Lesestoff

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen - Jvg

Er zieht uns gleich wie­der mit­ten hin­ein ins pral­le Le­ben: Der lei­den­schaft­li­che Fa­bu­lie­rer John Ir­ving (74) er­zählt in sei­nem neu­en, mitt­ler­wei­le vier­zehn­ten Ro­man „Stra­ße der Wun­der“von zwei hoch­be­gab­ten Kin­dern, die auf ei­ner Müll­kip­pe im me­xi­ka­ni­schen Oa­xa­ca le­ben. Wir schrei­ben das Jahr 1970. Der 14-jäh­ri­ge Au­to­di­dakt Juan Die­go liest pau­sen­los aus­ran­gier­te Bü­cher und spricht zwei Spra­chen flie­ßend, wäh­rend sei­ne ein Jahr jün­ge­re Schwes­ter Lu­pe Ge­dan­ken le­sen kann. Bei­de be­fin­den sich in der Ob­hut des men­schen­freund­li­chen Je­sui­ten­pa­ters Pe­pe und ih­res Er­satz­va­ters Ri­ve­ra, weil ih­re Mut­ter Espe­ran­za we­nig Zeit hat. Sie ar­bei- tet als Pro­sti­tu­ier­te und geht im Ne­ben­job bei den Je­sui­ten put­zen. Ir­ving kul­ti­viert auf fast 800 Sei­ten sei­ne ganz spe­zi­el­le Art von ma­gi­schem Rea­lis­mus. Aber die pit­to­res­ken Prot­ago­nis­ten blei­ben trotz al­ler De­tail­ver­ses­sen­heit dies­mal selt­sam blass, ob­wohl um sie her­um je­de Men­ge los ist. Der Plot von „Stra­ße der Wun­der“mä­an­dert zwi­schen den Kon­ti­nen­ten, un­zäh­li­ge Hun­de streu­nen durch die 32 Ka­pi­tel, Blut- und an­de­re Kör­per­flüs­sig­kei­ten flie­ßen in Strö­men. Ide­en muss man ha­ben. Ir­ving hat­te dies­mal vi­el­leicht ein­fach zu vie­le.

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