Von Ver­let­zun­gen aus­ge­bremst

Ge­wicht­he­be­rin Sa­bi­ne Kus­te­rer konn­te per­sön­li­che Zie­le nicht rea­li­sie­ren

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ha­rald Linder

Mor­gen geht es los: Vom 11. bis zum 17. April wer­den im nor­we­gi­schen Før­de die Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten im Ge­wicht­he­ben aus­ge­tra­gen, bei de­nen es für die deut­schen Frau­en auch um Quo­ten­plät­ze für die Olym­pi­schen Spie­le in Rio geht. In Nor­we­gen mit da­bei ist auch Sa­bi­ne Kus­te­rer vom KSV Dur­lach, die bei der letz­ten EM vor zwei Jah­ren in Tel Aviv im Zwei­kampf den sechs­ten Platz be­legt hat­te. Da­von ist die 25-Jäh­ri­ge, die am Mon­tag nach Skan­di­na­vi­en fliegt und am Mitt­woch in der 63-Ki­lo­gramm-Klas­se an den Start geht, al­ler­dings zur­zeit weit ent­fernt. Ei­gent­lich ist es er­staun­lich, dass sie über­haupt schon wie­der in­ter­na­tio­nal zum Ein­satz kommt, denn in den ver­gan­ge­nen ein­ein­halb Jah­ren wur­de die Sport­sol­da­tin im­mer wie­der durch Ver­let­zun­gen zu­rück­ge­wor­fen. Zu­nächst brems­te sie ein Sturz vom Fahr­rad wo­chen­lang aus, dann war es ei­ne Ver­let­zung am Fin­ger und zu­letzt ei­ne hart­nä­cki­ge Ent­zün­dung im Ober­schen­kel, die Kus­te­rer da­ran hin­der­ten, so zu trai­nie­ren wie sie woll­te, um ih­re per­sön­li­chen Zie­le zu er­rei­chen: Näm­lich ih­re Zwei­kampf­leis­tung in der Klas­se bis 63 Ki­lo, die bei 205 Ki­lo­gramm liegt, auf 210 Ki­lo­gramm zu stei­gern und sich für die Olym­pi­schen Spie­le in Rio zu qua­li­fi­zie­ren – das hat­te sie sich vor­ge­nom­men. Doch Olym­pia ist, was sie per­sön­lich an­be­langt, ab­ge­hakt und im Zwei­kampf brach­te sie zu­letzt am 19. März bei ei­nem Bun­des­li­ga-Kampf des KSV Dur­lach 190 Ki­lo­gramm zur Hoch­stre­cke, wor­über sie al­ler­dings froh war: „Ich ha­be im letz­ten Jahr, als ich kaum trai­nie­ren konn­te, enorm viel Sub­stanz ver­lo­ren und zur­zeit fehlt mir ein­fach noch die Kraft, um hö­he­re Las­ten zu be­wäl­ti­gen“, sagt sie. Den­noch gibt sie sich kämp­fe­risch und will in Nor­we­gen „al­les tun, um un­se­rem Team zu hel­fen, ei­nen Quo­ten­platz für Rio zu ho­len. Das wä­re gro­ße Klas­se“, meint sie. Die deut­schen Män­ner ha­ben zwar schon vier Plätze für Bra­si­li­en si­cher, doch das Frau­en-Team ist noch oh­ne Olym­pia-Quo­ten­platz. Die letz­te Chan­ce, ei­nen Start­platz zu er­rin­gen, hat man in Før­de. Das sie­ben­köp­fi­ge Team muss in der Na­tio­nen­wer­tung un­ter die bes­ten sechs Mann­schaf­ten kom­men, die nach der WM noch oh­ne Quo­ten­platz ge­blie­ben sind. Ge­lingt dies, wer­den auch die Ein­zel­er­geb­nis­se Rich­tung Olym­pia re­le­vant. Denn die Frau­en ha­ben in ih­ren Ge­wichts­klas­se für die No­mi­nie­rung Leis­tungs­nor­men zu er­fül­len. Die bes­ten Chan­cen, dies zu schaf­fen, wer­den der zwei­ma­li­gen Olym­pia­teil­neh­me­rin Ju­lia Schwarz­bach aus Gör­litz und Ni­na Schroth aus Mut­ter­stadt ein­ge­räumt. Für Sa­bi­ne Kus­te­rer ist dies kein The­ma, sie will in Før­de zu­min­dest in den Be­reich ih­rer Sai­son­best­leis­tung kom­men, um ih­ren Teil zum Mann­schafts­er­geb­nis bei­zu­tra­gen. Zu­dem sieht sie ih­ren Start in Nor­we­gen auch als ei­ne Art „Neu­be­ginn“für sich selbst, zu­mal es für Kus­te­rer dar­um geht, wei­ter in der För­der­grup­pe des Ver­ban­des zu blei­ben. Da­für muss sie bis En­de des Jah­res al­ler­dings ih­re bis­he­ri­ge Zwei­kampf­leis­tung ver­bes­sern. „Wenn ich ver­let­zungs­frei blei­be und fit bin, krie­ge ich das hin“, gibt sie sich op­ti­mis­tisch, zu­mal sie trotz vie­ler Rück­schlä­ge „im­mer noch viel Freu­de am Ge­wicht­he­ben“hat und nach der EM in Nor­we­gen auf ei­nen wei­te­ren in­ter­na­tio­na­len Ein­satz Mit­te Ju­ni in Te­ne­rif­fa hofft, wo sich die weib­li­che Ge­wicht­he­ber­sze­ne zum Grand Prix ver­sam­melt.

Ei­ne star­ke Frau: Sa­bi­ne Kus­te­rer vom KSV Dur­lach hat­te in den ver­gan­ge­nen ein­ein­halb Jah­ren das Ver­let­zungs­pech ge­pach­tet. Dies ist auch der Grund da­für, dass sie die Olym­pi­schen Spie­le ab­ha­ken muss. Doch bei der EM kann sie dem deut­schen Team viel­leicht zu ei­nem Quo­ten­platz für Rio ver­hel­fen. Fo­to: GES/Hurst

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