Der Damm­bau­er

Wann kommt der Bi­ber zu­rück an den Ober­rhein?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Patri­cia Klatt

Kommt der Bi­ber bald zu­rück an die deut­sche Sei­te des Ober­rheins oder dau­ert es doch noch län­ger? Das ist ei­gent­lich die ein­zi­ge Fra­ge – denn dass er zu­rück­kom­men wird, dar­in sind sich die Ex­per­ten ei­nig. „Er kann von Mann­heim über den Neckar ein­wan­dern, über die Kin­zig und den Schwarz­wald oder auch von Sü­den über den Hoch­rhein“, sagt Bet­ti­na Sät­te­le, die Bi­ber­be­auf­trag­te am Re­gie­rungs­prä­si­di­um Frei­burg. Der Bi­ber (Cas­tor fi­ber) war ur­sprüng­lich in ganz Eu­ro­pa ver­brei­tet, wur­de aber An­fang des 20. Jahr­hun­derts durch den Men­schen aus­ge­rot­tet. Heute ist der Bi­ber nach der Fau­na-Flo­ra-Ha­bi­tat (FFH)-Richt­li­nie der EU so­wie nach dem Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz streng ge­schützt – und er ist eu­ro­pa­weit wie­der auf dem Vor­marsch, ak­tu­ell geht man in Ba­den-Würt­tem­berg von min­des­tens 3500 Bi­bern aus. Aber an­ders als frü­her trifft der Bi­ber nun bei uns auf ei­ne weit­ge­hend kul­ti­vier­te Land­schaft – und Mensch und Bi­ber müs­sen sich ar­ran­gie­ren. „Bei­de ge­stal­ten be­ste­hen­de Land­schaf­ten in ih­rem Sin­ne um, al­ler­dings nach an­de­ren Schwer­punk­ten“, sagt Bet­ti­na Sät­te­le. Wenn man ihn ge­wäh­ren lässt, schafft der Bi­ber neue Le­bens­räu­me, er baut Däm­me und Bur­gen, fällt Bäu­me, bringt Struk­tu­ren in Ufer­be­rei­che und re­na­tu­riert die Au­en. Kei­ne an­de­re Tier­art passt ei­ne Land­schaft der­ar­tig sei­nen Be­dürf­nis­sen an wie der Bi­ber. Tie­re und Pflan­zen fol­gen ihm qua­si auf dem Fu­ße, um den neu ge­schaf­fe­nen Le­bens­raum zu nut­zen. Man gibt viel Geld für Ge­wäs­ser­ent­wick­lungs­plä­ne aus, man­ches könn­te der Bi­ber auch un­ent­gelt­lich tun. Die Re­na­tu­rie­rung der Ge­wäs­ser durch die Bi­ber ist ef­fek­ti­ver, schnel­ler und we­sent­lich bil­li­ger als durch den Men­schen. Schwie­rig kann es sein, wenn der Bi­ber sol­che Ge­wäs­ser, die mit gro­ßem Auf­wand für Fi­sche pas­sier­bar ge­macht wur­den, durch sei­ne Däm­me wie­der schließt und da­mit schein­bar, oh­ne es zu ah­nen, so­gar ge­gen die Eu­ro­päi­sche Was­ser­rah­men-Richt­li­nie „ver­stößt“. „Man muss im Ein­zel­fall ge­nau schau­en, was man ma­chen kann“, meint Bet­ti­na Sät­te­le. Oft sei es mög­lich, dem Bi­ber ei­nen pas­sen­den Be­reich ein paar Me­ter wei­ter, zum Bei­spiel durch För­de­rung der Ufer­ge­höl­ze, „schmack­haft“zu ma­chen. Oder man ma­che Bi­ber­däm­me durch „By­päs­se“wie­der pas­sier­bar. Vor al­lem die Land­wir­te se­hen die Rück­kehr der Bi­ber oft­mals mit ge­misch­ten Ge­füh­len: Ein­ge­sun­ke­ne Ma­schi­nen im Ufer­rand- be­reich sind in Bi­ber­ge­bie­ten kei­ne Sel­ten­heit, ob­wohl die EU-Was­ser­rah­men­richt­li­nie ei­gent­lich grund­sätz­lich ei­nen zehn Me­ter brei­ten un­ge­nutz­ten Ge­wäs­ser­rand­strei­fen vor­schreibt. Wür­de so ein Rand­strei­fen aus der Nut­zung ge­nom­men, könn­ten Kon­flik­te größ­ten­teils ge­mil­dert wer­den, denn die Bi­ber­ak­ti­vi­tä­ten fin­den bis zu 90 Pro­zent in­ner­halb die­ser zehn Me­ter statt. „An­ders als in Bay­ern gibt es in Ba­den-Würt­tem­berg kei­nen Här­te­fall-Fond, um im Ein­zel­fall bei­spiels­wei­se Ma­schi­nen­schä­den an land­wirt­schaft­li­chem Ge­rät ab­zu­fan­gen“, be­dau­ert Bet­ti­na Sät­te­le, „das könn­te die Si­tua­tio­nen ent­schär­fen und die Ak­zep­tanz für den Bi­ber mas­siv er­hö­hen. Und das wä­re für die er­folg­rei­che Rück­kehr ei­ner ein­hei­mi­schen Tier­art von gro­ßer Be­deu­tung“. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Na­tur­schüt­zern, den Was­ser­bau­ern und den Kom­mu­nen ist al­so ge­fragt, wenn sich der Bi­ber neue Ge­bie­te er­schließt. Das Mi­nis­te­ri­um für Länd­li­chen Raum und Ver­brau­cher­schutz und die Uni­ver­si­tät Frei­burg er­ar­bei­ten ak­tu­ell da­zu ei­nen neu­en Bi­ber­ma­nage­ment­plan, der Mit­te des Jah­res vor­ge­stellt wer­den soll. Wer sich über den Bi­ber und sei­ne wahr­schein­li­che Rück­kehr auch in un­se­re Re­gi­on in­for­mie­ren möch­te, kann das im Karls­ru­her Na­tur­schutz­zen­trum Rap­pen­wört (Na­zKa) ma­chen, dort ist ab 12. April die Aus­stel­lung „Die Bi­ber kom­men“zu se­hen. Andre­as Wolf, der Lei­ter des Na­tur­schutz­zen­trum, hofft üb­ri­gens, dass er viel­leicht doch bald ei­nen Bi­ber in den Alt­rhein­ar­men auf Rap­pen­wört be­ob­ach­ten kann. „Die Be­din­gun­gen hier sind op­ti­mal und drü­ben im El­sass gibt es die Bi­ber schon“, so Wolf, „theo­re­tisch könn­ten sie auch den Rhein durch­schwim­men, aber das wür­de wohl nur dann ge­sche­hen, wenn das Del­ta von der Mo­der oder der Sau­er als Le­bens­raum für die Tie­re zu eng wer­den wür­de“.

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