öf­fent­licht. Wie vie­le St­un­den pro Tag hö­ren Sie Mu­sik?

Chris­ti­an Schen­ker: Frü­her lief bei mir im­mer Mu­sik. Heute neh­me ich mir ex­tra die Zeit, um kon­zen­triert Mu­sik zu hö­ren. Zu Hau­se kom­me ich nicht mehr so viel da­zu, weil ich viel Zeit mit mei­nen bei­den Kin­dern oder mit Bü­ro­ar­beit ver­brin­ge. Sie ha­ben ge­ra­de ein neu­es Al­bum ge­macht. Wie oft hö­ren Sie da­für ein Lied an, bis Sie zu­frie­den sind?

Schen­ker: Ei­ni­ge hun­dert Mal! Sie sin­gen auf Schwy­zer­dütsch. Wenn Sie Hoch­deutsch sin­gen, müs­sen Sie sich da­bei sehr kon­zen­trie­ren?

Schen­ker: Nicht wenn ich Lie­der sin­ge, die es nur auf Hoch­deutsch gibt. Cha­os gibt es höchs­tens, wenn ich die deut­sche Ver­si­on ei­nes Lie­des sin­gen will, von der es auch ei­ne schwei­zer­deut­sche gibt, wie beim neu­en Al­bum.

Wie ent­ste­hen Ih­re Songs?

Schen­ker: Oft ist es ein Wort, das mir ge­fällt und ich über­le­ge mir, was man für ei­ne Ge­schich­te dar­um her­um bau­en und er­zäh­len könn­te. Manch­mal hö­re ich auch ei­nen Groo­ve und ver­su­che, ei­nen lus­ti­gen Reim dar­auf zu sin­gen. Frü­her schrieb ich die Lie­der haupt­säch­lich zu The­men für den Un­ter­richt. Heute in­spi­rie­ren mich Er­zäh­lun­gen von Freun­den, An­re­gun­gen von Fans und im­mer mehr auch mei­ne Kin­der. Sie sind ge­lern­ter Er­zie­her. Wie viel von dem Kind Chris­ti­an Schen­ker steckt in Ih­ren Songs?

Schen­ker: Auf je­den Fall ha­be ich schon als Kind ger­ne Auf­sät­ze ge­schrie­ben, Ver­se ge­dich­tet und die Leu­te un­ter­hal­ten. Lie­der­ma­cher mit Uku­le­le und Gi­tar­ren­kof­fer: Der Schwei­zer Chris­ti­an Schen­ker. Fo­to: pr

Was hat Ih­nen am Kind-Sein am meis­ten ge­fal­len?

Schen­ker: Ich hat­te stets ir­gend­ein Pro­jekt und Freun­de, die be­reit wa­ren, Ide­en mit mir um­zu­set­zen. Es hat mich schon im­mer glück­lich ge­macht, mit Freun­den ein Ziel zu ver­fol­gen. Wä­ren Sie ger­ne heute noch ein­mal Kind oder sind Sie zu­frie­den, dass Sie Kind in den 1970er und 80er Jah­ren wa­ren?

Schen­ker: Ob ein Kind in den 80er Jah­ren auf­wächst oder heute, spielt mei­ner Mei­nung kei­ne gro­ße Rol­le. Man wächst mit sei­ner Zeit auf und kennt es nicht an­ders. Ich hat­te ei­ne sor­gen­freie Kind­heit und wür­de mich nicht weh­ren, die­se noch­mals zu durch­le­ben. Aber wenn ich mor­gen als Kind er­wa­chen wür­de, wä­re das schon ei­ne ziem­li­che Her­aus­for­de­rung, weil sich vie­les ge­än­dert hat. Was ist der Un­ter­schied dar­in, mit Kin­dern zu ar­bei­ten – im Ver­gleich zu Er­wach­se­nen?

Schen­ker: Kin­der sind di­rek­ter und ehr­lich. Für Kon­zer­te be­deu­tet das: Kin­der am Büh­nen­rand ma­chen so­fort mit, wenn es ih­nen ge­fällt. Wenn es ih­nen nicht ge­fällt, las­sen sie die Büh­ne links lie­gen. Sie blei­ben nicht aus An­stand oder weil sie Ein­tritt be­zahlt ha­ben. Wie sind Sie auf Kin­der­lie­der ge­kom­men? Sie hät­ten ja auch Kin­der­bü­cher schrei­ben kön­nen?

Schen­ker: Ich ha­be mich im­mer schon für Mu­sik in­ter­es­siert, viel mu­si­ziert und bin ger­ne auf­ge­tre­ten. Als Kin­der­gärt­ner ha­be ich mit den Kin­dern je­weils Lie­der zu den be­han­del­ten The­men ge­sun­gen – doch manch­mal hat­te ich kei­nes zur Hand. So be­gann ich, sel­ber wel­che zu schrei­ben.

Mö­gen Mäd­chen an­de­re Kin­der­lie­der als Jungs?

Schen­ker: Spon­tan wür­de ich sa­gen, es gibt schon Mu­sik, die eher Mäd­chen oder eher Jungs an­spricht. Aber die Rück­mel­dun­gen auf mei­ne Lie­der wa­ren noch nie ge­schlech­ter­spe­zi­fisch. Be­kom­men Sie auch Tipps von Kin­dern, wel­che The­men sie in den Lie­dern hö­ren wol­len?

ten Schen­ker: Kin­der­gar­ten­grup­peJa! In mei­ner ers­gab es bei­spiels­wei­se ei­nen Jun­gen, der sag­te „Schreib doch mal ei­nen ,MuusBlues’, das tönt so lus­tig“. Dar­auf­hin ha­be ich dann auch tat­säch­lich ei­nen Blues über Mäu­se ge­schrie­ben. Ha­ben Sie schon ein­mal den Text ver­ges­sen?

Schen­ker: Ja, das pas­siert im­mer wie­der. Ich ver­su­che dann spon­tan ei­ne Aus­re­de zu dich­ten.

Wel­ches ist Ihr „er­wach­se­nes“Lieb­lings­lied?

Schen­ker: Mu­sik von Tom Waits und Manu Chao hö­re ich im­mer wie­der ger­ne.

Wel­che Mu­sik mö­gen Ih­re Kin­der?

Schen­ker: Mu­sik von Leu­ten, zu de­nen sie ei­nen Be­zug ha­ben, be­freun­de­te Mu­si­ker oder Künst­ler, die sie schon li­ve im Kon­zert er­lebt ha­ben. Ih­re zehn­jäh­ri­ge Cou­si­ne hat zu Weih­nach­ten ei­ne CD mit ers­ten Ei­gen­kom­po­si­tio­nen ge­bas­telt. Die hö­ren sie im Mo­ment am liebs­ten. Wenn Sie Mu­sik für ei­nen Film schrei­ben müss­ten, wo­von wür­de der Film han­deln?

Schen­ker: Ich hät­te nichts da­ge­gen, wenn der Ti­tel­song von Pip­pi Langs­trumpf von mir wä­re! Für den Kin­der­gar­ten ha­be ich mal ein paar Zir­kus­ge­schich­ten ge­schrie­ben, in de­nen ein Clown die Haupt­rol­le spielt. Falls das je­mand ver­fil­men möch­te, den Sound­track hät­te ich be­reits!

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